Piri Piri & Co.

Ein scharfes Unternehmen

Aus einem Geschenk wurde ein Hobby und nun ein blühendes Unternehmen. Piri Piri & Co. stellt verschiedene Chili-Produkte her, die dem Leben etwas Schärfe verleihen

In Portugal heißt es „o que tem de ser tem muita força”. Locker übersetzt bedeutet dies, dass man seinem Schicksal nicht entkommen kann. Genau dies dachte ich mir, als mich innerhalb weniger Tage zwei Personen auf das junge, dynamische Unternehmen Piri Piri & Co. aufmerksam machten. Zuerst mein treuer Begleiter und ESA-Fotograf Gabriel Clemente, dann die Kollegin Susanne Röhl. Beide hoch begeistert von den scharfen Produkten von Romeu dos Santos und seinem Geschäftspartner Rui Miguel Gordo. Meine Neugier war geweckt. Ich wollte mich selbst davon überzeugen. Drei Tage später begrüßen wir uns vor dem neuesten Geschäftsbereich des Unternehmens: das Restaurant Piri Piri & Co. nahe dem Fußballplatz von Ferreiras. Gleich nach den ersten zwei Sätzen stellt sich heraus, dass Romeu wie ich in Königstein im Taunus aufgewachsen ist, wir uns wegen des Altersunterschiedes nicht kannten, aber einige gemeinsame Bekannte haben – darunter die damalige, von allen Kindern gleich gehasste Portugiesisch-Lehrerin! War unser Treffen Schicksal? Oder Zufall? Die Gründung von Piri Piri & Co. war ebenfalls ein Zufall. Unter seinen Freunden als Piri-Piri-Liebhaber bekannt, erhielt Romeu 2009 eine kleine Chili-Pflanze. Diese wuchs prächtig heran und bald darauf experimentierte er in der Küche und versuchte seine ersten selbstgemachten scharfen Soßen. Das Interesse war geweckt und Romeu informierte sich im Internet über Chili-Sorten, meldete sich in einem internationalen Forum zum Thema an und tauschte wenig später Samen mit Menschen aus Südamerika aus. In kurzer Zeit kam er auf 80 verschiedene Chili-Sorten, dementsprechend viele Vasen rund um das Haus und eine beachtliche Ernte, die ihn auf die Idee brachte, die Schoten zu vermarkten. Auf einem brachliegenden Grundstück der Familie in der Gemeinde Ferreiras setzte er 2011 zirka 200 Pflanzen. Die Früchte verkaufte er an einige Supermärkte der Region. Im darauffolgenden Jahr bewarb er sich um PRODER- Fonds, einem von der EU finanzierten Fonds zur landwirtschaftlichen Entwicklung, um Gewächshäuser zu bauen, denn die Chili-Pflanzen wachsen schneller bei tropischen Wetterbedingungen. Im September 2012 nahm er die 800 qm großen Gewächshäuser in Betrieb und pflanzte auch auf 2.000 qm unter freiem Himmel Chili-Sträucher an. Die Produktion nahm kräftig zu und Romeu hatte sogar Überschuss. „Kartoffeln kauft man kiloweise, aber Piri-Piri nur grammweise“, sagt er lächelnd. Die Supermärkte nahmen ihm daher nicht die gesamte Produktion ab. Diese war aber auch nicht groß genug für den Export. Also ließ er sich etwas anderes einfallen: die Verarbeitung der überschüssigen Schoten zu scharfen Soßen. Mittlerweile weist Piri Piri & Co. ein beachtliches Sortiment auf: getrocknete und gemahlene Chili-Schoten, verschiedene Soßen und Marmeladen mit Piri-Piri sowie scharfe Pickles und Erdnüsse. Zwar hat Romeu dos Santos 80 Chili-Sorten auf seinem Grundstück, doch die Produkte werden vor allem aus acht hergestellt: die weltweit beliebten Jalapeños und Habaneros, Bhut Jolokia, Lemon Drop, Cayenne, Ají, Tabasco und seine schärfste Chili-Sorte, die berüchtigte Trinidad Scorpion, die auch laut der Scoville-Skala als eine der schärfsten Sorten weltweit gilt. Diese Skala dient zur Abschät- zung der Schärfe der Früchte anhand des enthaltenen Capsaicins, welches Schmerzrezeptoren der Schleimhäute reizt und so das Schärfeempfinden auslöst. Die Auswahl der Produkte, die in verschiedenen Supermärkten, Gourmet-Läden und im Restaurant des Unternehmens gekauft werden können, ist groß und geht von mild bis extrem scharf. Selbst ein Kinder-Piri-Piri steht zur Wahl, das dem Geschmack von Romeus achtjähriger Tochter Maria angepasst wurde. Dazu muss gesagt werden, dass Maria die leicht schärfere Piri-Piri-Soße mit Himbeeren, die derzeit für Frauen entwickelt wird, als sehr mild empfindet. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm! Am besten besucht man das Restaurant Piri Piri & Co. Zu den dort wöchentlich wechselnden, angebotenen Tapas kann man die verschiedenen Soßen und Marmeladen des Unternehmens probieren, so dass man vor dem Kauf seine Lieblingsvariation entdecken kann. Selbst die Nachspeisen, der Sangria und der Kaffee sind scharf! Die Mousse au chocolat entfacht ein angenehmes, leichtes Feuer im Hals. Das Team ist sehr freundlich und kann ausführlich Infos zu den Chili-Schoten und deren Schärfe geben oder Tipps, zu welchem Gericht man welche Soßen oder Marmeladen essen sollte. Ein scharfes Vergnügen, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Anabela Gaspar

ESA 03/14

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