Kork – Jetzt auf den Greens

Die Golf-Taschen und -Accessoires des Algarve-Unternehmens The Cork Tree sorgen derzeit für Furore unter den Golfspielern. Sie sind aus dem erneuerbaren Naturprodukt Kork gefertigt und zudem wasserdicht, leicht und vor allem originell

Nuno Nascimento ist mit Kork aufgewachsen. Sein Großvater mütterlicherseits handelte mit Kork aus der Serra do Caldeirão und Nuno begleitete ihn oft bei seinen Geschäften. Die ersten Jahre lebte Nuno nahe Lissabon, dann für drei Jahre in Macau. Aber in den Ferien und wann immer es möglich war, reiste er zu seinem Großvater in die Algarve. Als Nuno 13 Jahre alt war, beschloss die Familie nach Faro zu ziehen. Für Nuno, der nun jedes Wochenende mit dem Großvater verbringen konnte, eine freudige Entscheidung. Im Laufe der Jahre erwarb sein Großvater immer mehr Grundstücke mit Korkeichen im Hinterland der Algarve. Der Familie gehören nun zirka 500 Hektar Korkeichenwälder. Zwei große Landgüter in São Brás de Alportel und mehrere kleine Grundstücke in Loulé und Tavira. Später erwarb Nunos Großvater auch eine Korkfabrik in São Brás de Alportel, die Nascimento & Filhos. War sein Großvater ein Visionär, der den Wert des Korkes und seine vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten früh erkannte? „Nein“, antwortet Nuno lachend, „Er war ein einfacher Mann aus der Serra, der die Erde, ihren Geruch in den frühen Morgenstunden, wenn sie von Tau bedeckt ist, liebte. Und er verliebte sich in die Korkeiche“. Weniger romantisch, dafür augenzwinkernd, fügt Nuno hinzu, „Sicher auch, weil er im Verkauf der Korkrinde eine Möglichkeit sah, dass sich seine Investition rechnet“. Nuno hingegen erhielt für seinen Zeitaufwand kein fixes Gehalt. „Ich war stets an seiner Seite, stand immer gegen fünf Uhr morgens auf, habe bei der Korkernte mitgearbeitet, den Geruch der gekochten Korkrinde zu lieben gelernt, und als ich den Führerschein hatte, wurde ich zu seinem Chauffeur“, erinnert er sich gut gelaunt. „Aber natürlich gab mir mein Großvater immer etwas Geld, das mich weiter motivierte“, gibt er lächelnd zu. An der Universität der Algarve studierte Nuno Wirtschaftsmanagement. Jedoch nicht mit dem Ziel, das Familienunternehmen zu übernehmen. Nach seinem Praktikum in einem Tourismusunternehmen gelang es dem Großvater doch, ihn zu überreden in der Korkfabrik zu arbeiten. Zu Beginn gab es einige Auseinandersetzungen. „In Sachen Marketing und Vertrieb oder Entwicklungsstrategie hatten wir unterschiedliche Meinungen. Der Altersunterschied war einfach zu groß, aber wir haben unsere Meinungsverschiedenheiten stets ausräumen können“, erklärt Nuno, dessen Respekt und Liebe für den Großvater aus ihm spricht. Mit Nuno im Unternehmen zog sich der Großvater immer mehr zurück. „Die Übergabe des Zepters war ein fast natürlicher Prozess“, fasst er zusammen. Die Korkfabrik ist nicht mehr in Betrieb, aber Nunos Hauptaktivität ist weiterhin der Korkhandel. Zwischen 2007 und 2011 meldeten viele Korkunternehmen den Konkurs an. Darunter viele von Nunos Kunden, der somit Geld verlor. Doch es war genau diese schwierige Zeit, die ihn zu seinem neuem Projekt führte. „Ich hatte zum ersten Mal seit langem mehr Freizeit und beschloss Golf zu spielen“, erzählt er lächelnd. „Kurz darauf kam mir die Idee, die Welt des Korkes mit der des Golfes zu verbinden“. Eine kleine Marktanalyse zeigte, dass alle Unternehmen, die Kork-Produkte vertrieben, sich auf Modeartikel oder Accessoires konzentrieren. Es aber niemanden gab, der Golftaschen oder Headsets für die Schläger verkaufte. „Und so wurde The Cork Tree ins Leben gerufen“, fasst der innovative 38-Jährige zusammen. Nuno arbeitet mit zwei Nähateliers in Faro und einem Designer-Atelier in Albufeira zusammen. Jedes einzelne Produkt ist handgemacht und aus portugiesischem Kork. Obwohl man heutzutage Kork in allen unterschiedlichen Tönen färben kann, wird bei der Verarbeitung der Produkte von The Cork Tree nur der naturbelassene Kork benutzt. „Es sind Korkprodukte und so sollen sie auch aussehen“, sagt Nuno überzeugt. Nachdem er die Marke durch Zusammenarbeit mit der portugiesischen Golfföderation und dem Verein der Profi-Spieler in Portugal bekannt machte, folgte der nächste logische Schritt: die Internationalisierung. „Schließlich ist der portugiesische Markt ein sehr kleiner“, so Nuno. In diesem Sinne nahm er Ende September 2013 an der Golf Europe-Messe in Augsburg teil. Mit Erfolg, denn The Cork Tree erhielt den Golf Europe Produkt-Preis für Innovation, Qualität und regionale Entwicklung. „Die Messebesucher waren begeistert“, erzählt Nuno, „Die allgemeine Reaktion war: Überraschung, Misstrauen, Entdeckung und Begeisterung.“ Er konnte viele Kontakte knüpfen, sogar für eine Kooperation mit einem Unternehmen aus Australien und einem aus Hong Kong und arbeitet nun mit Verteilern in Europa. Zurzeit ist Nuno dabei, die Erweiterung des Unternehmens zu planen. „Wie immer mit Eigenkapital“ hebt er hervor, denn Nuno ist sehr stolz darauf, nie Fonds oder Bankkredite genutzt zu haben. Wieso man eine seiner Golftaschen kaufen sollte? „Weil sie auf den Greens keine gleiche sehen werden!“, ist seine erste, gut gelaunte Reaktion. „Und natürlich, weil sie hochqualitativ, wasserdicht und umweltfreundlich sind, denn Kork ist ein erneuerbares und nachhaltiges Produkt“, fügt der Geschäftsmann hinzu. Was kostet eine originelle Kork-Golftasche? Zirka 320 Euro. Die Headcovers sind ab 18 Euro erhältlich.

Anabela Gaspar

ESA 01/14

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