Eine Welt aus Schokolade

Vom 14. bis zum 24. Februar findet im zentralportugiesischen Städtchen Óbidos das Festival Internacional de Chocolate 2008 statt. Ein Ereignis nicht nur für Naschkatzen, denn Zuckerbäcker zeigen, dass Schokolade auch ein beeindruckender Baustoff sein kann

Schokolade, Festival und Óbidos ­ Drei gute Gründe für eine Reise nach Zentralportugal, meint Ricardo Ribeiro. Er ist Geschäftsführer des kommunalen Unternehmens Óbidos Patrimonium in dem mittelalterlichen Städtchen und organisiert das elftägige Festival Internacional de Chocolate. Schokolade überwindet Alters-, Sprach- und Kulturgrenzen und ,,bricht das Fasten nicht”, erklärt Ribeiro augenzwinkernd. Kurz nach Karneval kann es also losgehen. Besucher werden viel lernen über Schokolade, ihre Geschichte, Herkunft und Verarbeitung und staunen, was aus der Substanz alles hergestellt werden kann. Der Ort ist erprobtes Terrain für ungewöhnliche Festivals. Im vergangenen Sommer ging das Castelo de Óbidos, 1148 aus der Maurenherrschaft befreit, erfolgreich aus der Wahl zu den ,,Sieben Wundern Portugals” hervor (s. ESA 7/07), kurz danach veranstaltete der Ort einen weithin beachteten mittelalterlichen Markt. Im Dezember kamen zweihunderttausend Besucher in das nur gut dreitausend Einwohner zählende Óbidos, das sich als Portugals ,,Weihnachtsstadt” herausgeputzt hatte. Jetzt gibt sich die historische Stätte genießerisch. Das Internationale Schokoladenfestival, vom angestammten Datum im November auf Februar verlegt, verspricht ,,Überraschungen zum Valentinstag”, schmunzelt Ribeiro, doch das sei längst nicht alles. Ein Obst- und Gemüsemarkt wartet auf Kundschaft, wobei die Erzeugnisse aus Schokolade hergestellt sind. Ebenso die täuschend echt wirkenden Fisch- und Meeresfrüchte-Auslagen. Daneben locken Skulpturen historischer Größen wie Cleopatra und die Sphinx. Andernorts stehen Schoko-Ausgaben von Oldtimern oder Nachbildungen portugiesischer Baudenkmäler. Die Casa do Chocolate wartet mit Rekonstruktionen von Szenen aus dem Leben vergangener Generationen auf. Die Casa das Crianças ist Kindern vorbehalten: Hinter den Türen, die an ein Knusperhäuschen erinnern, können sie sich selbst an der Bildhauerei aus Schokolade versuchen. Naschkatzen, die ihre eigene Schöpfung nicht anbeißen möchten, dürfen in dem Häuschen die Schoko-Dekoration der Wände knabbern, fast wie bei Hänsel und Gretel, doch bleibt ihnen die Hexe erspart. Dafür treffen Groß und Klein auf einem Spaziergang entlang der alten Stadtmauern ihre Helden aus Kino und Comic: Spider-Man, Batman, Shrek und die Figuren aus Ice Age waren im vergangenen Jahr vertreten, natürlich aus Schokolade, dieses Mal warten andere Überraschungsgäste. Für alle Skulpturen werden gut zwei Tonnen Schokolade verarbeitet. Dazu lädt die Stadt Künstler ein und Lebensmittel-Fachleute, die eine artistische Ader besitzen. Die SchokoWerker sind dazu übergegangen, den Stoff nicht nur in seiner reinen Form von schwarz bis weiß zu bearbeiten, Lebensmittelfarben erhöhen die Kreativität. Genießer haben ihre Freude an erlesenen Pralinen und Schoko-Petits Fours. Sie werden frisch vor Ort von Profis hergestellt und zum Abschluss des Festivals wird der beste Chocolatier unter Portugals Zuckerbäckern und Konditoren prämiert. Auch Laien, die sich berufen fühlen, schokoladige Confiserien herzustellen, können in einer extra eingerichteten Küche aktiv werden. Voraussetzung: Schokolade muss Hauptbestandteil des Feinbackwerks sein. Eine ,,hochkarätig besetzte, internationale Fachjury” wählt die besten Zehn aus, die sich durch Kreativität und Originalität auszeichnen, und zwar in Bezug auf Geschmack und Präsentation. Doch für das Gelingen des Festivals hofft Óbidos nicht nur auf den Enthusiasmus von Teilnehmern und Besuchern, sondern auch, dass Petrus Schokolade mag, denn ein großer Teil des Internationalen Schokoladenfestivals findet auf den Straßen des Ortes statt, stets im Schatten der Burgmauern. Und da gibt es auch reichlich süße Souvenirs: Schokoladenbrot, Birne in Schokolade, Pralinen mit Kirschen der Region, Schokoladen-Obst-Fondue und natürlich allerlei heiße Schokolade zum Trinken. Óbidos möchte die süßen Zeiten verlängern. Aus dem Gemeinderat war zu hören, rechtzeitig zum Festival werde das Projekt für ein Schokoladenmuseum vorgestellt (www.festivalchocolate. cm-obidos.pt).

 

Text: HENRIETTA BILAWER

ESA 02/08

Share.

Comments are closed.