Ein Leben mit und für die Esel

Unzertrennliche Freunde

Fast dreizehn Jahre war Robert Nestmann auf Wanderschaft, bis er sich Ende letzten Jahres in Monchique niederließ. Seit Kurzem lebt er am Südhang des Picota und bietet dort Wanderungen in der Natur mit seinen fünf Eseln an

In Deutschland lebte Robert in Nordrhein-Westfalen, in einem kleinen Dorf nahe der niederländischen Grenze. Seine berufliche Situation und vor allem sein Wohlbefinden bewegten ihn dazu, Deutschland zu verlassen. Als Ziel wählte er Granada. Dort wollte er autark in der Natur leben. Über längere Umwege gelang er nach Spanien. Allerdings nicht nach Granada, sondern in die Serranía de Ronda. Die ersten sieben Jahre verbrachte er dort auf der Finca eines Deutschen, der seine Lebenseinstellung teilte. „Es war eine sehr schöne und lehrreiche Zeit für mich”, so Robert, der auf dem Landgut aushalf und Olivenöl produzierte.  Dadurch kam er zu seinem ersten Esel, der Robert beim Transport der Oliven half. Nach einer Zeit merkte er jedoch, dass der Esel depressiv wurde, also schaffte er sich einen zweiten an. Als das Landgut ein Aufforstungsprogramm startete, wurde Robert vor die Wahl gestellt seine Esel wegzugeben, da sie die jungen Bäume wegfressen könnten, oder mit den Eseln die Finca zu verlassen. „Ich wählte meine Esel“, fasst der 43-Jährige lächelnd zusammen.
Durch Bekanntschaften fand er eine neue Bleibe in der Serranía de Ronda. Die Grundstückseigentümer ließen ihn und seine Esel dort leben, dafür kümmerte sich Robert um die Bäume und seine Esel durften zwischen den Korkeichen weiden und hielten somit die Wege frei. „Es war also für beide Seiten von Nutzen“, so Robert. In der Umgebung wurden der Deutsche und seine Esel immer bekannter und so kam es, dass spanische Bauern, die ihre Lasttiere nicht mehr brauchten, sie zu Robert brachten. „Ich unterhielt schließlich ein Eselschutzhof, auf dem acht Andalusische Riesenesel lebten, eine vom Aussterben bedrohte Art.“ Dort konnte man die Esel in freier Wildbahn beobachten und Robert bot auch Eselwanderungen an. Doch alles Gute geht einmal zu Ende. Die durch eine Raffinerie verursachte starke Luftverschmutzung brachte Robert dazu, sich von der „Giftquelle“ zu entfernen.

So begann seine Wanderschaft kreuz und quer durch Spanien. „Ich wusste nicht, wie weit und wohin mich meine Reise bringen würde“, erzählt Robert weiter. „Dazu hatte ich acht Esel und einige waren schon sehr alt. Zum Glück konnte ich sechs von ihnen gut vermitteln.“ Mit Camarón und Lucia trat er dann eine lange Reise an, die durch das andalusische Naturschutzgebiet Sierra de Grazalema führte.
Drei Monate später war Lucia eines Morgens verschwunden. Robert suchte sie verzweifelt und fand schließlich nicht einen, sondern zwei Esel: Josefina war in der Nacht geboren. Da das kleine Tier noch nicht die Kraft für die Reise hatte, blieben sie eine Weile dort. „Es war eine wunderschöne Gegend nahe an einem Stausee und wir hatten genug zu essen, 
aber die Luftverschmutzung war auch dort sehr stark und daher wanderten wir weiter, als Josefina kräftig genug war.”
Sie wanderten Richtung Osten zum Naturschutzgebiet Sierras de Cazorla, Segura y las Villas. In einem grünen Tal mit ausreichend Wasser ließen sie sich schließlich nieder. In der Zeit, die sie dort verbrachten, kamen Frederico und Luisa auf die Welt. Doch auch hier litt Robert wegen der Umweltverschmutzung an Nasenbluten und so führte ihn sein Weg in die Sierra Nevada, wo er in Alpujarra und Órgiva lebte. Dort empfahl man ihm erstmals Monchique. In der Algarve gäbe es keine Industrie und daher keine Luftverschmutzung; das Monchique-Gebirge sei ewig grün und reich an Wasser. Also setzte sich Robert Monchique als Ziel. „Wir sind dann sehr schnell durchgewandert, um nicht im Winter unterwegs zu sein“, erzählt er.
Er passierte die Grenze im Alentejo bei Pomarão und ging über Almodôvar und Gomes Aires bis zum Stausee Santa Clara und von dort nach Monchique. In Spanien war die Reise nicht einfach gewesen. Die alten Pfade waren zugewachsen oder zu Straßen umgebaut worden. Überall gab es Schnellstraßen, die nicht unter oder überquert werden konnten und daher zu langen Umwegen zwangen. Doch über all die Jahre, die er und seine Tiere unterwegs waren, hatte Robert immer „großes Glück, freundliche und sehr hilfsbereite Menschen zu treffen“, sagt er sichtbar gerührt. „Egal, wo wir ankamen, weckten meine Esel das Interesse der Bewohner. Die Menschen kamen auf uns zu, stellten Fragen, erzählten vom Opa, der in der Vergangenheit einen Andalusischen Riesenesel hatte, boten Wasser und Futter für meine Esel an“,  so Robert und fügt hinzu: „ich habe ein schweres Leben hinter mir und weiß dadurch Dinge wertzuschätzen.“
Auch Robert dürfte durch seine ruhige, freundliche und ehrliche Art die Sympathie der Menschen gewonnen haben. Mit vielen von ihnen hält er bis heute Kontakt, denn auch wenn Robert so etwas wie ein Minimalist ist, verfügt er doch über ein Smartphone und einen Computer, betreibt Web- und Facebook-Seite, sodass man sich per Mail oder Handy mit ihm in Verbindung setzen kann.

In Monchique haben ihn auch schon Viele ins Herz geschlossen. „Zu Beginn waren die Menschen hier wesentlich vorsichtiger als die Spanier. Aber wenn man das erst einmal überwunden hat, dann ist die Verbindung ehrlicher und tiefer als das Oberflächliche bei vielen Spaniern“, weiß er mittlerweile zu berichten.
Als er damals in Monchique ankam, hat es stark geregnet und im Tourismusbüro sagte man ihm, er könnte im alten Sägewerk übernachten. Aus einer Nacht wurden mehrere, denn es stellte sich heraus, dass Esel Frederico eine Entzündung hatte. „Er war zwei Tage vorher in einen Kaktus getreten und ich hatte mir Mühe gegeben, alle Stacheln zu entfernen“, erzählt er fürsorglich, „doch es ist mir nicht gelungen und der Huf ist stark angeschwollen. Die Amtsveterinärin war sehr freundlich und hilfsbereit.“ Andere kamen auch, um den Neuankömmling und seinen Tieren zu helfen. Darunter Filipe Duarte, dessen Hilfe Robert sehr schätzt, denn obwohl Filipe selbst in ärmlichen Verhältnissen mit Frau und Kind lebt, hat er Robert mit Futter für die Esel und Winterkleidung versorgt und eine Unterkunft für ihn gefunden. „Er hat mir dann sogar geholfen, das Haus zu reparieren und mir Sachen gebracht, um es einigermaßen wohnlich zu machen“, erzählt Robert gerührt. Filipe war auch derjenige, der einem Journalisten der Regionalzeitung Barlavento von Robert erzählte. Durch die Reportage wurde ein englisch-brasilianisches Ehepaar auf Robert aufmerksam. Sie luden ihn zu sich ein und um sich dafür zu bedanken, unternahm Robert einen Esel-ausflug mit ihnen. Als sie Roberts Unterkunft sahen, boten sie ihm ein Haus an, dass sie nahe Alferce hatten und wo die Esel viel mehr Platz hatten. „Am 24. Dezember bin ich dorthin gezogen und habe Heiligabend und Silvester mit dieser sehr herzlichen Familie verbracht“, erzählt Robert.
Um etwas Geld zu verdienen, bot Robert Touristen auf dem Fóia-Gipfel Fotos mit seinen Eseln an. Er habe dort viele großzügige Menschen kennengelernt, „doch leider auch viele ignorante, die teilweise brutal zu meinen Eseln waren“, so Robert. „Meine Esel so vorzuführen, um ein bisschen Geld zu bekommen, hat mir so ein schlechtes Gefühl gegeben, dass ich es vorgezogen habe, lieber wieder in Armut zu leben, als ansehen zu müssen, wie depressiv meine Esel werden, weil sie angebunden sind“.

Mittlerweile konnte Robert mit der Hilfe des Paares ein neues Zuhause am Südhang des Picota-Gipfels finden und dieses auch mit deren finanzieller Unterstützung renovieren. „Es soll eine der schönsten Quintas der Gegend gewesen sein, sie ist aber bei den Waldbränden im Jahr 2003 abgebrannt“, erzählt Robert. „Es ist mir wirklich ein Anliegen, dass es dort wieder schön wird. Die Eigentümer, ein portugiesisches Ehepaar, sind begeistert, wie das Haus und das Grundstück schon aussehen. Die letzten 13 Jahre lebte ich immer auf Land, das nicht mir gehörte. Aber es hat sich immer alles geregelt. Die Menschen sehen auch, welche Arbeit ich auf ihrem Land leiste.“

Sein Ziel ist es, einen Eselschutzhof und eine biologisch-dynamische Landwirtschaft zu betreiben, die auf den Weltanschauungen von Rudolf Steiner beruht, dem Begründer der Anthroposophie. „Es geht um die Rückbesinnung auf die Natur“, fasst Robert zusammen. Um für seine Esel und für sich sorgen zu können, bietet Robert Eselwanderungen an. Dabei könnte man richtig entspannen und die Energie dieser freundlichen Riesen aufnehmen. Ebenfalls möglich ist es, Robert und den Eseln ein Besuch abzustatten, um die Tiere in freier Wildbahn zu beobachten. „Ich will die Menschen mit den Eseln glücklich machen. Ihnen dazu verhelfen, wieder mehr in Kontakt mit der Natur zu sein.“
Text & Fotos: Anabela Gaspar
ESA 11/16

Mob. 968 681 640
sanctuary.happy.donkeys@gmail.com
project-sanctuary-happy-donkeys.jimdo.com
www.facebook.com/camaronlucia.roberto

Share.

Comments are closed.