Die Tierschützerin

Marta Correia ist eine auf den Tierschutz spezialisierte Anwältin. Sie ist ebenfalls Stadträtin in Faro und die Gründerin der Niederlassungen des Tierschutzvereins PRAVI in Faro, Albufeira und Santarém. In allen Bereichen ihres Lebens setzt sich die 35-Jährige aus Portimão unermüdlich für das Wohl der Vierbeiner ein. Ihr Name ist landesweit Synonym für Tierschutz

Wie kam es, dass Sie sich im Tierschutz engagierten?
Ich hatte als Kind ein sehr privilegiertes Leben und wurde von meinen Eltern sehr beschützt. Als ich dann die Universität in Lissabon besuchte, entdeckte ich eine neue Welt, gegenüber der ich nicht gleichgültig bleiben konnte. Ich sah erstmals Obdachlose und fuhr kurz 
darauf jeden Abend durch die Stadt, um Essen zu verteilen. In Lissabon hatte ich auch erstmals Haustiere, eine Katze und eine Hündin und so kam es, dass ich auch immer Futter für Straßentiere dabei hatte. In der Hauptstadt ist die Zahl der Straßentiere aber sehr gering. Ganz anders als hier. Als ich nach dem Stu-dium in die Algarve zurückkehrte, war ich daher schockiert. Die Zeit in Lissabon hat mich menschlicher gemacht, mich mit Leid und Elend der realen Welt verbunden. Ich konnte dieses Elend nicht ignorieren, wollte aktiv dagegen wirken, Menschen und Tieren in Not helfen. Daher übernahm ich die Organisation der regionalen Tiertafel Projecto Alimentar Animal, war Freiwillige bei der Banco Alimentar und gründete die Niederlassung des Tierschutzvereins PRAVI in Faro. Unsere 
erste Aktion gab es im Hafen von Faro, wo vor zirka zehn Jahren um die 50 Hunde lebten, die unter Krätze und Leishmaniose litten und von Zecken befallen waren.

Portugal hat ein sehr schlechtes Image, was Tierschutz betrifft. Teilen Sie diese Meinung?
Obwohl mittlerweile ein Mentalitätswechsel spürbar ist, haben wir noch einen langen Weg vor uns, denn es werden weiterhin Würfe in den Müll geworfen oder ertränkt, Hunde angekettet, Pferde den ganzen Tag in praller Sonne ohne Wasser gelassen. Daher liegt die wichtigste Arbeit der Tierschutzvereine nicht im Füttern oder Vermitteln der Tiere, deren Sterilisation oder Kastration, sondern in der Sensibilisierung der Bevölkerung. Derzeit sind wir zum Beispiel in Verhandlungen mit dem Rathaus von Faro, um an den Mülltonnen Aufkleber mit der Aufschrift „Bicho não é lixo“ (Tiere sind kein Müll) anzubringen. Die Aufkleber sollen auch mit schockierenden 
Bildern versehen werden.

Meinen Sie, dass solche Bilder wirken? 
Wer Tiere in den Müll wirft, wird sich von Bildern nicht abschrecken lassen.
In erster Linie geht es nicht darum, die Täter davon abzuhalten, sondern darum, Zeugen zum Erstatten einer Strafanzeige zu bringen. Vor kurzem wurde eine Frau in Faro beobachtet, die einen Hund überfahren hat. Sie ist ausgestiegen, hat nach Schäden am Fahrzeug gesucht und ist dann weitergefahren, ohne den Hund eines Blickes zu würdigen. Wer so etwas tut, ist unmenschlich. Derzeit läuft eine Aktion, um diese Frau zu finden. Ich erhalte jeden Tag Nachrichten von Bürgern, die ein Fahrzeug der selben Marke, Modell und Farbe gesehen haben. Ziel ist es, rauszufinden, wer diese Frau ist und sie zur Verantwortung zu ziehen. Gleichzeitig dient der Fall als Beispiel für andere, damit die Menschen wissen, dass sie nicht ungestraft davon kommen können.

Das portugiesische Tierschutzgesetz wurde vor kurzem geändert. Sie haben bei der Ausarbeitung mitgewirkt. Sind Sie mit den Änderungen zufrieden?
Es bedarf noch einiger Verbesserungen. Dies war jedoch das, was angesichts der aktuellen Lage derzeit möglich war. Die erste Vorlage galt für alle Tiere, also auch für Kühe oder Stiere. Doch die rechtskonservative Partei CDS bestand auf einige Änderungen. Daher gibt es nun einige Ausnahmen, beispielsweise für Traditionen wie Stierkämpfe oder für die Nutztierhaltung wie etwa die Geflügelzucht. Das Gesetz bezieht sich nun lediglich auf Haustiere, statt, wie wir es geplant hatten, auf alle Tiere.

Die Durchführung des Gesetzes hängt jedoch stark von Strafanzeigen ab?
Ja, da haben Sie recht und leider ist es so, dass die Menschen noch oft wegschauen. Es ist wie bei der häuslichen Gewalt. Obwohl es ein sogenanntes Offizialdelikt ist, das also von Amts wegen und nicht erst nach einer Anzeige verfolgt werden muss, folgen die meisten Portugiesen immer noch dem alten Motto „Entre marido e mulher não se mete 
a colher“ (frei übersetzt: Was Mann und 
Frau betrifft, geht niemand was an). Genau diese Mentalität muss sich ändern. Es handelt sich dabei um Offizial-delikte und es 
ist gleichzeitig unsere Pflicht als Bürger, 
diese anzuzeigen.
Oft scheitert es aber auch an mangelnden Kenntnissen oder Sensibilität der Sicherheitskräfte. Einmal wurde ein Hund auf einem Privatgrundstück gesehen, der vergiftet worden war und im Sterben lag. Die Hauseigentümer waren nicht da und als die GNR eintraf, wollten sie ohne die Erlaubnis der Hauseigentümer das Grundstück nicht betreten. Ich erklärte ihnen, dass das Strafrecht die vermutete Einwilligung vorsieht. Wenn das Haus brennen oder ein Kind verletzt 
im Garten liegen würde, wäre die GNR 
sofort von der Einwilligung der Eigentümer ausgegangen. Da es ein Hund war, haben sie gezögert. Das Problem liegt darin, dass weiterhin zwischen Mensch und Tier unterschieden wird. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass wir nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten haben. Gleichgültigkeit kann töten, sagen wir immer. Natürlich kann nicht jede einzelne Person alleine die Welt ändern, aber kleine Gesten können einen Riesenunterschied machen!

Haben die städtischen Auffangstationen und die Tierheime die idealen Bedingungen?
Die möglichen. Es sind keineswegs die idea-len. In der Algarve ist keine einzige städtische Auffangstation legalisiert. Faro ist gerade dabei, den Bau einer solchen zu genehmigen. Und von den Tierheimen haben nur zwei, der Canil de São Francisco und das Tierheim der AEZA, eine offizielle Lizenz von der Veterinärbehörde. In Portugal gibt es drei sehr gute Beispiele, die von Sintra, Monsanto und Mêda. In Sintra zum Beispiel verlässt kein Tier das Tierheim, ohne sterilisiert und gechipt zu sein.

Ist das denn nicht die gängige Praxis?
Nein, leider nicht. Und dies ist ein großer Fehler! Doch laut den neuen Angaben der Veterinärbehörde dürfen Tiere erst zusammen mit der ersten Tollwutimpfung gechipt werden, das heißt, mit sechs Monaten.

Stimmen sie dem Einschläfern der Tiere zu?
Nur wenn sie extrem leiden. Und auch in solchen Situationen fällt die Entscheidung immer schwer. Ich musste mich dazu auch schon durchringen. Es war die schwerste Entscheidung meines Lebens und ich werde es nie vergessen. Es handelte sich damals um vierzehn Welpen, die so stark unter Krätze litten, dass sie enorme offene Wunden hatten.

Welche sind die größten Schwierigkeiten der Tierschutzvereine der Region?
Vor allem die fehlende Unterstützung seitens der Rathäuser. Die Tierschutzvereine werden nicht wie andere Sport- oder Kulturvereine behandelt. Dabei sorgen die Tiervereine nicht nur für das Wohl der Tiere, sondern auf indirekte Weise auch für die Sicherheit im Verkehr oder für die öffentliche Gesundheit. Was wären wenn Tiere mit Krätze, Flöhen und Zecken in den Gartenanlagen und anderen touristischen Anziehungspunkten der Region spazieren würden? Unsere Arbeit dient der gesamten Bevölkerung. Zum Teil übernehmen wir sogar die Arbeit des Rathauses. Trotz allem erhalten wir keine Unterstützung.

Als Stadträtin trugen sie zur Durchsetzung des Verbots von Zirkusveranstaltungen mit Tieren im Bezirk Faro. Gibt es ähnliche Pläne für andere Städte der Region?
Faro war 2014 landesweit die erste Stadt, die dieses Verbot einführte. Aber es handelt sich nicht nur um das Verbot bei Zirkusveranstaltungen, sondern von jeglichen Veranstaltungen mit Tieren, bei denen ihnen physisches oder psychisches Leid zugefügt werden kann. Das bedeutet, dass auch die traditionellen Veranstaltungen wie Stierkämpfe mit Jungstieren unter drei Jahren oder Kuhkämpfe verboten sind, die Teil der Festlichkeiten der Pferdemesse in Estoi waren.
Nach Faro folgten Funchal, Lissabon und Évora. Ich bin mir sicher, dass weitere Städte folgen werden. Auch Stierkämpfe müssen verboten werden. Man kann eine solch barbarische Quälerei nicht weiter unter dem Vorwand der Tradition weiterführen.

Danke für das Gespräch.

Text: Anabela Gaspar
In ESA 02/16

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