Bio aus Überzeugung und Liebe

Espírito da Terra

Vor knapp zwei Jahren konnten Rita und Luís Costa ihren Traum eines Biohofes verwirklichen. Das Besondere an ihrem Landbetrieb ist, dass Kunden ihr Gemüse und Obst selbst pflücken können

Auf der zirka ein Hektar großen Plantage des Biohofes Espírito da Terra (Geist der Erde) können Besucher ein eindrucksvolles Geschmackserlebnis entdecken. Hinter dem Biohof stehen Luís, ein ausgebildeter Steuerberater aus Lissabon, der „das Leben in der Hauptstadt satt hatte“ und daraufhin sechs Jahre auf Plantagen in den Niederlanden und in der Algarve arbeitete, und Rita, die als Psychologin in den Schulen von Albufeira arbeitet. Das junge Paar führte stets ein naturverbundenes Leben und wollte dies auch ihrem Nachwuchs, Zé Pedro und Ártur, vermitteln. So begann die Suche nach einem passenden Grundstück in der Region. Fündig wurden sie an der EN 125 zwischen Boliqueime und Patã. Ein altes Landgut, das westlich an einen kleinen Fluss angrenzt, der quasi das ganze Jahr Wasser führt und dadurch sehr fruchtbar ist.
Das Grundstück wurde jahrelang nicht gepflegt und „die Brombeersträucher bildeten mehrere Meter hohe Mauern“, erzählt Luís. „Wie im Märchen von Dornröschen sah es hier aus“, fügt Rita lächelnd hinzu, während sie das neue Familienmitglied, den drei Monate alten Nóe, in den Armen hält. Es dauerte eine Weile, aber mit viel Mühe gelang es Luís, das Grundstück zu säubern. Danach legte er die Gemüsebeete in Mandalas an, deren Mittelpunkte das „Zuhause“ eines der vielen Tiere bildet, die den Biohof mit der Familie Costa teilen. Neben Terra und Coda, den beiden Hunden, gibt eine Ziege ein Schaf, ein Schwein, einige Hühner, Meerschweinchen und ein Kaninchen.
Auch wenn es auf den ersten Blick eher unkoor-diniert wirkt, ging Luís beim Pflanzen der verschiedenen Gemüsesorten sehr sorgfältig vor. Denn „es kann das schönste Gemüse nicht ordentlich wachsen, wenn ihm sein Pflanzen-Nachbar nicht gefällt“, erkannte er in Abwandlung eines bekannten Schiller-Zitats. „In der Mischkultur entwickeln sich Pflanzen besonders gut und setzen sich sogar gemeinsam gegen Schädlinge zur Wehr.“ Einerseits gibt es keine Konkurrenz um die vorhandenen Nährstoffe, andererseits können intensiv duftende Kräuter Schädlinge abwehren oder vorbeugend gegen Pflanzenkrankheiten wirken.

Bei Espírito da Terra reicht das Angebot von Blattsalat und Kohl über Blütengemüse wie Blumenkohl und Brokkoli, Gemüsefrüchte wie Tomate und Kürbis, Knollen- und Zwiebelgemüse bis hin zu Hülsenfrüchten wie Bohnen. Zudem gibt es Zitrusfrüchte wie Orangen, Mandarinen und Zitronen, auch Brombeeren und demnächst Pflaumen und Feigen. „Das könnte aber noch eine Weile dauern, da wir die Bäume erst vor kurzem gepflanzt haben“, fügt Rita gleich hinzu. Ebenfalls vorhanden sind verschiedene Gewürzkräuter und essbare Blumen wie Ringelblumen, Veilchen, Kapuzinerkresse oder Borretsch. Auf unvergleichliche Weise verfeinern diese Blumen Smoothies und geben jedem Salat eine besondere Note.
Der Besucher kann alles selbst pflücken. Körbchen und Gartenschere sind natürlich vorhanden sowie Hilfe für diejenigen, die den Biohof zum ersten Mal besuchen oder sich nicht besonders gut auskennen. „Es kam schon vor, dass Besucher die ganze Salbei-Pflanze aus der Erde gerissen haben, statt nur einige Blätter zu pflücken“, erinnert sich Rita lächelnd. „Vor allem beim Mangold kommt dies öfters vor. Ist aber auch weiter nicht problematisch, wir pflanzen dann einfach gemeinsam eine neue Pflanze“, so Luís. Er ist gerade dabei, an allen Beeten Holzherzen mit den Namen der Gemüsesorten anzubringen. Ein rotes Herz gibt zudem an, an welchem Mandala gepflückt werden kann.
Warum es sich lohnt, selber zu pflücken? Weil man sonst nie so frische Früchte und Gemüse auf den Tisch bekommt. Weil man dann genau weiss, woher es kommt, was man isst. Weil man genau das bekommt, was man sich aussucht. Weil es ein Erlebnis ist, das nicht nur Kinder begeistert und weil man mit eigenen Augen sehen kann, wie ein Lebensmittel entsteht, listet Luís auf. Vor allem die pädagogische Seite ist ihm sehr wichtig. „Kinder haben hier die Möglichkeit zu beobachten, wie man sät, pflanzt und erntet. Wie unsere Lebensmittel wachsen.“ Zu beachten ist, dass man die verschiedenen Erzeugnisse nur zu bestimmten Zeiten erhalten kann. Je nach Witterungsverhältnissen können Früchte auch etwas früher oder später erntereif sein. Natürlich kann man alles auch frisch und fertig in Schälchen kaufen.
Um das Angebot so breit gefächert wie möglich zu halten, sät und pflanzt Luís alle fünfzehn Tage. „Zu Beginn habe ich alles auf einmal gepflanzt und stand kurz darauf ohne Gemüse für die Kunden da“, erinnert er sich. Zudem bietet er in Zusammenarbeit mit anderen Biobauern der Region, wie Fátima von der Quinta das Seis Marias (s. ESA 10/13) oder Carla von Horta da Torre (s. ESA 9/12) Bioprodukte an, die sie selbst auf dem Landgut nicht haben, wie Äpfel und Birnen.
Pläne für die Zukunft machen Rita und Luís nicht. Sie folgen dem Motto „Ein Tag nach dem anderen“ und es geht ihnen „nicht ums Finanzielle. Biologische Produkte sind ein Teil unseres Lebensstils, unserer Ideologie. Wichtig ist uns, unsere Jungs gesund zu ernähren. Reich werden wir sicher nicht, aber hungern werden wir ganz bestimmt auch nicht“, sagt Rita, während sie lächelnd ihren Blick über das Grundstück schweifen lässt.

Text: Anabela Gaspar; Foto: Espírito da Terra
In ESA 02/16

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