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FREIKÖRPERKULTUR

Textilfrei in der Algarve

Die Menschen sind ihren Körpern gegenüber um einiges toleranter und offener geworden. Der Leib muss nicht mehr verhüllt und vor fremden Augen verborgen bleiben. Doch in der Algarve ist der Freikörperkultur der Durchbruch noch nicht ganz gelungen
ntlang der über 200 Kilometer langen Algarve-Küste können Strände für jeden Geschmack entdeckt werden, doch für FKK-Anhänger ist das Angebot eher bescheiden. Unter zirka 150 Stränden sind lediglich drei offiziell textilfreie Badeorte: Praia do Barril in Tavira, Deserta bei Faro und Praia das Adegas in Odeceixe. Bei einem Dutzend anderer wird die Freikörperkultur seit Jahren von den Behörden geduldet. Álvaro Campos ist einer der Naturisten der Algarve, die sich für die Legalisierung weiterer FKK-Strände in der Region einsetzen. Dafür gründete er 2004 den Naturisten-Verband der Algarve Clube Naturista do Algarve (CNA). Einen ersten Sieg konnte Campos bereits verzeichnen, obwohl er selbst mit dem Ergebnis nicht besonders zufrieden ist. Nachdem CNA ein Projekt zur Änderung des FKK-Gesetzes aus 1994 ausgearbeitet und den Parteien mit Sitz im Parlament zugesendet hatte, nahm sich die Öko-Partei Os Verdes deren Anliegen an und bereitete eine Gesetzesvorlage vor. Dieser wurde 2010 einstimmig im Parlament zugestimmt. Die Gesetzgebung von 1994 beschränkte die Zahl der FKK-Strände auf je einen Fluss- und Meeresstrand pro Bezirk und legte die Mindestentfernung zur nächsten Ansiedlung auf 1.500 Metern. Was, so der CNA-Vorsitzender, wegen der starken Bebauung der Algarve-Küste jede Genehmigung unmöglich machte. Die Neuregelung lässt die Gemeinden selbst über die Genehmigung von FKK-Badebuchten entscheiden, hebt die Einschränkung der Anzahl pro Bezirk auf und 18 reduzierte die Mindestentfernung zur nächsten Ansiedlung auf 750 Meter. ,,Wir wollten eine Entfernung von 500 Metern”, so Campos, ,,aber wir mussten ein Kompromiss eingehen. Besser wenig als gar nichts”. Zwar wurde die Neuregelung vom CNA und den Bürgermeistern der Algarve begrüßt, doch viel hat sich nicht geändert. Macário Correia, der als Bürgermeister von Tavira den ersten Nacktstrand der Algarve einrichtete (Praia do Barril) meinte, im FKK-Gesetz sei ausreichend ,,Spielraum, um die Interessen von Naturisten und Bekleideten gleichermaßen zu wahren”. Seine Amtskollegen wollten sich jedoch mit Hotels in ihren Bezirken abstimmen oder Anträge aus der Bevölkerung abwarten. José Amarelinho, Bürgermeister von Aljezur, ein Bezirk, der wegen seiner wilden Stränden ein beliebtes Ziel unter FKK-Anhängern ist und wo sich auch der einzige FKK-Strand mit Rettungsschwimmern des Landes befindet, die Praia das Adegas, sagte im Juni 2010 der ESA gegenüber, dass die Naturisten eine ,,sehr interessante Zielgruppe” seien und ,,es ein wachsender Tourismusbereich” sei. ,,Natürlich kann das Rathaus diese Entwicklung nicht ignorieren”, fügte Amarelinho hinzu. Bislang genehmigte er jedoch keinen weiteren FKK-Strand. Nicht einmal Bordeira, wo es Besucher schon seit Jahren gewohnt sind, nackte Badegäste vorzufinden. Wieso die Rathäuser nicht die Strände legalisieren, wo seit Jahren FKK geduldet wird, und die auch als solche in jedem Reiseführer der Region aufgelistet werden, ist Campos ein Rätsel. Er hat vorerst jedoch andere Pläne.

Freikörperkultur: Die Algarve bietet das ganze Jahr ideale Wetterbedingungen

ESA 08/11

Fotos: CNA

Zuerst geht es CNA darum ein FKK-Netz in der Algarve aufstellen. Dieser soll aus den folgenden sechs Stränden bestehen: Barril (Tavira), Armona (Olhão), Praia Grande (Armação de Pêra), Meia Praia (Lagos), Praia do Barranco (Vila do Bispo) und Praia das Adegas (Aljezur). ,,Es geht uns nicht darum so viele FKK-Strände wie möglich zu legalisieren, sondern um die Qualität”, erklärt Campos. Mit Qualität sind die Infrastrukturen gemeint. FKK-Strände sollen über dieselben Infrastrukturen verfügen wie TextilStrände. Das heißt, dass es Rettungsschwimmer gibt, Liegestühle und Sonnenschirme zum Mieten, Bar, WC, Parkplatz und Polizeibewachung. ,,All das eben, auf was andere Badegäste auch Recht haben. Wir sind nicht zweitrangige Bürger, um uns in versteckten Ecken herumtreiben zu müssen. Wir zahlen unsere Steuern wie alle anderen und sollten deshalb die selben Rechte haben”, fasst Campos zusammen. Sollte CNA jedoch bis Ende dieses Sommers in dieser Hinsicht keine Fortschritte verzeichnen können, wird der Verband einen anderen Weg einschlagen. ,,Dann werden wir Kontakt mit den Rathäusern aufnehmen und die Legalisierung von mehr FKK-Stränden fordern, u.a. Aljezur, wo wir sicher sind, dass unser Antrag auf gutem Willen stoßen wird”, meint Campos. Außer den textilfreien Stränden, bemühen sich die CNA-Mitglieder auch um den Bau anderer

Naturisten-Einrichtungen wie Campingplätze. In anderen Ländern umfasst das FKK-Angebot mittlerweile auch Aktivitäten wie Nacktwandern. In der Algarve beschränkt sich das Angebot auf die genannten drei Stränden und einem einzigen Campingplatz, die Quinta dos Carriços bei Salema (www.quintadoscarricos.com), das jedoch nur zu 50 Prozent für Naturisten ist. ,,Die Algarve hat die idealen Wetterbedingungen. Wir könnten praktisch das ganze Jahr über Naturisten hier zu Gast haben. Aber aus mir unerklärbaren Gründen, sind die hiesigen Investoren nicht an dieser Marktlücke interessiert”, bedauert der überzeugte Naturist und fügt lächelnd hinzu, dass Personen aus dieser Zielgruppe ,,viele Geldscheine in der Tasche haben, auch wenn sie keine Taschen haben”. Für die Zukunft plant der Verband auch die Einrichtung von öffentlichen FKK-Freizeitanlagen und Wanderwegen. Zwar sei das FKK-Angebot in der Region knapp, die Akzeptanz unter der Algarve-Bevölkerung jedoch generell positiv. Campos erinnert sich, dass als der Strand Adegas legalisiert wurde, eine Verkäuferin aus Odeceixe freundlich sagte, sie würde zukünftig wohl weniger T-Shirts, dafür eventuell mehr Badetücher verkaufen. ,,Wir werden längst nicht mehr als persona non grata gesehen”, beendet Campos unser Gespräch.
Anabela Gaspar

Clube Naturista do Algarve www.clubenaturista algarve.com cna@clubenaturista algarve.com od. cnalgarve@iol.pt Mob. 968 397 800 Im Facebook ist der Verband unter ,,Clube N Algarve” zu finden. Dort gibt CNA seine Aktivitäten bekannt, u.a. wird derzeit zum Unterschreiben einer Petition zur Legalisierung des FKK-Strandes Barranco bei Raposeira aufgerufen (Petition unter www.peticao publica.com/PeticaoVer. aspx?pi=CNA) Portugals Festland Küste ist 1.230 Kilometer lang hat jedoch nur 6 offizielle FKK-Strände (alle südlich vom Tejo) Adegas / Alteirinhos Barril / Belavista Deserta / Meco / Salto

ESA 08/11

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