Mit Kulturpunkt unterwegs

Themenausflüge zwischen gestern und morgen

Kennen Sie die Geschichte des verschwunden Jesus aus Alvor? Wussten Sie, dass der letzte Kalifenkönig von Silves, König der Poesie genannt wird? Können Sie sich vorstellen, dass die Küstenstadt Portimão auf mehrere Schichten Häuserruinen gebaut wurde? Und warum sprechen die Einwohner von Monchique von einer eigenen Uhrzeit?

Portugal hütet zahlreiche Sammelsurien randvoll historischer Andenken aus fünf Kontinenten, die dem Land sein Gesicht schenkt, und den Menschen ihre Identität. Entlang der Algarveküste stoßen Reisende nahezu ständig auf Kulturwurzeln hundert- und tausendjähriger Herkunft. Kirchenfassaden, Burgen und Festungen, Hafenanlagen und Verteidigungswälle, Brücken, Grabstätte, Brunnen und Aquädukte, um nur einige zu nennen. Große Spuren, omnipräsent und unübersehbar. Abseits der Küste mit ihren primären Merkmalen der Tourismus-Algarve und des damit einhergehenden und touristisch orientierten Arbeitsmarktes, existiert eine zweite Algarve: Der Lebensalltag. Der Alltag der Menschen mit Arbeitsplatz Meer, ebenso die tägliche Routine auf dem Land und in der Landwirtschaft, in den Hügel der Serra und im Wald, kennzeichnet die authentische Lebenskultur hierzulande. Das Gleichmaß der Routine parallel zur Urlaubs-Algarve verläuft eher unspektakulär und im Rhythmus der Jahreszeiten und ihrer Herausforderungen. Die Menschen sind stolz darauf mit den Händen zu arbeiten, stolz auf ihr maritimes und landwirtschaftliches Wissen und den damit entsprechend erworbenen, traditionellen und seit mehreren hundert Jahren überlieferten Fingerfertigkeiten. Die tiefe heimatliche Verbundenheit der Algarvios zu ihrem Land und ihrer Lebensart, drückt sich jedoch ohne großes Aufhebens aus. A vida é como é. Das Leben ist wie es ist. Ist der Alltag vollbracht und das Tagewerk geschafft, wird es Zeit zu essen und zu erzählen. Anekdötchen und Geschichtchen werden aufgetischt. Fischlein bekommen Riesenmäuler, Hasen acht Füße, und wenn die Dorfhexe über das Haus einer Schwangeren fliegt, kommt das Kind taubstumm zur Welt. Jeder Ort hält ureigene Legenden parat. Legenden über Hexen, Waldgeister, Heilige Quellen und Helden, charmant pointiert und geprägt durch eine deftige Portion Aberglaube. Nicht jede Geschichte ist von vorne bis hinten wirklich wahr, aber darauf kommt es auch gar nicht an. Essen und fabulieren stößt eine Tür zur Algarve und zu den Herzen der Algarvios auf. Wie und was man wo isst und wie man was zubereitet, am liebsten gemeinsam, ist ein unverfälschter Beginn für Freundschaft und Spiegel der Identität der Menschen. Kulturpunkt luso-alemã will auch 2014 Knüpfpunkte zwischen Kulturen schaffen, Sprachbarrieren überwinden, Kulturidentität kennen lernen. Neu im Programmkalender: Themenausflüge, kulinarische Streifzüge, Kochatelier. Mit Kulturpunkt unterwegs von Ort zu Ort, erfahren die Mitspaziergänger in Alvor unter anderem vom mürrischen Raul, vom verschwundenen Jesus und davon, wie Muscheln in der Ria de Alvor gesammelt werden. In Monchique warten auf die Mitwanderer Anekdoten über Uhrzeit, Kork und das Kloster der Verbannung. Ab Frühling mit Picknick. In Portimão erzählt der Arade-Fluss die Geschichte des einst blühenden Industriestandortes und seiner Einwohner, unter diversen politischen und historischen Einflüssen. Silves, die Stadt der Poesie und der Liebe, der Obsession und des Verrats, vermengt Magie und Zauber, die bis heute in den Gassen spürbar sind. Und am Ende eines jeden Spazierganges wird in ein Lokal eingekehrt, in dem der Zeitgeist nach wie vor algarvisch tickt. Apropos algarvisch ticken: Die kulinarischen Streifzüge mit Kulturpunkt unterwegs, richten sich nach dem Kalender der Natur. Medronhobeeren pflücken, Pilze suchen, Oliven ernten, Mandeln, Feigen, Johannisbrot sammeln und weiter verarbeiten, je nach Saison. Jedes Quartal hält seine Spezialität bereit, die im Kochatelier mit Catrin kocht Verwendung findet.

ESA 02/14

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