Meisterpianist Alexander Schimpf

Piano Forte
Konzerte mit dem Meisterpianisten Alexander Schimpf

Im Mai können Kammerkonzertfreunde sich auf den mehrfach mit Musikpreisen ausgezeichneten Konzertpianisten Alexander Schimpf aus Deutschland freuen. Als Gast der Assoziation Amigos de Música de São Lourenço sorgt er mit zwei Klavierabenden für vollendeten Hörgenuss

Die Frage, ob Beethoven oder Brahms, erübrigt sich. Der 34-jährige Konzertpianist Alexander Schimpf aus Göttingen interpretiert jeden Komponisten mit Präzision, gepaart mit Temperament und dosierter Dramatik, begleitet von expressiver Körpersprache bei beinahe zärtlicher Tastenführung. Fast so, als wolle er die Tasten bloß streicheln. Doch dieser Eindruck täuscht. Alexander Schimpf arbeitet rigoros mit seinem Instrument. Er fordert den Flügel heraus und entlockt ihm bei jedem Musikstück erneut exakt den Klang, den er sich für das jeweilige Werk vorstellt, damit sich seine Interpretationen zu etwas markant Persönlichem verdichten. Bei Beethoven bebt er, in Brahms versenkt er sich, bei Adrian Sieber findet er bis zum letzten Akkord immer noch Steigerung. Alexander Schimpf gilt als Meister der Tonkunst, er spielt technisch brillant und gleichzeitig packend exhibitionistisch sämtliche Nuancen im Klanguniversum.
Der Pianist begann im Alter von acht Jahren mit Klavierunterricht. Sein außerordentliches Talent wurde rasch erkannt und kontinuierlich gefördert. Er wurde Schüler bei Wolfgang Manz in Hannover, setzte seine Studien bei Winfried Apel an der Carl-Maria-von-Weber Hochschule für Musik in Dresden sowie bei Bernd Glemser an der Hochschule für Musik in Würzburg fort, und vertiefte sein Wissen unter anderen bei Cécile Ousset und Janina Fialkowska.
1998 gewann er den ersten Preis beim Robert-Schumann-Wettbewerb für junge Pianisten in Zwickau, 2007 das Stipendium des Bundespräsidenten beim Felix-Mendelssohn-Wettbewerb für die Universität der Künste in Berlin. Weitere Preise sowie ein Förderstipendium der Deutschen Stiftung Musikleben folgten. 2009 gewann er den Ersten Preis beim Internationalen Beethoven-Wettbewerb in Wien. 2011 trat Alexander Schimpf bei dem seit 1975 biennal ausgeschriebenen und mit 50.000 Dollar dotierten Internationalen Klavierwettbewerb in Cleveland in den USA in der Kategorie für Pianisten der Altersklasse der 18- bis 30-Jährigen an und gewann. Zum ersten Mal in der Geschichte des begehrten Cleveland-Wettbewerbs stand ein deutscher Name auf Platz Eins der Siegerliste. Alexander Schimpf gewann den Preis plus Termin für sein Debüt in der New Yorker Carnegie Hall als Einstieg für eine mögliche Karriere als Konzertpianist in den Vereinigten Staaten.
Bei seinem Debütkonzert in New York stieß er mit seinen feinfühligen, unterschiedlich aufgebauten Interpretationen von Brahms, Schubert, Bach und Adrian Sieber die Tür zum amerikanischen Publikum weit auf. Seither gastiert er mehrmals jährlich in den USA, konzertiert in Südamerika, in Deutschland und Russland und anderen europäischen Ländern, wird eingeladen, als Konzertpianist mit Orchester sowie als Kammermusiker solo oder im Ensemble aufzutreten. Neben seinen Konzertauftritten unterrichtet Alexander Schimpf Klavier an der Musikhochschule in Würzburg und produziert unter dem Exklusiv-Label OEHMS Classics Solo-CDs. Im Mai folgt er der Einladung der Assoziation Amigos de Música de São Lourenço an die Algarve zu zwei Klavierabenden am 17. und 19. Mai auf der Quinta Os Agostos in Bordeira bei Santa 
Bárbara de Nexe.

Interview

Herr Schimpf, Klavier spielen und Klavier als Arbeitsinstrument benutzen. Ziehen Sie dazwischen eine Grenze?
AS: Künstlerisches Klavierspiel, live auf der Bühne im Konzert, ist auf jeden Fall als Arbeit zu bezeichnen, auch wenn es nicht unbedingt wie Arbeit wirken soll. Die Bezeichnung „Spiel“ ist ein wenig irreführend – lässt sie doch die Tätigkeit als beiläufig, leichtgängig und unterhaltsam erscheinen, und das ist sie wirklich oft nicht. Um die Frage genauer zu beantworten: nein, eine solche Grenze ziehe ich nicht. Mal ist das Musizieren am Klavier spielerisch, oft aber auch anstrengend, herausfordernd und nur mit viel Arbeit und Vorbereitung zu bewältigen.

Ihr Repertoire dehnt sich aus zwischen Klassik und Moderne und umfasst ein breites Spektrum der Musikgeschichte. Haben Sie bei der Auswahl Ihrer Konzertprogramme Präferenzen?
Es gibt gewisse Präferenzen, zum Beispiel die Wiener Klassik, die französische Musik des Impressionismus oder auch zeitgenössische Musik. Ich bin aber im Prinzip an der gesamten Vielfalt des Repertoires interessiert, die gerade für das Klavier ja gewaltig ist, und wähle Stücke auch oft nach spontanen Vorlieben aus. Meist kann man der Musik am besten im Konzert gerecht werden, die einem gerade besonders am Herzen liegt.

Sie treten auf in den USA, in Europa und Südamerika, arbeiten mit unterschiedlich besetzten Orchestern zusammen. Erfordert Ihre Arbeit in einem anderen Land eine andere Adaption, zum Beispiel in Las Vegas und in St. Petersburg?
Es fällt schon auf, dass die Musiker, mit denen ich in verschiedenen Ländern zusammenarbeite, von Haus aus unterschiedliche Mentalitäten und Erfahrungen mitbringen. Das kommt ganz einfach aus den unterschiedlichen Kulturen und Traditionen heraus, die sich natürlich auf das Musizieren – genau wie auf so vieles andere – ganz direkt auswirken. Auch die Art, wie zwischen Solist, Dirigent und Orchester kommuniziert wird, ist immer wieder unterschiedlich, dazu kommen Sprachbarrieren in manchen Ländern, die überwunden werden müssen. Sich auf unterschiedliche Situationen einstellen zu können, kann auf jeden Fall ein Vorteil sein, und es war für mich ein wichtiger Teil der beruflichen Erfahrung in den letzten Jahren.

Sie haben bereits etliche Preise bei angesehenen Wettbewerben gewonnen, zuletzt 2013 den Bayerischen Kunstförderpreis. Welche Herausforderung streben Sie als Nächste an?
Die Phase der Wettbewerbe ist auf jeden Fall vorbei, schon der Bayerische Kunstförderpreis war eine andere Art von Auszeichnung, die nicht mit einem Wettbewerb vergleichbar ist. Nun geht es darum, den begonnenen Weg möglichst erfolgreich weiter zu gehen, sowohl im Sinne der beruflichen Karriere als auch einer stetigen Weiterentwicklung als Musiker. Beides ist auf seine Weise schwer, aber für beides ergeben sich auch immer wieder neue, oft überraschende Möglichkeiten, Einflüsse, Chancen. Man hat als Musiker ein sehr spannendes Leben und das ist etwas, wofür ich sehr dankbar bin.

Dafür wünschen wir Ihnen viel Erfolg und bedanken uns recht herzlich für das Gespräch.

Text: Catrin George
In ESA 05/16

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