Kunst aus der Natur

Dort wo andere Wurzeln, Samen oder Blätter sehen, entdeckt Monika Pable die Augen eines Igels, die Ohren eines Hasen, einen Ohrring, einen Bilderrahmen und vieles mehr. Die Natur ist ihre Inspirations- und Materialienquelle

Monika Pable fand ihr Glück in Monchique. Die gebürtige Österreicherin war in der Heimat als Apothekenhelferin tätig, fühlte sich jedoch nicht glücklich. Nach einem kurzen Urlaub in Portugal beschlossen sie und ihr Mann Bernhard auszuwandern. „Monchique war für uns Liebe auf den ersten Blick“, erinnert sie sich. „Wir haben uns gedacht, dass wir es einfach versuchen mussten“. „Quem não arrisca, não 
petisca” heißt es auf Portugiesisch, d.h. wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Sie fanden ein traditionelles Serra-Haus auf dem Picota-Berg. Es war das Jahr 1986 und im Haus waren weder Strom noch fließendes Wasser vorhanden. Dennoch „waren diese ersten Jahre die schönsten“. 
„Der Kontakt zu den Nachbarn, die Erlebnisse, 
die urige Atmosphäre“, erinnert sich Monika 
mit Sehnsucht. „Mit dem EU-Beitritt hat sich 
vieles geändert. Vieles ging verloren“, sagt sie etwas traurig. Zu Beginn war Monika als Reise-leiterin tätig. Es machte ihr zwar Spaß, aber es war „nicht unbedingt mein Ding“, fügt sie 
lächelnd hinzu.
Glücklich fühlte sie sich, wenn sie aus Naturmaterialien die verschiedensten Objekte formte. Also beschloss Monika, daraus ihren Beruf zu machen. Im Laufe der Jahre nahm sie als Mitglied des Kunsthandwerksvereins von Lagoa an verschiedenen Ausstellungen und Messen teil, darunter in Lissabon an der größten nationalen Kunsthandwerksmesse sowie an verschiedenen in der Algarve. Mittlerweile sind die Standgebühren erheblich gestiegen und die Kunsthandwerker werden auch nicht weiter von den Rathäusern unterstützt.

Seit sechs Jahren betreibt Monika „Arte Natura“ in Caldas de Monchique. Die Galerie direkt am Parkplatz im Ortszentrum besteht aus einem Ausstellungsraum, in dem Monikas Kreatio-nen gesehen und gekauft werden können, und einem kleinen Atelier. Ihr war aufgefallen, dass die Hotels in Caldas de Monchique keine Aktivitäten für Kinder anboten und diese daher immer etwas gelangweilt herum liefen. „Ich schlug dem Hotel vor, ein Bastel-Atelier für Kinder einzurichten und sie stimmten zu“, erzählt Monika. Das Atelier wurde also in erster Linie für die Kinder der Hotelgäste eingerichtet, willkommen sind aber alle Interessenten. „Egal ob Hotelgäste oder nicht, egal ob 6 oder 60 Jahre alt. Einfach alle, die Lust dazu haben“, sagt sie fröhlich.
Die meisten ihrer Schöpfungen sind reine 
Dekorationsobjekte. Deko-Bäume, Mäuse, Katzen, Igel und aus Ästen gebastelte Männchen, die sie Stick-Man nennt, aber auch Bilder- und Spiegelrahmen, Traumfänger, Vogelhäuser, Ohrringe oder Ketten. Alle Objekte sind 100% Natur pur. Sie bestehen aus Blättern, Samen, Wurzeln, Ästen, Nuss- und Mandelschalen, Kork, Holz, 
Pinienzapfen, Johannisbrot, Moos und Blumen. Vor allem Strohblumen benutzt Monika, da diese beim Trocknen die Farbe der Blütenkörbe und den Duft behalten. Aber auch Zylinderputzer und Heidekraut. Von anderen einheimischen Pflanzen kennt Monika nur den Namen, den die Bewohner der Serra ihnen geben, und dieser ist oft nicht der offizielle Name. Ebenfalls zum Einsatz kommen getrocknete Orangenschalen, Kürbisse, Granatäpfel, Steine, Muscheln und sogar 
Schneckenhäuser. „Alles kann verwendet und wiederverwertet werden!“, sagt Monika stolz, denn im Kinder-Atelier werden oft auch Eier- 
und Milchkartons oder Plastikflaschen benutzt. Eukalyptus-Samen gehören zu ihren Lieblingsmaterialien, denn „sie sehen nicht nur schön 
aus, sondern verströmen einen angenehmen Duft“, erklärt Monika. „Einfach die Samen 
einritzen und schon riecht es im Zimmer nach 
Eukalyptus“.

Monika sammelt die Materialien selbst. Oft mit Hilfe ihrer Enkelkinder Julian und Jason. Mit Ausnahme der Muscheln und der Steine sammelt sie alles im Monchique-Gebirge. Es kommt auch vor, dass Nachbarn und andere Personen, die sie und ihre Kunst kennen, für sie besondere Samen, Blätter und Wurzeln aufheben.
Viele kennen Monika von den Workshops, 
die sie in Schulen und Altersheimen der Region in Zusammenarbeit mit den Rathäusern gab. 
Vor allem die Workshops in Altersheimen haben 
ihr große Freude bereitet. „Zu sehen wie 
Menschen aus der Serra, die ihr Leben lang nicht gemalt oder gebastelt haben, ein wahres Talent zeigten“, erinnert sie sich mit leuchtenden Augen. „Zu Beginn waren viele reserviert, 
trauten sich nicht. Aber mit ein wenig Motivation sind sie dann richtig aufgeblüht und hatten 
einen riesen Spaß. Viele treffen mich auf der Straße und fragen, wann ich mal wieder kom-me, sie hätten schon Blätter und Blumen gesammelt“, erzählt sie weiter. Doch derzeit sind 
die Budgets der Rathäuser sehr knapp. „Für 
solche Aktivitäten werden keine Mittel freige-geben. Schade, denn die Menschen hatten 
wirklich Spaß dabei“, sagt sie traurig. Wenn es nach Monikas Herzen ginge, würde sie die Workshops in den Altersheimen kostenlos weiter 
anbieten. „Aber ich muss schließlich auch von etwas leben“.
Anabela Gaspar

Arte Natura
Caldas de Monchique
Monika Pable
Mob. 962 815 386
Tägl. 10 h – 18 h

ESA 5/13

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