El Menau

Der rebellische Künstler

El Menau ist derzeit in aller Munde. Der junge Künstler aus Quarteira wurde wegen Schändung nationaler Symbole angeklagt und mittlerweile freigesprochen. In diesem Monat können seine aktuellsten Werke in Quarteira und Lagoa gesehen werden

Bis vor kurzem war Élsio Menau vor allem für seine Graffitis bekannt. Doch der lockere Quarteirense mit den strahlenden Augen hat noch viel mehr zu bieten. Der 30-Jäh- rige ist sozial und politisch engagiert, spiegelt dies in seinen Installationen, Zeichnungen und Gemälden wider und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Stein des Anstoßes ist eine Installation, bei der El Menau die portugiesische Nationalflagge an den Galgen hing und die er im April 2012 an der Universität als eine seiner Abschlussarbeiten einreichte. Im darauffolgenden Juni stellte er die Installation auf einem Grundstück an der EN 125 bei Faro auf. Zwei Tage später entfernte die GNR die Flagge. Im Oktober erhielt er ein offizielles Schreiben: Er wurde wegen Schändung nationaler Symbole angeklagt. Der Prozess lief 21 Monate lang. El Menau verteidigte sich mit den Worten „mein Werk war eine Metapher für den Zustand, in dem sich die Nation befindet, also am Galgen, wie man es umgangssprachlich ausdrückt. Mein Ziel war es, darauf aufmerksam zu machen, niemals die Flagge oder mein Land zu beleidigen”. Er wurde vom Rektor, von Lehren und Kunststudenten der Universität, vom Rathaus von Loulé, der Gemeinde von Quarteira und Künstlern aus dem ganzen Land unterstützt. Leitartikler verteidigten ihn in den nationalen Medien. Im vergangenem Monat stufte der Richter die Installation als Werk der „künstlerischen Freiheit” ein und der Künstler wurde freigesprochen. El Menau war mit dem Ergebnis zufrieden, hätte aber auch eine Verhaftung hingenommen, wenn dies dazu gedient hätte, „die Bevölkerung wachzurütteln”. „Die Portugiesen konnten mein Werk verstehen”, erzählt er heute. „Ich habe nicht gelogen. Das Land, wir alle hängen am Galgen. So fühlen sich viele Menschen. Sie haben ihren Job verloren oder sehen ihr Gehalt gekürzt und können ihren Verpflichtungen mit dem Hauskredit oder dem Studium der Kinder nicht nachkommen. Viele haben nicht einmal ausreichend Geld, um ihre Kinder zu ernähren. Wenn man in dieser Situation ist, sagt man auf Portugiesisch, dass man den Galgen um den Hals hat (ter a corda ao pescoço). Dies war das, was ich mit meiner Installation darstellte”. Während des Gerichtsverfahrens schaffte El Menau ein neues Werk als Protest gegen dieses. Bei „Último Desejo” (Letzter Wunsch) hängte der Künstler sich selbst an den Galgen. Doch nicht als El Menau, sondern als SuperTuga, oder Super-Portugiese, einem von ihm im Jahr 2012 ins Leben gerufenen Held, dessen Umhang die portugiesische Flagge ist und den er als Gegensatz zur traditionellen Zé Povinho-Figur von Bordallo Pinheiro erschuf. Zé Povinho steht für den schlecht ausgebildeten und gutmütigen Portugiesen, der alles ohne aufzubegehren hinnimmt. Mit SuperTuga will El Menau den Bürgern zeigen, dass sie Macht haben, dass sie nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte haben. „Vor allem, dass wir die Zügel fest halten müssen und unsere Zukunft selbst bestimmen”, fasst er zusammen. Fühlt er sich nun in seiner künstlerischen Freiheit begrenzt oder seiner Meinungsfreiheit beraubt? „Der Staat kann mir meine Meinungsfreiheit nicht nehmen, weil ich es nicht zulasse”. Wird er es sich in Zukunft zweimal überlegen, bevor er ein Staatssymbol bei einer seiner Kreationen benutzt? „Auf keinen Fall”, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen, „dieses Verfahren hat bewiesen, dass es in Portugal noch Meinungsfreiheit gibt. Die muss genutzt werden! Nicht nur im Café unter Freunden”. Deshalb hofft er auch, dass sein Fall anderen Künstlern als Beispiel dient und dass in Zukunft mehr Künstler in ihren Werken zeitgenössische soziale und politische Themen verarbeiten, denn El Menau ist fest davon überzeugt, dass Kunst „ein Werkzeug ist, mit dem man die Gesellschaft und das System ändern kann”. Er erinnert an die Protestlie- der aus den 1960er und 70er-Jahren während der Salazar-Diktatur, die noch heute allen bekannt sind und bei Demonstrationen gesungen werden. „Genau deshalb sollte mehr in Kultur investiert werden”, erklärt er weiter, „doch die Regierung macht genau das Gegenteil. Die Fonds für Kultur und Bildung schrumpfen immer weiter. Wie zu Zeiten von Salazar, als der Analphabetismus der Bevölkerung absichtlich hoch gehalten wurde”. Bis zum 9. August ist in der Artgalerie Praça do Mar in Quarteira seine Ausstellung „Sociedade Triste” (Traurige Gesellschaft) zu sehen. Zu dieser gehören u.a. 40 Zeichnungen, die traurige Clowns zeigen. „Einerseits weil die Menschen selbst als Clowns gesehen werden können, die sich alles gefallen lassen und nicht für ihre Rechte kämpfen, andererseits sollten Clowns lustig sein, uns zum Lachen bringen, doch die Situation hierzulande ist so schlecht, dass sogar die gut gelaunten Clowns traurig sind”, erklärt der junge Künstler. Ab 23. August sind dann seine vier letzten Gemälde bei Arte Algarve Open XI in Lagoa zu sehen. 1,70 x1,50 Meter große Gemälde, die ebenfalls traurige Gesichter zeigen, aber bei denen der helle Hintergrund zeigt, dass El Menau schon „Licht am Ende des Tunnels” sieht.

Anabela Gaspar

Share.

Comments are closed.