Auf (ein) Wiedersehen

Martin Kämpchen ist deutscher Schriftsteller und Philosoph und lebt seit mehr als 40 Jahren in Indien. Franz Hohler, schweizer Schriftsteller und Kabarettist, feiert sein 50-jähriges Bühnenjubiläum. Beide werden im Oktober in Estômbar zu Gast sein und aus ihren Büchern lesen.

Ich sehe mich noch neben Franz Hohler auf den österreichischen Filmfestspielen in Bludenz sitzen und erinnere mich wie gestern daran, dass unsere beiden Filme nicht unterschiedlicher hätten sein können. Er präsentierte eine abendfüllende Slapstick-Geschichte; heiter, skurril, satirisch – ich meinen Dokumentarfilm, eine eher ernste Sache. Wir verstanden uns auf Anhieb, nicht der ähnlichen Sprache wegen, die wir als Mittel zum Zweck oder auch als unser Werkzeug in unseren Denkkästen mit uns herumtragen – er bringt mich eher ernsthaften Menschen manchmal zum Lachen. Es gibt ja Menschen, die behaupten, ich ginge zum Lachen in den Keller. Das aber ist frei erfunden. Ich lache nämlich (fast) gar nicht. Und in den Keller gehe ich nur, um mein Kaminholz und die eine oder andere gute Flasche Wein zu holen. Die eine oder andere davon werden wir demnächst öffnen. Denn der Franz und ich werden uns nach 30 Jahren an der Algarve wieder über den Weg laufen. Er kommt auf einen Auftritt für sein deutschsprachiges Publikum am Dienstag, den 21. Oktober, und um mich zu besuchen. Ich habe ihn ja eingeladen. Wer ist Franz Hohler? Die Schweizer unter uns werden ihn lieben. Den Deutschen erzähle ich gern etwas über den bekanntesten schweizer Kabarettisten aus Zürich. Als sich auf der Frankfurter Buchmesse ein Jahr später unsere Wege wieder kreuzten und wir unsere aktuellen Bücher vorstellten, drückten wir dem jeweils anderen das seine in die Hand, handsigniert versteht sich. Sein Kabarettbuch beginnt folgendermaßen: Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs als Sohn einer ukrainischen Spionin und eines schweizerischen Murmeltieranwärters am Fuße des Aletschgletschers zur Welt gekommen. Die Mutter fiel kurz nach der Geburt in eine Gletscherspalte, der Vater starb wenig später in einem Tellereisen der fünften Kolonie. Freudlose Jugend in verschiedenen Pflegeanstalten und Waisenhäusern, mit 13 wegen Brandstiftung an einem Heimleiter gesucht und nach Frankreich geflohen. Als jüngster Fremdenlegionär zwei Jahre nach Indochina, Flucht aus der Hölle von Dien Bien Phu nach Honkong, und als blinder Passagier eines Känguruhrücksiedlungstransportes nach Neuseeland. Zuerst als Entwicklungshelfer in einem Fotolabor, dann tagsüber als Goldsucher in Tasmanien, nachts Abendkurse und Abschluss der eidgenössischen Fernmatur. Erste Versuche in Lyrik und Papua-Folklore, Wilhelm von Scholz Förderpreis des Goethe-Instituts. Anschließend einige Monate als Schildkrötenpfleger auf Galapagos, dann Barmixer, Holzfäller, Zuhälter, Harfenschmuggler und Robbenfänger von Chile bis Feuerland. Nach einem längeren Aufenthalt im Königin-Victoria-Institut für Pinguinforschung in der Antarktis promoviert an der Universität Johannisburg für Frostkunde und trampt mit einer Schokoladensendung des Roten Kreuzes kreuz und quer durch Afrika. Während seiner Rückkehr verbringt er ein halbes Jahr als Hausdiener bei Pablo Casals in Südfrankreich, dem er die Anregung zum Cellospiel verdankt. Lebt heute in der Schweiz als freier Gaukler und Spezialist für cellistische Subkultur, deren einziger Vertreter er bislang geblieben ist. Biografie 1 ist der erste Text eines Buches der inzwischen über 60 Bücher, die Franz Hohler bisher geschrieben hat und ich fürchte, es werden noch mehr. Alle von ihnen haben sich gut verkauft, wurden also mit großem Interesse gelesen. Fast alle wurden im Luchterhand-Literaturverlag veröffentlicht. Der Franz ist jetzt 71 Jahre jung und er wird am 21. Oktober aus seinem Gesamtwerk lesen und spielen. Franz Hohler, das kann man nicht abstreiten, hat richtig viel Talent: Kinderbücher, Romane, Hörspiele, Filme, Kabarett, Musik und Gesang und so viele andere Sachen, die er noch auf den Bühnen der Theater macht. Er wird uns also eine Vorspeise lesen und singen – aber am besten wird er immer, wenn er zum Hauptgericht satirisch wird. Dann kann selbst ich mich seinem Humor nicht mehr verschließen. Denn – das sollten Sie wissen – er spricht ja ein ganz sympathisches Schweizer Deutsch, eine Sprache, die für uns Hochdeutsche irgendwo zwischen Niederländisch und Ukrainisch angesiedelt ist. Kaum einer unserer Zeitgenossen versteht es so wie der Franz, Betroffenheit und Amüsement sprachlich zu verdichten, auch wenn ich es oft erst beim zweiten Mal verstehe. Deshalb werde ich ihn begleiten, wenn er am nächsten Tag im Goethe-Institut in Lissabon noch einmal auftritt. Dann habe ich die Möglichkeit, ihn noch einmal zu erleben. Ihn, der noch zu jener seriösen Kabarettistengilde von Hans Dieter Hüsch bis Dieter Hildebrandt gehört, wird uns im Herbst unserer Algarve und in Lissabon mit einer kleinen kulturellen Kostprobe aus seinem aktuellen Roman „Gleis 4“ zum Dessert aufwarten. www.franzhohler.ch Und noch was. Ich freue mich sehr, dass mich ein weiterer Freund im gleichen Monat besuchen kommt: der Philosoph und Schriftsteller Martin Kämpchen (65, www.martin-kaempchen.de). Er kommt eigens aus Indien an die Algarve, wo er seit mehr als 40 Jahre lebt und arbeitet. Er wird uns aus seinen neuesten Büchern „Leben ohne Armut“ und „Vom rechten Maß – 21 Schritte zur Lebenskunst“ lesen. Mit ihm reist Madan Thapa Magar aus Nepal. Beide werden uns am 16. Oktober vom Leben aus Indien und Nepal in Wort und Bild berichten.

Uwe Heitkamp

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