Möbelkunst

Exklusiv und umweltfreundlich

Angelina Maia hat eine Leidenschaft entdeckt: Pappkartonmöbel. In ihrem Haus in Boliqueime konnte sie auch ESA-Redakteurin Anabela Gaspar für diese Kunst begeistern und von der Stabilität der Möbel überzeugen

Zehn Jahre hat Angelina Maia damit geliebäugelt, Möbel und andere Deko-Objekte aus Karton herzustellen. „Ich sah eine französische Sendung über Kartonmöbel und war vollkommen begeistert“, erinnert sich die Luso- Französin. „Doch damals war ich in unserem Familienunternehmen tätig und hatte einfach nicht die Zeit“. Später zog Angelina in die Algarve und arbeitete eine Zeit lang als Übersetzerin, was ihr jedoch keinen Spaß machte. Also beschloss sie, die Idee, die sie stets im Hinterkopf hatte, um- zusetzen. Der erste Schritt war ein Workshop bei einer renommierten Kunsthandwerkerin in Frank- reich. Das war vor zirka zweieinhalb Jahren. Wie weit sich ihre Arbeit seitdem entwickelt hat, ist beeindruckend. Im Internet stellte ich fest, dass Möbel aus Pappkarton in Frankreich oder in Deutschland weit verbreitet sind. Auch in Portugal gibt es einige Anbieter. In der Algarve ist Angelina allerdings die einzige. Auf keiner Seite fand ich jedoch solch ausgefallene, geschwungene Möbel wie die von Angelina. Die Liebe zum Detail ist beeindruckend und bei den größeren Stücken ist das Material fast nicht zu erkennen. „Die erste Reaktion ist immer Misstrauen“, weiß sie zu berichten. „Niemand kann sich vorstellen, dass ein Stuhl aus Karton eine ausgewachsene Person tragen kann. Deshalb nehme ich nun immer ein Grundgerüst als Beweis mit“, erzählt sie lächelnd. Von Stühlen über Hocker, Nacht- und Couchtischen bis hin zu kreativen Spiegeln, Bilderrahmen, Lampen oder Tabletts, für jeden Bedarf hat Angelina das passende Stück aus Karton. Anders als bei einem Schreiner liegt in Angelinas Atelier nicht allzu viel herum, vor allem kein großes Werkzeug. Für ihre Arbeit braucht sie Bleistift, Lineal, Schere, Teppichmesser, Stichsäge, Heißklebepistole und natürlich großformatige Kartonstücke, die sie sich von verschiedenen Läden der Umgebung holt, die sonst im Mülleimer landen würden. Zuerst schneidet Angelina die Kartons in die gewünschte Form. In jedes Element werden in regelmäßigen Abständen Schlitze geschnitten, mit Hilfe derer sie anschließend die einzelnen Teile verbindet. Es sind diese Steckverbindungen zwischen den einzelnen Elementen, die den Kartonmöbeln die Stabilität verleihen. Nach dem Zusammenstecken ist bereits ein stabiles Grundgerüst entstanden, das anschließend ebenfalls mit Karton verkleidet wird. Zuletzt lackiert und verziert Angelina das Stück mit Acrylfarben und bringt eine Schicht Lack auf, die das Pappmöbel wasserdicht macht. Abhängig vom Gegenstand kann sie bis zu 48 Stunden für die Herstellung benötigen. Mit großem Enthusiasmus zählt Angelina die Vorteile von Pappmöbeln auf: Allen voran, dass sie umweltfreundlich sind, da sie aus wiederverwertbaren Karton bestehen, der zudem biologisch abbaubar ist. Die bei der Veredelung und Nachbehandlung benutzten Wasserfarben und -lacke sind ebenfalls umweltfreundlich. Ihre Einzigartigkeit ist ein weiterer Anreiz: Das Passende für den individuellen Geschmack zu finden, ist nicht immer einfach. Doch Angelina kann nach Wunsch und Maß herstellen und ihre Stücke farblich auf andere Elemente des Schlaf- oder Wohnzimmers abstimmen. Dank der guten Formbarkeit von Pappe lässt sich bei der Gestaltung so ziemlich jedes Design umsetzen. Zuletzt sind Pappmöbel leicht; ein Nachttisch kann mit einer Hand getragen werden! Umräumen oder Umziehen werden somit zu einer kinderleichten Aufgabe.

Anabela Gaspar

ESA 05/14

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