Fernöstliche Keramik

Zehn Kilometer nördlich von Tavira, umgeben von mit Lackzistrosen bewachsenen Hügeln, wohnt und arbeitet Sérgio Rosado. Die weiten Erhebungen und der blaue Himmel der Serra do Caldeirão, die er von seinem Atelier aus ständig im Blick hat, dienen ihm jedoch wenig als Inspiration. Seine Werke sind eher afrikanisch und fernöstlich angehaucht

Sérgio Rosado wurde 1959 in Mosambik geboren und ist in einer Mischung aus afrikanischer, chinesischer und indischer Kultur aufgewachsen. Mit elf Jahren nahm er an einem Programm für Kinder teil, bei dem er Masken aus Gips und Ton zu formen lernte und sein künstlerisches Talent entdeckte. Doch erst viele Jahre und viele Reisen später widmete er sich erneut dem Modellieren. Mit der Nelkenrevolution und der Befreiung der Kolonien zog Sérgio 1975 nach Portugal. Hier begann der damals Sechzehnjährige, verschiedene Maltechniken zu erproben, und nutzte seine Reisen durch Europa, um mit anderen Kulturen, Kunstrichtungen und -techniken in Kontakt zu kommen. Mitte der 1980er ließ er sich in der Schweiz nieder und besuchte dort erstmals eine Ausbildung zum Keramiker. In den 1990er Jahren entwickelte er dann ein besonderes Interesse für Porzellan aus der Sung- und der Tangdynastie sowie für Raku-Keramik. Die letzten Jahre in der Schweiz war es dann Sérgio, der sein Wissen mit Kindern und behinderten Menschen teilte und sie in die Kunst der Keramik einweihte. Seit 2003 lebt er nun in der Serra von Tavira und führt seine Recherchen und Experimente weiter. Nach wie vor bevorzugt er die hochentwickelte chinesische Töpfertradition und die Raku-Keramik. Bei letzterer handelt es sich um ein uraltes Brennverfahren aus Japan, das mit der zen-buddhistischen Teezeremonie im 16. Jahrhundert aufkam. Dieses Töpfern betont das Spontane und „kontrolliert Zufällige“. Meist wird das Gefäß zwei Brandvorgängen unterzogen, dem Schrühbrand und dem Glasurbrand. Das Besondere am Glasurbrand beim Raku-Töpfern ist, dass die Ware rotglühend aus dem Ofen geholt wird und dann in einem Behälter mit organischem Brennstoff (Laub, Stroh, Heu, Sägespäne etc.) zum Nachbrand luftdicht eingebettet wird. Der entstehende Rauch (Kohlenstoff), der Sauerstoffentzug sowie die im Brennstoff enthaltenen Mineralien wirken kräftig auf die Tonscherben und die Glasurfarbe ein. Durch die stark reduzierende Atmosphäre wird der noch weichen Glasur Sauerstoff entzogen. Die chemische Zusammensetzung verändert sich und dadurch die Glasurfarbe. Kohlenstoff dringt durch feine Risse und lagert sich im Ton ein. Beim Raku lässt sich der Brennverlauf also nur bedingt steuern. „Das Endresultat ist daher vom Wohlwollen des Feuergottes abhängig und jedes Stück ein unnachahmliches Unikat“, erklärt Sérgio. Sein Steinzeug mischt er selbst, ebenso seine Glasuren – und als umweltbewusster Mensch achtet Sérgio stets darauf, dass die Glasuren bleifrei sind. Die meisten seiner Werke weisen warme Erdtöne auf, andere sind azurblau und olivgrün. Nicht nur die Technik sondern auch die handbemalten Motive sind fernöstlich. Für andere inspiriert sich Sérgio durch die afrikanischen Landschaften, in denen er als kleiner Junge spielte. Oft benutzt er auch alte, gehäkelte Tischdeckchen und Stempel mit geometrischen Motiven, um Abdrücke auf der Glasur zu hinterlassen. Das Modellieren von Masken, das er als Kind lernte, ist weiterhin eine Leidenschaft, die er inzwischen nahezu perfektioniert hat. Zu seiner Sammlung gehört z.B. eine beeindruckende buddhistische Maske, deren Details einfach atemberaubend sind. Obwohl Sérgio eher zurückhaltend ist, freut er sich, Kunst- bzw. Keramikfreunde in seinem Atelier begrüßen zu dürfen.

Anabela Gaspar

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