Kunst aus Ton

Dekorative Keramikstücke

Ausgefallene Objekte in besonderer Atmosphäre erwarten die Besucher im Atelier von Célia Mendes. Neben kleinen Souvenirs findet man Nutz- und Dekorations- sowie Ausstellungsstücke aus Keramik

Erde, Wasser, Luft und Feuer sind die vier Elemente des Lebens. In der Keramik sind sie genau so unentbehrlich wie im Leben: Tonerde wird mit Wasser vermischt und nach der Fantasie des Künstlers zu einem Stück geformt, das dann an der Luft getrocknet und anschließend gebrannt wird. Bei 4elements – Cerâmica & Azulejo gehören die Hände, die dem Ton die Form verleihen, Célia Mendes. Handarbeiten waren seit Kindesalter ihre Leidenschaft, zur Keramik kam sie jedoch eher durch Zufall.
Als Gastarbeiterkind in Bonn aufgewachsen besuchte Célia die Glasfachschule in Rheinbach, da dies die einzige Schule in der Umgebung war, die es ihr ermöglichte, ihrem künstlerischen Drang nachzugehen. Neben Malerei auf Glas und Porzellan lernte sie dort Schleiferei, Gravur und Glaserei. Als sie 17 Jahre alt war, beschloss sie, in die Algarve zu ziehen. „Ich brauchte das Meer in meiner Nähe und konnte die Kälte in Deutschland nicht länger ertragen“, erzählt Célia, die in diesem Monat fünfzig Jahre alt wird, lächelnd. In Faro besuchte sie später die Kunstschule, doch nach dem Abschluss führte sie zusammen mit ihrem Mann eine Bar in der Altstadt von Faro. Der Wunsch, künstlerisch tätig zu sein, blieb ihr jedoch erhalten und daher überlegte sie nicht lange, als sich ihr 1997 die Möglichkeit bot, einen einjährigen Kurs für traditionelle Keramik zu belegen. Danach machte sie ein Praktikum im Unternehmen ihres Lehrers und im Jahr 2000 eine Ausbildung in Fliesenmalerei. Während dieser Zeit entdeckte und entwickelte Célia ihre Leidenschaft für die Töpferkunst und anschließend war sie die einzige Schülerin, die mit Ton weiter arbeitete.
Ein erstes Atelier bekam Célia in den Räumlichkeiten der Christlichen Ostmission, eine Schweizer Wohltätigkeitsinstitution, die in Quelfes ein Landgut besaß, auf dem Jugendliche aus sozial schwachen Familien betreut wurden. Célia durfte die Räume nutzen und im Tausch gab sie den Jugendlichen Keramik-kurse. Später richtete sie sich zu Hause ein Atelier ein und seit April 2014 hat sie ihre Produktionsstätte und ihren Verkaufsraum im Zentrum von Olhão, direkt neben der Kapelle hinter dem Museum.

Vor dem Gebäude weckt eine Holzskulptur, die einer Vogelscheuche ähnelt, die Neugier der Passanten, und im Schaufenster ist eine Auswahl von Célias Werken zu sehen. Der Laden hat eine hohe, gewölbte Decke und an der hinteren Wand, vor der ein antikes Klavier steht, liegen die rauen, dunkelroten Ziegelsteine frei. Bunte Gemälde hängen an den Wänden und in den Regalen stehen verschiedene Skulpturen und Keramikstücke.
Neben Kacheln mit flotten Sprüchen oder traditio-nellen Motiven gibt es Schüsseln, Tassen, Teller, Seifenschalen und Döschen sowie Vasen und Skulpturen. „Kleine Souvenirs, Nutz- und Dekorations- sowie Ausstellungsstücke“, fasst Célia zusammen.
Was ihre Keramik unterscheidet, ist, dass Célia verschiedene Tonmassen mischt. Der traditionelle, braune Ton wird mit rotem Terrakotta und weißem Steingut gemischt. Eine Technik, die sie im Laufe der Jahre „anhand tausender Experimente und noch mehr Scherben“ verfeinerte, so Célia. „Jedes Material wird eigentlich bei anderen Temperaturen gebrannt, und wenn sie nicht gut gemischt sind, können die Objekte im Ofen zerspringen oder schmelzen“, erklärt sie. Das Design ist modern, dennoch haben ihre Werke einen rustikalen Hauch. Die Glasur ist meistens farblos, in Einzelfällen benutzt Célia Oxide, um Kobaltblau oder Grün zu erzeugen.

Der Name 4elements bezieht sich nicht nur auf die vier Elemente des Lebens, sondern auch auf die verschiedenen Bereiche des Unternehmens. Einer betrifft die Herstellung von kleinen Souvenirs, Nutz- und Dekorationsobjekten, ein weiterer die Anfertigung von individuellen Stücken auf Bestellung für Privatkunden und Unternehmen. Hier kann es sich um einfache Kacheln mit Hausnummer oder anderen Motiven handeln oder um mehrere Stücke für ein Unternehmen. Célia arbeitet beispielsweise mit Clara Nogueira von Árvore de Sabão (s. ESA 12/16) zusammen und fertigt für sie die Seifen- und Kerzenschalen an.
Ihrer Kreativität kann sie vor allem im Bereich der Ausstellungsobjekte freien Lauf lassen. Hier setzt sie viele Zeichnungen aus ihrer Jugend um, wie zum Beispiel die Kollektion Soft Punks. Zuletzt folgt der Bereich Workshops. „Dabei handelt es sich nicht um eine Einführung in die Töpferkunst, sondern vielmehr um die Umsetzung von Projekten“, erklärt Célia. Das bedeutet, dass Interessenten bestimmte -Vorstellungen eines Stückes haben sollten und Célia sie bei der Herstellung unterstützt.
Ebenfalls wichtig ist ihr die Unterstützung anderer Kunsthandwerker und Künstler. Daher dient ihr Geschäft auch Kollegen als Schaufenster. Neben Célias eigenen Werken findet man unter anderem Keramik von Terra Amada, Gemälde von Hermínio Pinto da Silva, Dulce Carvalho und Roman Markov, Holz- und Steinskulpturen des deutschen Künstlers Wolfgang Spengler und Naturseifen von Árvore de Sabão. Voraussetzungen sind, dass es lokale Künstler sind und wirklich alles per Hand gefertigt wird.
Text: Anabela Gaspar
ESA 01/2017

4Elements
Rua Capitão João Carlos Mendonça 27
8700-375 Olhão
Mo – Sa 10 – 18 h

Mob.: 918 797 904
4elements.ceramica.azulejo@gmail.com
FB: 4ElementosCerâmica & Azulejo

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