Teuflisches Portugiesisch

In seiner Reihe zur portugiesischen Sprache folgt Dr. Peter Koj dieses Mal den Spuren, die der Teufel im Portugiesischen hinterlassen hat

Dass Portugal am 10. Juli in Paris die Fußball-EM gewinnen konnte, hat alle Welt in Erstaunen versetzt. Wie war es möglich, dass diese Mannschaft, die sich nur mit Mühe über die Vorrunde gerettet hatte, bis zum Finale vordringen und dann dieses auch noch gewinnen konnte? Nicht nur in Portugal sprach man von einem Wunder (milagre) und unterstellte niemand Geringerem als dem lieben Gott, die Finger bzw. seine Hand (die seit Maradona berühmt-berüchtigt gewordene mão de Deus) im Spiel gehabt zu haben. Wir wollen das Thema in diesem Beitrag nicht vertiefen, sondern uns Gottes Gegenpol, dem Teufel, zuwenden, spielt er doch in der portugiesischen Sprache eine große Rolle.

In der 26. Folge dieser Reihe, die sich mit den Besonderheiten der portugiesischen Sprache beschäftigt, hatte der Teufel schon einmal einen Auftritt. Der im November 2007 erschienene Artikel „Holzgesichter und ein Teufel“ war zudem der erste, der von Marlies Schaper mit einer Tuschzeichnung illustriert wurde. Sie zeigt einen prächtig gekleideten Teufel, der sich ein Auge reibt. Wenn in Portugal etwas rasch über die Bühne geht, so geschieht dies, „während der Teufel sich ein Auge reibt“ (enquanto o diabo esfrega um olho). Doch „wo zum Teufel“ (onde diabo?) war die Originalzeichnung geblieben? Sie war als einzige der insgesamt vierzig Zeichnungen unauffindbar, die in die Veröffentlichung meiner Artikelserie in Buchform (Português, meu amor. Annäherungen an eine spröde Schöne, erschienen letztes Jahr im Schmetterling Verlag) aufgenommen wurde. Sie war „auf mysteriöse Weise“ (por artes do diabo, wörtlich: „durch die Machenschaften des Teufels“) verschwunden.

Ich versuchte mich mit dem portugiesischen Sprichwort zu beruhigen O diabo não é tão feio como o pintam, wörtlich: „Der Teufel ist nicht so hässlich, wie sie ihn malen“ (wir würden sagen: „Wer wird denn gleich den Teufel an die Wand malen?“) oder auch: O diabo não está sempre atrás da porta (wörtlich: „Der Teufel steht nicht immer hinter der Tür“, d.h. „Nicht immer lauert der Teufel einem auf“). Und in der Tat hatte Marlies Schaper damals gleich ein zweites Porträt des Augen reibenden Teufels angefertigt, das jetzt das Buch ziert.

Ähnlich wie im Deutschen muss der Teufel für alle unsere schlechten Eigenschaften herhalten. Ein böser Mensch ist da raça do diabo („gehört zur Rasse des Teufels“), é o diabo em figura de gente („ist der Teufel in Menschengestalt“). Ein schlechter Mensch „hat den Teufel im Leib/Bauch“: tem/traz o diabo no corpo/ventre. Umgekehrt sagt man von einem guten Menschen: ele não é mau diabo („er ist kein böser Teufel“). Aus „Teufelshaut“ zu sein (ser da pele do diabo), hat sowohl negative als auch positive Konnotationen ähnlich wie unser „Teufelskerl“, d.h. draufgängerisch sein, aber auch Tolles auf die Beine stellen und sich nicht unterkriegen lassen.

Hier noch ein paar originelle portugiesische Wendungen. Man sagt O diabo seja cego, surdo e mudo („Der Teufel soll blind, taub und stumm sein“), um zu beschwören, dass nichts Schlimmes passiert (auf Holz klopfen). Wer „in der Walachei“ lebt, wohnt „im Haus des ältesten Teufels“ (em casa do diabo mais velho), bzw. „wo der Teufel seine Stiefel/Hosen verloren hat“ (onde o diabo perdeu as botas/os calções). Wenn einer den „Teufel malt“ (pintar o diabo), schlägt er über die Stränge, lässt die Sau raus. Wer sich zwischen gleichwertigen Dingen oder Personen nicht entscheiden kann, ruft den Teufel zu Hilfe. „Er soll kommen und auswählen“ (Venha o diabo e escolha). Isst jemand „das Brot, das der Teufel geknetet hat“ (comer o pão que o diabo amassou), hat er Schweres durchgemacht. Und wenn er dann stirbt, „übergibt er seine Seele dem Teufel“ (entrega a alma ao diabo).

Übrigens: Wenn Sie das „five-letter-word“ diabo nicht in den Mund nehmen möchten, bedienen Sie sich wie viele Portugiesen des Euphemismus diacho (in manchen Regionen auch dianho oder dialho) und fluchen Que diacho! oder Com o diacho! Die Verkleinerungsform diabrete („Teufelchen“) ist hingegen salonfähig. Sie bezeichnet einen kleinen umtriebigen Jungen („Racker“, „Lausbub“), der die Erwachsenenwelt mit seinen diabruras („Streichen“) auf Trab hält.
Text: Dr. Koj
ESA 09/16

Tuschzeichnung: Marlies Schaper

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