Spaß muss sein

Seine Kolumne zur portugiesischen Sprache startet Dr. Peter Koj in einer spaßigen Variante zum neuen Jahr,
mit der er Ihre Zungenfertigkeit auf die Probe stellen möchte

Krise hin, Krise her. Bei aller schlechten Stimmung soll der Spaß an und mit der portugiesischen Sprache nicht zu kurz kommen. Dieser stellt sich vor allem bei Sprüchen ein, die mit der Bedeutung oder dem Klang der Sprache spielen. Ein schönes Beispiel ist der Spruch vom Brei mampfenden Papst: O Papa papa papa. Das Wortspiel (port. trocaldilho) liegt in der Mehrfachbedeutung des Substantivs papa (o Papa – „der Papst“ und a papa – „der Brei“), das durch die Verbform papa (3. Person Einzahl der Gegenwart: „er isst, mampft“) noch getoppt wird. Ein ähnliches Wortspiel liegt in dem Spruch mit tinha vor (tinha – „er, sie, es hatte“ vom Verb ter („haben“) und a tinha – „die Krätze“):

Uma velha tinha tinha              „Eine Alte hatte Krätze
Na cabeça a tinha.                      Am Kopf hatte sie die.
Quanto mais coçava a tinha,    Je mehr sie die Krätze kratzte,
Mais a velha tinha tinha.          Umso mehr Krätze hatte sie.“

Doch kehren wir zum Papst zurück, in diesem Falle zum Papst Paul. Dieser gibt sich nicht mit Brei zufrieden: Es muss schon eine Ente (pato) sein, die zudem auf einem silbernen Teller (prato de prata) serviert wird: O Papa Paulo papa pato no prato de prata, no prato de prata o Papa Paulo papa pato.
Hier geht es über das Wortspiel hinaus um die Wiederholung desselben Lautes am Anfang der Wörter, die so genannte Alliteration (aliteração). Durch die Wiederholung bei gleichzeitiger Umstellung der Satzteile soll zudem unsere Konzentration und Zungenfertigkeit herausgefordert werden. Es ist ein trava-língua, wörtlich „Zungenbremser“, im Englischen ein „Zungenverdreher“ (tongue twister) und im Deutschen gar ein „Zungenbrecher“.
Also, versuchen Sie mal, den Spruch vom Papst Paul möglichst schnell über die Zunge zu bringen. Sie wurde weder gebremst noch verdreht noch gebrochen? Dann versuchen Sie sich an dem wohl bekanntesten portugiesischen Zungenbrecher: O rato roeu a rolha da 
garrafa do rei da Rússia, e o rei da Rússia, irritado, roeu a barriga do rato („Die Maus nagte an dem Korken der Flasche des Königs von Russland, und der König von Russland nagte erzürnt an dem Bauch der Maus“). Ein wunderbarer Spruch, um das portugiesische R zu üben! Noch zungenbrecherischer wird es, wenn das R in Verbindung mit einem zweiten Konsonanten auftritt, etwa dem T oder P. Dazu gibt es den Spruch von den drei traurigen Tigern: Três tigres tristes para três pratos de trigo. Três pratos de trigo para três tigres tristes („Drei traurige Tiger für drei Teller Weizen. Drei Teller Weizen für drei traurige Tiger“). Die drei traurigen Tiger sind in Portugal so populär, dass sich eine weibliche Band in den 90er Jahren nach ihnen benannt hat.
Sie möchten andere Laute trainieren? Hier ein Spruch für den 
Sch-Laut (aufpassen: Das X wird hier wie „sch“ gesprochen!): A Xuxa acha a Sacha chata e a Sacha acha a Xuxa chata („Xuxa findet Sascha bescheuert und Sascha findet Xuxa bescheuert”). Oder den P-Laut: Paulo Pereira Pinto Peixoto, pobre pintor português, pinta perfeitamente portas, paredes e pias, por pouco preço, patrão („Paulo Pereira Pinto Peixoto, armer portugiesischer Maler, malt Türen, Wände und Waschbecken/Tröge zu niedrigem Preis, Chef”). Oder den K-Laut: Como pouco coco como, pouco coco compro („Da ich wenig Kokos esse, kauf ich wenig Kokos”). Sie können mit einem Zungenbrecher sogar nachweisen, dass Portugiesisch eigentlich eine skandinavische Sprache ist: Se cá nevasse, fazia-se cá esqui („Wenn es hier schneite, würde man hier Ski fahren”). Dazu müssen Sie – wie landesweit üblich – das „e“ von den beiden se verschlucken und das esqui wie [ski:] aussprechen.
Dass auch große Dichter Spaß an Wortspielen, Alliteration und Zungenbrechern haben, zeigt der Beginn eines Gedichtes von Fernando Pessoa:

Em horas inda louras, lindas                 In den noch gelblich-fahlen Stunden
Clorindas e Belindas, brandas,             Spielen schöne Clorindas und Belindas
Brincam no tempo das berlindas         Sanft zur Zeit der Kutschen.
As vindas vendo das varandas,             Die Ankommenden, von den Balkonen
De onde ouvem vir a rir as vindas        schauend,
Fitam a fio as frias bandas                     Von wo sie die Ankommenden lachend
kommen hören,
Blicken unentwegt auf die kalten Ufer.

Dies ist mein bescheidener Versuch einer wörtlichen Übersetzung. Für eine angemessene Übersetzung ins Deutsche wären die Künste eines Profis wie die der Berliner Pessoa-Übersetzerin Inés Koebel 
vonnöten, der wir für die Übermittlung des korrekten Pessoa-Textes danken.
Text: Dr. Peter Koj
ESA 01/15

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