Jetzt geht’s uns an die Klamotten – Teil 2

Im zweiten Teil seiner Präsentation sprichwörtlicher Redensarten aus dem Bereich „Kleidung“ geht es dieses Mal um den unteren Bereich (Hose, Rock, Schuhwerk) und die Accessoires

Im ersten Teil unserer Präsentation sprichwörtlicher Redensarten, die sich um ein Kleidungsstück ranken (ESA 01/2016), sind wir ausgehend von den Kopfbedeckungen bis zum Hemd gelangt. Doch bevor wir mit dem Rock weitermachen, geht es noch um einen Bestandteil des Hemdes, der sich in einer Reihe portugiesischer Wendungen wiederfindet: die Ärmel (as mangas). Auch in Portugal krempelt man sie auf (arregaçar as mangas), wenn man eine Arbeit beherzt in Angriff nimmt. Und „macht man sich zu Ärmeln des Teufels“ (fazer de si mangas ao demo), dann legt man sich ganz besonders ins Zeug. Hat man von etwas ausreichend Nachschub, dann „gibt es Stoff her für Ärmel“ (isto dá pano para mangas). „Etwas im Ärmel haben“ (ter alguma coisa na manga) bedeutet, dass man noch etwas in der Rückhand hat.
Gehen wir nun unter die Gürtellinie, dann müssen wir feststellen, dass wir Männer mit unseren Hosen (as calças) keinen Anlass für eine sprichwörtliche Redensart im Portugiesischen hergeben. Dafür gibt es umso mehr zum Thema „Rock“ (a saia). Ein „Freund des Rocks“ (amigo de saia) ist ein Schürzenjäger. Er „läuft den Röcken hinterher“ (correr atrás de saias), in extremen Fällen „kann er nicht eine Eselin mit Röcken sehen“ (não pode ver uma burra de saias), er stellt mithin selbst unansehnlichen Frauen nach. Aus Sicht der Kinder stehen die Röcke der Mutter für das (Über-)Behütete. An diese Röcke klammert sich das Kind (está agarrado às saias da mãe) oder befindet sich unter ihnen (está debaixo das saias da mãe).
Kommen wir zur Fußbekleidung. Wie im Deutschen weiß man auch in Portugal „wo einen der Schuh drückt“ (saber onde lhe aperta o sapato). Man „zieht die Schuhe auf“ (dar corda aos sapatos), d.h. man läuft schnell weg. Geht man „mit einem Stein im Schuh“ (andar com a pedra no sapato), ist man misstrauisch. Wer „auf die Schuhe des Verstorbenen wartet“ (esperar por sapatos do defunto), wartet auf eine unsichere Erbschaft oder auch allgemein etwas Ungewisses. Und wer „nicht an die Schuhsohlen von jemandem heranreicht“ (não chegar às solas dos sapatos de alguém), ist diesem haushoch unterlegen. Der solchermaßen Überlegene könnte den anderen leicht „zum Pantoffel machen“ (fazer chinelo de alguém), also ihn demütigen oder „in einen Pantoffel stecken“ (meter alguém num chinelo), ihn zusammenstauchen. Offensichtlich schränken die Pantoffeln die Beweglichkeit nicht ein, denn wer „dem Pantoffel gibt“ (dar ao chinelo), geht bzw. läuft viel. Wer allerdings „die Pantoffeln schleift“ (arrastar os chinelos), hängt schlampig gekleidet in der Bude herum.
Zahlreich sind die Redensarten in Verbindung mit den Stiefeln (as botas). Ein „Schleimer“ „leckt jemandem die Stiefel“ (lamber as botas a alguém) oder fettet sie ihm ein (engraxar). Wer „den Stiefeln pfeift“
(assobiar às botas), gibt die Hoffnung auf das Gelingen eines Unternehmens auf, wer „die Stiefel aufräumt“ (arrumar as botas) zieht sich aufs Altenteil zurück und wer den Stiefel schlägt (bater a bota), kratzt ab. Wer aber den Stiefel auszieht (descalçar a bota), löst die Probleme.
Zum Schluss noch drei Accessoires. Die Knöpfe (os botões) stehen für In-sich-gekehrt-sein, also wenn jemand „mit seinen Knöpfen zu tun hat“ (andar metido com os seus botões), „mit seinen Knöpfen spricht“ (falar com os seus botões) oder in sie hinein denkt (pensar nos seus botões), das heißt: grübelt. Handschuhe (luvas) stehen dafür, dass etwas genau passt (assenta como uma luva). Es ist ein Utensil, mit dem man dem anderen etwas austeilt/versetzt, „mit weißem Handschuh“ (com/de luva branca) auf die feine Art, mit Lederhandschuh (dar com luva de pelica) eher ironisch oder bissig. Wirft man dem Anderen gar den Handschuh hin (atirar/lançar a luva), fordert man ihn zum Duell heraus. Nimmt man das Duell oder auch jede andere Art von Herausforderung an, „hebt man den Handschuh auf“ (levantar a luva). Ist aber der Streit vorbei, hat sich alles „geschmeidig wie ein Handschuh“ (macio como uma luva) geglättet. Zum Gürtel (o cinto) nur eine Wendung, die aber traurige Aktualität in Portugal bekommen hat, wo man „den Gürtel enger schnallen“ muss: apertar o cinto.

Von: Dr. Peter Koj
In ESA 03/16

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