Jetzt geht’s uns an die Klamotten

In seiner Präsentation sprichwörtlicher Redensarten im Portugiesischen geht Dr. Peter Koj dieses Mal Ausdrücken aus dem Bereich „Kleidung“ nach

Sprichwörtliche Redensarten sind das Salz in der Suppe einer jeden Konversation. Dabei ist es spannend zu sehen, wie sich die von Land zu Land, von Sprache zu Sprache, unterschiedlichsten Wendungen für ganz bestimmte Sachverhalte herausgebildet haben. Aus dem Portugiesischen haben wir Ihnen im Lauf der Jahre eine Reihe solcher idiomatischen Wendungen vorgestellt, die sich zu ganz bestimmten Sachthemen gruppieren. So ging es in der ESA 10/2004 und 11/2004 um die Farben, in der ESA 1/2008 um die Zahlen und in der ESA 3/2012 und 5/2012 um die Tierwelt. Die Körperteile lieferten Stoff für gleich drei Folgen (ESA 3/2007, 6/2007 und 11/2007). Und heute soll es uns nun an die Klamotten gehen, ein im wahrsten Sinne des Wortes naheliegendes Thema und entsprechend ergiebig.
Schon das Wort für „Klamotten“ – feiner ausgedrückt: „Wäsche“ oder „Kleidung“ (a roupa) – taucht in einer Reihe von Wendungen auf. So ist es auch in Portugal unschicklich, „seine schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit zu waschen“ (lavar a roupa suja em público). Ebenso 
unfein ist es, „jemandes Wäsche der Körperbehaarung nahe zu bringen“ (chegar a roupa ao pêlo a alguém), d.h. ihn versohlen. Ist man jemandem zu dicht auf den Leib gerückt (à queima-roupa, „aus nächster Nähe“), fangen die Klamotten Feuer (queimar: „verbrennen“). In Nordportugal gibt es nach Weihnachten roupa velha zu essen. Keine Bange: Das sind keine „alten Klamotten“, sondern die Überreste der consoada, des traditionellen Weihnachtsmahls mit Stockfisch (bacalhau), dessen Überreste mit dem Rest von Gemüse und Kartoffeln vermengt und aufgewärmt werden.
Fangen wir von oben, sprich mit der Kopfbedeckung an. Das Ziehen des Hutes (tirar o chapeu) ist auch in Portugal ein Akt der höflichen Begrüßung, im übertragenen Sinn auch Ausdruck dafür, dass etwas besonders gelungen ist (estar/ser de se lhe tirar o chapeu), neudeutsch „zum Niederknien“. Während wir uns „den Schuh anziehen“, also uns eine Sache zu eigen machen, dient dazu in Portugal die Mütze -(enfiar a carapuça), setzt jedoch jemand einem Anderen diese auf (pôr/enfiar a carapuça a alguém), dann legt er ihn rein. Und wenn sich jemand gegen etwas wehrt, hört man ihn empört rufen: Qual carapuça! (wörtlich: „Welche Mütze!“), was so viel heißt wie: „Von wegen!“
Während beim Thema „Anzug“ (fato) allenfalls die beiden Wendun-gen vom Sonntagsstaat (o fato de ver a Deus, „der Anzug, den man Gott zeigen kann“) und dem „Blaumann“ (fato-macaco, wörtlich „Affen-anzug“) erwähnenswert sind, gibt die Jacke (o casaco) nichts weiter her. Wenn dagegen jemand seine Frackjacke (a casaca) wendet (virar a casaca), dann „hängt er sein Mäntelchen nach dem Wind“. Schneidet ihm jemand in dasselbe Kleidungsstück (cortar na casaca), dann redet er in dessen Abwesenheit schlecht über ihn, er „zieht über ihn her“.
Sehr viel ergiebiger ist da das Hemd (a camisa). Ähnlich wie die Deutschen vergleichen die Portugiesen das häufige oder leichtfertige Wechseln von Ideen, Meinungen, Partnern etc. mit dem Wechseln des Hemdes (mudar de ideias como quem muda de camisa). Wer jedoch „das Hemd an den Nagel hängt“ (pôr a camisa no prego), der setzt sich voll für etwas ein. In großen Schwierigkeiten ist jemand, der „sich ein Hemd mit elf Stäben anzieht“ (meter-se numa camisa de onze varas) und wer „niemanden mit einem sauberen Hemd sehen kann“ (não poder ver uma camisa lavada a ninguém), der gönnt ihm „nicht das Schwarze unter den Fingernägeln“.
Noch mehr idiomatische Wendungen gibt es zu den Ärmeln (as mangas). Doch die sollen uns in der Fortsetzung dieses Artikels beschäftigen, ähnlich wie die Kleidungsteile von der Hüfte an abwärts: die Hose (as calças), der Rock (a saia), die Schuhe (os sapatos), die Stiefel (as botas) und schließlich die Accessoires wie die Handschuhe (as luvas), die Knöpfe (os botões) und der Gürtel (o cinto). Vielleicht haben Sie ja ein paar Redensarten „im Ärmel“ (na manga). Dann würden wir uns freuen, wenn Sie diese zur Fortsetzung dieses Artikels beisteuern (E-Mail: PeterKoj@online.de).

Text: Dr. Peter Koj
Tuschzeichnung: Marlies Schaper
In ESA 01/16

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