Bombeiro – Wort des Jahres 2013

Warum ist ausgerechnet bombeiro zum Wort des Jahres 2013 gewählt worden? Und welches waren seine Konkurrenten?

Das Jahr 2014 neigt sich seinem Ende zu und es ist höchste Zeit, unseren Lesern das portugiesische Wort des Jahres 2013 vorzustellen. Das Verfahren war wieder ähnlich wie in den Vorjahren. Die Wörterbuch-Abteilung des Verlages Porto Editora stellte eine Liste von zehn Wörtern zusammen, die 2013 besonders in die Schlagzeilen geraten waren. Im Laufe des Dezembers stimmten über 15.000 Internetbenutzer über die Reihenfolge ab. Das Ergebnis wurde dann im Januar dieses Jahres in der Buchhandlung José Saramago in Loures (bei Lissabon) verkündet. And the winner is? Nun, das Ergebnis war keine Überraschung und auch der Vorsprung des Siegers war so deutlich wie noch nie: Mit 48 Prozent der abgegebenen Stimmen wurde das portugiesische Wort für„Feuerwehrleute“ (bombeiros) gewählt. Der Grund dafür ist ein eher trauriger: Noch nie in der langen Geschichte der Waldbrände (fogos florestais) in Portugal mussten die bombeiros so häufig wie im letzten Jahr zum Löschen von Waldbränden ausrücken. Mit 145.385 Hektar bekämpften sie die seit 2005 größte Brandfläche, wobei acht von ihnen dabei ihr Leben lassen mussten. Die Auslöser dieser Brände sind vielfältig, von Selbstentzündung (durch Glasscherben) über Nachlässigkeit (brennende Kippen, Grillfeuer, Verbrennen von Gartenmüll) bis zur Brandstiftung (fogo posto) aus den verschiedensten Motiven (Pyromanie, Frust oder Anstiftung durch Baulöwen, auf Portugiesisch patos bravos, wörtlich „wilde Enten“). Von den neun Kandidaten, die sich die restlichen 52 Prozent teilen mussten, schnitt das Wort irrevogável noch am besten ab (17 %). Es verdankt diese Platzierung einer Ironie des Schicksals oder – um es etwas weniger pathetisch auszudrücken – der Launenhaftigkeit eines Politikers. Paulo Portas, Vorsitzender der CDS-Partei, hatte seinen Rücktritt als Außenminister der Regierung von Premier Passos Coelho als irrevogável d.h. „unwiderruflich“ verkündet, mit dem Ergebnis, dass er jetzt Vize-Premier ist! Mit 10 Prozent liegt inconstitucional („verfassungswidrig“) an dritter Stelle. Es war 2013 häufiger zu hören, weil das Verfassungsgericht mehrere von der Troika (Europäische Union, Europäische Zentralbank und Internationaler Währungsfonds) der portugiesischen Exekutive aufgedrängte Maßnahmen als verfassungswidrig erklärte. Abgesehen von dem an 5. Stelle liegenden papa („Papst“) spiegeln auch die nächsten Wörter die durch die Wirtschaftskrise und die Maßnahmen der Troika geschaffene Situation. Das mit 8 Prozent an vierter Stelle liegende grandolada bezeichnet den spontanen Protest der verzweifelten Portugiesen, die durch plötzliches Absingen des Revolutionsliedes Grândola, vila morena (José Afonso) ihrem Frust und Ärger Luft machen. Es ist ebenso wie entroikado, das Wort des Jahres 2012 (siehe ESA 06/13), ein Kunstwort und mindestens ebenso originell. Schließlich brachte die Ankündigung, dass Portugal Mitte dieses Jahres den von der Troika aufgespannten Rettungsschirm verlässt, das Wort pós-troika („post-Troika“) ins Gespräch (6. Platz). Die letzten vier Stellen besetzen das Wort Swap (englisch für „tauschen“) zur Bezeichnung für dubiose Finanzmanöver, in die angeblich auch hohe Regierungsvertreter verwickelt sein sollen; coadoção, die Adoption durch homosexuelle Paare; corrida („Lauf“) als Ausdruck der immer beliebter werdenden Volksläufe und schließlich piropo, ein sehr ambivalentes Wort, weil es sowohl ein durchaus harmloses Kompliment bezeichnen kann als auch eine eher anzügliche Anmache. Wir dürfen gespannt sein, welche Wörter im Dezember zur Wahl gestellt werden und welches dann das Rennen um das Wort des Jahres 2014 macht.

Dr. Peter Koj

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