Falsche Freunde

Falsche Freunde

Beim Erwerb einer Fremdsprache werden einem immer wieder die so genannten ,,falschen Freunde” zum Verhängnis. Dr. Peter Koj legt einigen von ihnen das Handwerk

von DR. PETER KOJ

Kennen Sie die Geschichte von dem englischen Seemann, der in stark alkoholisiertem Zustand vergeblich gegen die Tür einer portugiesischen Kneipe drückt (Englisch push), auf der Puxe s.f.f. (,,Ziehen, bitte”) steht? Gleiches gilt für einen anderen Engländer, der in einer portugiesischen Apotheke ein Mittel gegen Verstopfung (engl. constipation) verlangt, aber stattdessen eines gegen Schnupfen (port. constipação) erhält. Beide Engländer wurden Opfer von so genannten ,,falschen Freunden”. Das sind Wörter oder Begriffe, die aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit einem muttersprachigen Wort zu Fehlleistungen beim Gebrauch einer Fremdsprache führen. Das kann sogar tödlich enden wie im Fall der armen Katze (port. gato), die in Paris von der portugiesischen Hausangestellten statt des Kuchens (franz. gateau) in den Herd geschoben wurde. Dass es zwischen den beiden romanischen Sprachen Französisch und Portugiesisch besonders viele falsos amigos (franz. faux amis) gibt, musste ich immer wieder in meinem Französischunterricht an der Deutschen Schule Lissabon erfahren. Gleich zu Beginn meiner Tätigkeit, als meine Portugiesischkenntnisse noch sehr lückenhaft waren, wurde ich von dem schallenden Gelächter meiner Schüler überrascht, als in einem Text über die ältere Generation in Frankreich die Rede von ihrer retraite (Pensionierung) war. Auf meine erstaunte Rückfrage erfuhr ich, dass retrete im Portugiesischen das Klo ist. Aber auch zwischen dem Deutschen und dem Portugiesischen treiben sich eine Menge falscher Freunde herum, die einem ein Bein stellen können. So tappte ich gleich zu Beginn meines Lissabonaufenthalts ins Fettnäpfchen, als ich unserer portugiesischen Gastgeberin das zweifelhafte Kompliment machte, das von ihr zubereitete Gericht sei esquisito gewesen. Damals konnte ich noch nicht wissen, dass esquisito nicht ,,exquisit” bedeutet, sondern so viel wie ,,seltsam, merkwürdig”. Und das povo sem rumo, als welches das portugiesische Volk in einer Zeitung kurz nach der Revolution bezeichnet wurde, ist nicht ein ,,Volk ohne Raum” (wie einer meiner Kollegen an der DSL flott übersetzte), sondern ein ,,Volk ohne Richtung”, ein ,,richtungsloses Volk”. Doch auch Berufeneren als uns entsandten Auslandslehrern werden die ,,falschen Freunde” gelegentlich zum Verhängnis. Selbst einem renommierten Übersetzer wie Curt Meyer-Clason (er wurde am 19. September 100 Jahre alt) gehört zu ihren Opfern. In seiner Übertragung des Romans von Carlos de Oliveira ,,Uma abelha na chuva” (deutsch: Eine Biene im Regen, 1988 bei Beck & Glückler erschienen) wird aus dem tapete kurzerhand eine ,,Tapete”, obwohl es im Portugiesischen einen Teppich bezeichnet (nicht zu verwechseln mitalcatifa, der Teppichauslegware). Und in einer anderen Übersetzung soll MeyerClason aus der Wasserschildkröte, cágado (mehr über dieses Tierchen in meinem Artikel Die Betonung macht’s in ESA 9/09), kurzerhand einen ,,Kakadu” gemacht haben. Hier ein paar weitere Beispiele von ,,falschen Freunden”, denen wir als Deutsche leicht aufsitzen können. O cigarro ist keine Zigarre, sondern eine Zigarette (Zigarre heißt o charuto). A lâmpada ist keine Lampe (die heißt candeeiro), sondern eine Glühbirne. O rato ist keine Ratte, sondern die Maus (Ratte = a ratazana). Ein ginásio ist kein Gymnasium (das heißt liceu), sondern eine Sporthalle. Ein Macho ist kein macho (= männliches Tier), sondern ein machista, und die Palme heißt nicht palma (das ist die Handfläche), sondern a palmeira. Ein dirigente leitet alles Mögliche (Partei, Verein o. ä.), aber kein Orchester. Das ist ein regente. Eine Konferenz ist eine reunião und keine conferência (das bedeutet so viel wie Vortrag, Referat) und das dabei angefertigte Protokoll sind die actas. Ein protocolo hat einen sehr viel größeren Bedeutungsumfang, teilweise ähnlich wie im Deutschen (Begriff aus der Diplomatie und der Politik). Sollten Sie eine Batterie für Ihr Radio oder andere Kleingeräte brauchen, verlangen Sie bitte keine bateria (die brauchen Sie für Ihr Auto), sondern eine pilha, nicht zu verwechseln mit a pílula, der Pille. Verwirrend für uns ist auch, dass die indianos keine Indianer sind, sondern Inder. Die Indianer wiederum heißen índios. Alles klar? Dass selbst Portugiesen der anfangs zitierte ,,falsche Freund” zum Verhängnis werden kann, zeigt das Beispiel des PSDAbgeordneten Carlos Pimenta, der an der Tür eines Lissabonner Restaurants, auf dem gut lesbar Puxe s.f.f. steht, heftig drückte, offensichtlich schon völlig anglizisiert aufgrund seiner Tätigkeit als Europa-Abgeordneter. So jedenfalls erklärt sich der Expresso in seiner Ausgabe vom 24.1.1998 diesen Lapsus.

 

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