Rechtschreibreform auf Portugiesisch

FALA PORTUGUÊS?

Rechtschreibreform auf Portugiesisch
1990 beschlossen die acht portugiesischsprachigen Nationen eine einheitliche Schreibweise des Portugiesischen. Portugal hat sich bei der Umsetzung dieses Beschlusses als Hemmschuh erwiesen. Doch seit 1.1.2009 läuft der Countdown
Im Jahre 1990 beschlossen die acht Länder der portugiesischen Sprachgemeinschaft CPLP (Angola, Brasilien, Cabo Verde, Guiné Bissau, Moçambique, Portugal, São Tomé e Príncipe, Osttimor) eine einheitliche Rechtschreibung (den s. g. Acordo Ortográfico). Brasilien mit 180 Millionen der insgesamt über 210 Millionen Portugiesischsprechenden hatte ein besonderes Interesse an dieser Vereinheitlichung, nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen. Doch die anderen lusophonen (portugiesischsprachigen) Länder sahen darin eine Stärkung der Position des weltweit an 6. Stelle der Weltsprachen liegenden Portugiesisch. In Portugal selbst kümmerte man sich jedoch lange nicht darum. Erst als Ende 2006 mit São Tomé e Príncipe das dritte Land das Abkommen ratifizierte (vorangegangen waren Brasilien und die Kapverden) ­ womit der Vertrag auch für die anderen fünf Staaten verbindlich wurde ­ kam Bewegung in die portugiesischen Reihen. Nun wachten auch die Gegner der Reform auf, allen voran der Europa-Abgeordnete, Schriftsteller und Publizist Vasco Graça Moura, aber auch Lehrerverbände und die Verlage. Es wurden Petitionen eingereicht. Eine Unterschriftensammlung im Internet brachte es in zwei Tagen auf mehr als 100.000 Unterschriften. Doch aller Widerstand war vergeblich. Die Gesetzesvorlage passierte im Mai 2008 das Parlament und wurde im September des gleichen Jahres von Präsident Cavaco Silva unterzeichnet. Seit dem 1.1.2009 gilt nun eine Übergangszeit, in der beide Rechtschreibweisen akzeptiert werden, ab 2014 (Brasilien 2012) gelten dann die neuen Regeln. Welches sind diese und warum erzürnen sie weite Kreise des geistigen Portugals? Nun, die Grundtendenz ist weg von der ,,gelehrten” Schreibweise, d.h. in der das griechische oder lateinische Etymon (Herkunftswort) erkennbar ist (z. B. verliert húmido, ,,feucht” das h). Das Schriftbild wird jetzt der Aussprache angepasst. So erscheinen alle Konsonanten, die nicht gesprochen werden, auch nicht im Schriftbild. Das betrifft vor allem das c und p vor Konsonanten. Eléctrico (Straßenbahn) wird zu elétrico, actor (Schauspieler) zu ator, óptimo (sehr gut) zu ótimo. In den Wörtern, in denen das c bzw. p gesprochen wird (z. B. in facto, pacto, apto, réptil) wird es auch weiterhin geschrieben. Diese Regelung, die es schon länger im brasilianischen Portugiesisch gibt, kommt dem Portugiesischlernenden sehr entgegen, weiß er doch anhand des Schriftbildes gleich über die korrekte Aussprache Bescheid. Auch die nächste Regelung dürfte erst einmal begrüßt werden: Die Flut der Akzente wird weiter eingeschränkt (schon bei der Rechtschreibreform von 1945 wurden sie stark reduziert), insbesondere bei Doppelvokalen. Statt lêem (,,sie lesen”) heißt es jetzt leem und veem statt vêem (,,sie sehen”). Und so werden die Brasilianer in Zukunft auf den Akzent in vôo (Flug) und idéia (Idee) verzichten müssen. Bedenklicher wird es schon, wenn jetzt auch die diakritischen (d.h. unterscheidenden) Akzente wegfallen. Para kann jetzt ,,er, sie, es hält an” (früher pára) als auch ,,für” heißen (é para ti, ,,das ist für dich”) oder pelo sowohl ,,Körperhaar” (früher pêlo) als ,,durch/für den/die/das…”, zum Beispiel obrigado pelo (por+o) convite, ,,vielen Dank für die Einladung”. Neu für Portugal (nicht für Brasilien) ist die Kleinschreibung der Wochen- und Monatsnamen (sábado, janeiro). Außerdem wird bei den Bindestrichen aufgeräumt: fim de semana statt fim-de-semana, ,,WochenVorher Norte, Sul etc. Senhor Professor Avenida da Liberdade Sábado, Domingo, Segunda-feira, etc. Janeiro, Fevereiro, Março, etc. Primavera, Verão, etc. leccionar, acção, eléctrico, colecção óptimo, baptizar, adoptar, Egipto sumptuoso, peremptório lêem, vêem, crêem, dêem heróico, jibóia pára (< parar), pêlo, pólo hei-de, há-de, hão-de fim-de-semana, à-vontade manda-chuva, para-quedas co-autor, auto-estrada mini-saia, anti-religioso von DR. PETER KOJ ende”, autoestrada statt auto-estrada, ,,Autobahn” (aber weiterhin micro-ondas, ,,Mikrowelle” wegen des sonst fälligen Doppel-o). Insgesamt sind lediglich 1,6 % des portugiesischen Wortschatzes betroffen, bei den Brasilianern sogar nur 0,5 %. Aber das alleine mag schon der Grund für den hinhaltenden Widerstand der Portugiesen sein. Dabei wird aber übersehen, dass das eigentlich Trennende nicht die unterschiedliche Schreibung ist (Amerikaner und Briten können mit den jeweiligen Varianten auch sehr gut leben), sondern Unterschiede in den grammatischen Strukturen (bes. Stellung der Pronomen) und in der Wortwahl (Näheres dazu in der ESA vom August 2006: Fala ,,Brasileiro?”). Nachher norte, sul etc. senhor professor/Senhor Professor avenida da liberdade/Avenida da Liberdade sábado, domingo, segunda-feira, etc. janeiro, fevereiro, março, etc. primavera, verão, etc. lecionar, ação, elétrico, coleção ótimo, batizar, adotar, Egito suntuoso, perentório leem, veem, creem, deem heroico, jiboia para, pelo, polo hei de, há de, hão de fim de semana, à vontade mandachuva, paraquedas coautor, autoestrada minissaia, antirreligioso

 

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