Die Betonung macht’s

Die Betonung macht’s

Es gibt im Portugiesischen feste Regeln, auf welcher Silbe ein Wort betont werden muss. Selbst wenn sie auf den ersten Blick kompliziert erscheinen, so geben sie dem Portugiesischlernenden doch eine größere Sicherheit als z.B. dem Englischlernenden

von DR. PETER KOJ

Bei der Aussprache der schönen Stadt Lagos scheiden sich die deutsch-französischen Geister. Wenn französische Touristen sie auf ihre Art aussprechen, kommt dabei ­ gemäß der Tendenz unserer westlichen Nachbarn, die letzte Silbe eines Wortes zu betonen ­ so etwas wie ,,la gosse” heraus. Was kurioserweise so viel wie ,,die Göre” heißt. Sagres kriegt ebenso sein Fett weg, den ,,sa graisse” heißt so viel wie ,,sein/ihr Fett”. Wir Deutschen kommen der portugiesischen Aussprache ,,lagusch” schon etwas näher. Auch wenn wir das ,,o” nicht wie ,,u” und das ,,s” nicht wie ,,sch” aussprechen, so stimmt zumindest die Betonung. Wir sprechen den portugiesischen Badeort so wie die ehemalige Hauptstadt Ghanas aus und liegen damit zumindest historisch richtig, denn viele Ortsnamen entlang der afrikanischen und asiatischen Küste (von Kamerun über Natal, die Molukken bis hin zu Formosa, der früheren Bezeichnung von Taiwan) gehen auf die Portugiesen zurück. Doch wie sieht es nun mit der Betonung der portugiesischen Wörter aus? Während die Franzosen immer die letzte Silbe betonen, liegt im Portugiesischen ­ ähnlich wie im Deutschen ­ die Betonung grundsätzlich auf der vorletzten Silbe. Es geht also nicht um die erste, zweite oder dritte Silbe, sondern Sie müssen sich daran gewöhnen, die Wortsilben von hinten nach vorn zu zählen: eine mentale FeldenkraisÜbung, die Ihrem Hirn nur gut tun kann. Das Problem liegt bei ,,grundsätzlich”. Denn ähnlich wie in der portugiesischen Grammatik gibt es eine Reihe von Ausnahmen zu dieser Grundregel. Wenn Sie diese jedoch beachten, haben Sie immerhin sehr viel mehr Sicherheit als beim Erlernen des Englischen oder Italienischen, wo es keine festen Betonungsregeln gibt und Sie praktisch bei jedem neuen Wort die Aussprache mitlernen müssen. ,,die Angst”): a farmácia, sério, a família, monótono, a música. Überhaupt der Akzent! Er hat die absolute Priorität. Wo immer Sie einen Akzent finden: Die von ihm markierte Silbe muss betont werden. Das kann die letzte Silbe sein (café, sofá), aber auch die vorletzte, so um die Endbetonung auszuhebeln, z.B. in táxi, das wegen des ,,i” oder líder (aus engl. leader), das wegen des ,,r” auf der letzten Silbe betont werden müsste, oder um Bedeutungsunterschiede zu markieren (sog. diakritischer Gebrauch). Beispiel: para (,,für”) ­ pára (,,er/sie hält an”) oder zur Unterscheidung der Gegenwart von der Vergangenheit (pretérito perfeito simples) der ersten Person Plural der Verben auf -ar: falamos, ,,wir sprechen” ­ falámos, ,,wir sprachen”. Die durch PC und E-Mail geförderte Vernachlässigung von Sonderzeichen wie Akzente oder Tilde kann verhängnisvolle Folgen haben. So ist es nicht egal, ob ich von den manhãs de Portugal den ,,Morgen Portugals”, (Betonung jeweils auf der letzten Silbe!) spreche oder den manhas de Portugal (den ,,Listen Portugals”). Noch peinlicher wird es, wenn ich der Schildkröte (cágado ­ Betonung auf der drittletzten Silbe!) den Akzent vorenthalte. Das Ergebnis ist echt besch… Und ähnlich fäkal geht es zu, wenn ich der Kokosnuss (coco) einen Akzent verpasse: cocó sind die Exkremente in der Kindersprache. Wie man sieht: Die Betonung macht’s. P.S. Hier für die Algarvebesucher noch eine kleine Liste von Ortsnamen, die man nicht auf der vorletzten Silbe betont: Portimão, Olhão, S. Brás de Alportel, Alcoutim, Loulé, Alvor, Aljezur, Rogil, Burgau (alle auf der letzten Silbe) und Monte Clérigo, sowie Odiáxere auf der drittletzten Silbe.

 

Es gibt eine Reihe von portugiesischen Wörtern, die nicht auf der vorletzten, sondern auf der letzten Silbe betont werden. Es sind alle Wörter, die in der letzten Silbe ein ,,i” oder ,,u” besitzen. Beispiel: assim (so), oder peru (Puter). Auch ein Diphthong (Doppelvokal) hat dieselbe Wirkung (falei ich sprach, falou er/sie sprach). Das gleiche gilt für alle Wörter, die auf ein ,,r” (o motor), ein ,,l” (o jornal ) oder ein ,,z” enden, das dann übrigens wie ein weiches ,,sch” ausgesprochen wird (o rapaz ,,der Knabe”). Feliz (,,glücklich”) hätte somit gleich zwei gute Gründe, auf der letzten Silbe betont zu werden. Dazu kommen die Wörter, die in der letzten Silbe ein nasaliertes ,,a” haben, leicht zu erkennen an der Tilde, z.B. amanhã (,,morgen”) Weniger zahlreich sind die portugiesischen Wörter, die auf der drittletzten Silbe betont werden, leicht zu erkennen an einem Akzent, zumeist der Akut (á, é, í, ó, ú), gelegentlich auch ein Zirkumflex (ânsia).

 

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