Rund um die Zahlen

Fala Português?

Rund um die Zahlen

Wann ist ein Portugiese zur 8 verbogen? Wozu braucht er sieben Schlüssel? Die portugiesische Sprachfantasie schöpft für
eine Reihe origineller Wendungen aus dem Reich der Zahlen

von DR. PETER KOJ

Es scheint keine große Notwendigkeit zu bestehen, sich um das Zahlenwerk einer fremden Sprache zu bemühen. Bis 10 haben wir schließlich unsere Finger und ab 11 haben wir ­ den Arabern sei Dank! ­ weltweit eingeführte Ziffern, die man schnell auf einem Stück Papier notieren kann. Und selbst wer schon viele Jahre in Portugal lebt, wird sich dabei ertappen, dass er immer noch auf Deutsch zählt oder rechnet. Unter denen, die sich um die portugiesischen Zahlen bemühen, haben diejenigen die besten Karten, die schon in einer romanischen Sprache zählen können: um, dois, três, quatro, cinco, seis, sete, oito, nove, dez. Das geht so munter weiter bis 15: onze, doze, treze, catorze, quinze. Doch schon ab 16 (im Französischen erst ab 17) werden Zehner und Einer zusammengesetzt: dezasseis, dezassete, dezoito, dezanove, ab 20 (vinte) durch Getrenntschreibung und das ,,e” (,,und”) noch deutlicher sichtbar: vinte e cinco (25), trinta e oito (38), oitenta e três (83) etc. Doch das ist, zumindest was die 1 und 2 angeht, nur die halbe Wahrheit. Es fehlt nämlich die ,,bessere Hälfte” ­ nämlich die weibliche: duas cervejas (2 Biere), quarenta e uma pessoas (41 Personen). Auch bei den Hundertern und Tausendern geht es im Portugiesischen politically correct zu: duzentas páginas (200 Seiten), duas mil garafas (2.000 Flaschen). Und wo wir uns schon in diesen höheren Regionen bewegen: Es gibt zwei Ausdrücke für Hundert: cem (= 100) und cento (ab 101). Ähnlich wie die Einer werden dann die Zehner auch mit ,,e” angehängt, z.B. cento e cinquenta e nove (159). So weit so einfach. Komplizierter wird es bei den Ordnungszahlen. Als echte Adjektive haben sie nämlich nicht nur eine weibliche sondern auch eine Pluralform, z.B. as primeiras damas (auf Neudeutsch: die First Ladies). Dabei brauchen wir sie ganz dringend für die Wochentage, zumindest von Montag bis Freitag, denn in Portugal ist an diesen Tagen feira, d.h. Markt: segunda-feira, terça-feira (aufpassen: nicht terceira, was eigentlich ,,dritter” heißt), quarta-feira, quinta-feira, sexta-feira. Die nächsten Ordnungszahlen werden zumindest den Klavierspielern vertraut sein als Bezeichnung für die Intervalle: sétimo/a (7.), oitavo/a (8.), nono/a (9.), décimo/a (10.). Von da ab geht es ,,im Doppelpack” weiter: décimo/a primeiro/a (11.), vigésimo/a quinto/a (25.), trigésimo/a nono/a (39.). Doch wer will schon so hoch hinaus? Zumindest brauchen wir die portugiesischen Ordnungszahlen nicht für das Datum. Da heißt es ganz schlicht vinte e quatro de Agosto. Übrigens reicht die Kenntnis der arabischen Ziffern nicht aus. Für Könige und Päpste brauchen Sie auch die römischen Zahlen (Pio XII, Carlos V). Ebenso für die Jahrhunderte, doch da sind wir ja erst bis zum século XXI, dem 21. Jahrhundert gekommen. Ebenso gibt es auch eine Reihe von idiomatischen Wendungen, die sich der Zahlen bedienen. Man schließt etwas mit sieben Schlüsseln ab, also gründlich (fechar a sete chaves), ist zufrieden, wenn man auf seinen sieben Höfen ist (estar nas suas sete quintas), aber ziemlich derangiert oder betrunken, wenn zur 8 verbogen wurde (feito num oito). Wenn jemand aber die 4 machen kann (fazer o quatro), dann hat er den Nüchternheitstest bestanden: Er kann nämlich noch auf einem Bein stehen und das andere in Form einer Vier anwinkeln (Die härtere Version ist fazer o seis, wenn man links und rechts noch einen Backenstreich erhält und trotzdem nicht umfällt). Sprichwörtlich ist ­ in Anlehnung an die arabische Erzählsammlung ­ auch die 1001 als Ausdruck für Vielfalt, zum Beispiel die Mil e uma razões para gostar de Portugal, ein kleiner Reiseführer in Buchform, der Ihnen 1001 Attraktionen in Portugal nennt.

 

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