Holzgesichter und ein Teufel

Fala Português?

Wie viel Zeit verstreicht, ,,während der Teufel sich ein Auge reibt”? Was will ein Portugiese sagen, wenn er sich das Gesicht schwarz anmalt? Oder wie lang kann seine Nase oder seine Zunge werden? Eine kleine Idiomatik der Körperteile

Das portugiesische ,,Karfreitagsgesicht” (cara de sexta-feira santa) entspricht im Deutschen dem Gesicht ,,wie drei Tage Regenwetter” ­ im Zeichen des Klimawandels und der damit verbundenen Dürre nicht mehr ganz zeitgemäß! Der erste nachrevolutionäre Präsident Portugals, Ramalho Eanes, wurde von seinen Landsleuten gerne als cara de pau (Holzgesicht) bezeichnet, womit man eine mürrische Person bezeichnet. Wer die Tür vor dem Gesicht hat (dar com a cara na porta), der ,,schaut in die Röhre” und wer sich das Gesicht schwarz anmalt (pintar a cara de negro), schämt sich. Wenn etwas ,,die Augen des Gesichtes kostet” (custar os olhos da cara), geht es an Ihren Geldbeutel. Bleiben wir doch gleich bei den Augen, sicher zentrale Körperteile. Und so sind sie auch für eine ganze Reihe von sprichwörtlichen Redensarten gut. Wenn jemand ausdruckslos oder sehnsüchtig in die Gegend schaut, hat er die Augen eines toten Fisches (olhos de peixe morto) oder die eines verendenden Hammels (olhos de carneiro mal morto). Weder sollte man ,,mehr Augen als Bauch haben” (ter mais olhos que barriga), also gierig sein, noch jemandem ,,die Finger in die Augen stecken” (meter os dedos pelos olhos), das heißt: ihn übers Ohr hauen. Doch wohl dem, der ,,Feuer im Auge hat” (ter lume no olho): Er hat einen besonders hohen IQ. Und wenn man etwas sehr rasch tut, so geschieht das ,,während sich der Teufel ein Auge reibt” (enquanto o diabo esfrega um olho). Auch die Nase muss für allerlei Wendungen herhalten. So ist ein stolzer und unabhängiger Mensch ,,Herr seiner Nase” (senhor / dono do seu nariz). Sollte sich dieses Körperteil auf anderthalb palmos, das sind stolze 33 Zentimeter,­ verlängern (ficar com o nariz de palmo e meio), dann macht man ein langes Ge-sicht, weil einem irgendetwas ,,durch die Lappen” gegangen ist. Prallt man ,,mit der Nase gegen die Tür” (bater com o nariz na porta), dann findet man eine Sache nicht an der Stelle, wo sie eigentlich sein müsste. Und dann kann einem leicht ,,der Senf in die Nase steigen” (chegar a mostarda ao nariz): Man wird wütend. Für die Ohren hat das Portugiesische zwei Begriffe: orelha für das äußere Ohr und ouvido für den Gehörteil. Für idiomatische Wendungen steht jedoch vor allem Letzteres. An die Stelle der Bohnen, die wir gelegentlich in den Ohren haben, tritt im Portugiesischen das Wachs (ter cera nos ouvidos). Man kann sich auch dumm stellen und so tun, als ob man jemanden nicht versteht. Dann kriegt man die ,,Ohren eines Kaufmanns” (fazer ouvidos de mercador). Hat man jedoch ,,die Ohren beim Schmied” (ter os ouvidos no ferreiro), bekommt man akustisch etwas nicht mit. Auch die Zunge kann es auf beachtliche 22 Zentimeter bringen: Der Träger solch einer langen Zunge tut etwas nur sehr widerwillig, etwa ein begangenes Unrecht wieder gutmachen (pagar com língua de palmo). Während uns ein Begriff, der uns nicht gleich einfällt, auf der Zunge liegt, befindet er sich im Portugiesischen auf der Zungenspitze (na ponta da língua) oder unter der Zunge (debaixo da língua). Wer jedoch ,,keinen Brei auf der Zunge” hat (não ter papas na língua), hat dieses Problem nicht: Er redet direkt und ohne Hemmungen los. Und wer sich verplappert, also indiskret ist, ,,stößt mit der Zunge gegen die Zähne” (dar com a língua nos dentes). Auch wenn mir die Zunge noch nicht zum Hals raushängt (estar com a língua de fora) ­ trotz meiner Bemühungen, diesen Artikel nicht zwischen Tür und Angel ­ im Portugiesischen ,,auf dem Knie” (em cima do joelho) ­ zu schreiben, halt ich jetzt die Klappe: ich ,,mache einen Knoten in die Zunge” (dar um nó na língua), ,,schlucke sie herunter” (engolir a língua) oder ,,pack einen Ochsen drauf”. Gut, das mit dem Ochsen nehme ich zurück. Denn pôr um boi sobre a língua hat den Beigeschmack, dass man etwas ums Verrecken nicht preisgeben möchte. Doch davon kann keine Rede sein. Im Gegenteil: Es ist mir eine Freude, allen ESA-Lesern, die eine Schwäche für Portugiesisch haben, bei dem Verständnis und Erwerb dieser wunderbaren Sprache behilflich zu sein. von DR. PETER KOJ

ESA 11/07

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