Weder Hand noch Fuß

Fala Português?

Weder Hand noch Fuß

Was hat es zu bedeuten, wenn ein Portugiese seinen Fuß in den Ring stellt oder auf einen grünen Zweig. Oder was ist ein ,,Hohler-Knoblauch-Kopf”? Dr. Peter Koj gibt Ihnen eine kleine Einführung in die Welt portugiesischer idiomatischer Redewendungen rund um Körperteile
er Witz ist alt wie der Wald. Ein im Fluss Badender droht zu ertrinken und schreit laut um Hilfe. Fragt ein am Ufer Stehender: ,,Warum schreien Sie denn so?” Antwort: ,,Ich hab keinen Grund!” Der am Ufer: ,,Wenn Sie keinen Grund haben, sollten Sie auch nicht so schreien.” Dieser Witz lässt sich nicht auf Portugiesisch erzählen, denn in derselben Situation hätte der Ertrinkende geschrien: ,,Não tenho pé”, das heißt: Ich habe keinen Fuß beziehungsweise Halt. Und so gibt es im Portugiesischen eine ganze Reihe idiomatischer Redewendungen, die sich der Körperteile bedienen und die, wenn man sie wörtlich übersetzt, im Deutschen unverständlich bleiben. Eine Reihe von ihnen ist jedoch so plastisch und anschaulich, dass sie verdienen, hier aufgeführt zu werden. Da wir schon mit dem Fuß (o pé) angefangen haben, bleiben wir doch gleich dabei. Wenn bei uns etwas keinen Sinn ergibt, dann hat es weder Hand noch Fuß, im Portugiesischen hingegen weder Füße noch Kopf (nem pés nem cabeça). Die Samtpfoten fallen im Portugiesischen eine Nummer gröber aus: Wer sich leise bewegt, geht auf Wollfüßen (pés de lã). Wenn jemand mit einem Fuß geht und dem anderen zurückkommt (ir num pé e vir num outro), macht er sich rasch auf die Socken. Wer etwas mit dem rechten Fuß beginnt (entrar com o pé direito), hat einen guten Start erwischt, weshalb diese Redewendung auch gerne als Wunsch zum Eintritt in das neue Jahr benutzt wird. Zögerliche oder misstrauische Portugiesen halten den Fuß zurück (estar de pé atrás). Geschlossene Füße zeigen an, dass man etwas mit Bestimmtheit tut, beispielsweise beschwört oder abstreitet (jurar/negar a pés juntos). Wer Füße und Kopf zusammenklappt (dobrar os pés com a cabeça), segnet das Zeitliche, kratzt ab, macht den Schirm zu, gibt den Löffel ab ­ nur um mal zu zeigen, dass auch die deutsche Sprache nicht gerade arm an bildhaften Redewendungen ist. Wichtig ist, wohin man den Fuß stellt. Steht er im Ring (meter o pé na argola), hat man einen Fehler begangen. Auf den grünen Zweig (pôr o pé em ramo verde) stellt den Fuß, wer Autorität besitzt. Und wer die Füße auf die Erde stellt (pôr os pés à terra), beharrt auf etwas. Aber wer es nicht schafft, den Fuß jenseits der Hand zu schwingen (não lançar o pé além da mão), hat geistig nicht viel zu bieten. Um ein wichtiger Ratgeber von jemandem zu sein, genügt es im Deutschen, seine rechte Hand zu sein. Im Portugiesischen werden dazu noch die Füße benötigt (ser pés e mão de alguém). Zu Händen und Füßen ließen sich noch eine Reihe weiterer Redewendungen aufführen. Doch auch die anderen Körperteile sollen mit einer kleinen Auswahl besonders expressiver Redewendungen zu ihrem Recht kommen. Auf frischer Tat wird in Portugal jemand mit dem Mund an der Flasche erwischt (apanhar alguém com a boca na botija). Wer seinen Kopf nur benutzt, um den Hut zu tragen (só ter cabeça para usar chapéu), hat nicht viel auf dem Kasten, während sein Kollege, der ,,Windkopf” (cabeça-de-vento) eher vergesslich und der ,,Hohle-Knoblauch-Kopf” (cabeça-de-alho-chocho) eher zerstreut ist. Hat bei uns jemand gelegentlich Haare auf den Zähnen, finden sie sich in Portugal im Nasenloch (cabelo/pêlo na venta) als Zeichen für einen aufbrausenden Charakter oder auf dem Herzen (ter cabelo/pêlo no coração). In dem Fall kennzeichnet der Ausspruch einen unsensiblen, grausamen Menschen. Einen ,,Eisenarm” (braço-deferro) braucht man bei dem auch bei uns bekannten Armdrücken, er steht in Portugal aber auch für die harte Auseinandersetzung zwischen zwei Parteien. Portugal, das Land der Heiligen, hat einen ganz besonderen Heiligen erfunden, einen Verwandten unseres ,,Ohne-Michel”. Sein Gesicht drückt aus, dass er mit der Sache nichts zu tun haben will: cara de santonão-te-rales (wörtlich: Gesicht des Heiligen kümmer-dich-nicht). Was ein ,,Karfreitagsgesicht” oder ein ,,Holzgesicht” ist und was es bedeutet, wenn man sich das Gesicht schwarz anmalt, wird in einer der nächsten Ausgaben der ESA verraten. Dann wenden wir uns auch ein paar anderen Körperteilen zu, die für ganz spezielle Redewendungen herhalten müssen.

 

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