Fala ,,Brasileiro”?

Fala ,,Brasileiro”?

Sprechen Sie das Portugiesisch Brasiliens?

Mit Brasilien, Portugal und Angola nahmen an der Fußball-WM drei portugiesischsprachige Mannschaften teil. Sprechen Sie tatsächlich dieselbe Sprache?

Portugal, Angola und Brasilien: Gleich drei lusphone, also portugiesischsprachige Mannschaften waren bei der WM vertreten. In der ehemals portugiesischen Kolonie Angola, die 1975 selbständig wurde, dient Portugiesisch als Língua franca, als Verkehrssprache zwischen den verschiedenen einheimischen Sprachen. In Brasilien, das sich bereits 1822 als unabhängiger Staat gründete und mit knapp160 Millionen Einwohnern den Löwenanteil der weltweit Portugiesischsprachigen darstellt, hört man häufig, man spreche nicht portugiesisch sondern brasilianisch. Und auch in deutschen Übersetzungen heißt es häufig ,,Aus dem Brasilianischen übersetzt”. Doch hat sich das brasilianische Portugiesisch von dem europäischen so weit fort entwickelt, dass wir es mit einer eigenen Sprache zu tun haben? Sprachwissenschaftler sprechen von einer Variante, ähnlich wie beim amerikanischen Englisch. In der Tat sind die Unterschiede nicht so groß, dass man von einem eigenständigen ,,Brasilianisch” reden kann. Am auffälligsten sind für den Außenstehenden die Aussprache-Unterschiede. So wird in Brasilien das auslautende ,,s” oder ,,z” nicht wie ,,sch” ausgesprochen, sondern wie ,,s”, dafür das ,,d” und ,,t” vor ,,e” bzw. ,,i” wie ,,dsch” oder ,,tsch”. Am Wortende wird das ,,r” nur gehaucht, das ,,l” wie ,,u” (die Brasilianer leben also in ,,Brasíu”) und das ,,e” wie ,,i” gesprochen. Dafür behalten die Vokale auch in einer unbetonten Silbe ihre Qualität: Das ,,a” wird nicht wie in Portugal zum stummen ,,e” und das ,,o” nicht zum ,,u”. Nimmt man die brasilianische Lust am Dehnen der Nasale dazu und die melodiöse Intonation, so kann man verstehen, warum viele Deutsche das brasilianische Portugiesisch schöner und musikalischer finden. Sehr gering sind die Unterschiede in der Grammatik. Sie beschränken sich eigentlich auf den Gebrauch des Gerundiums statt des Infinitivs, wenn man sagen will, dass man gerade dabei ist, etwas zu tun (estou fazendo statt estou a fazer). Doch diese typisch brasilianische Variante findet man schon im Algarve und auf den Inseln (Madeira, Azoren). Ansonsten lassen die Brasilianer gerne den Artikel (o/s, a/s) weg, so bei Eigennamen (Jorge statt o Jorge) oder wenn das Substantiv von einem Possessivpronomen begleitet wird (meu livro statt o meu livro). Sehr locker gehen die Brasilianer auch mit den Personalpronomen um. Während in Portugal strenge Regeln herrschen (im allgemeinen wird das Pronomen hinter das Verb gestellt, bei Verneinungen, nach bestimmten Adverbien oder in Fragesätzen mit Fragewort vor das Verb, also amo-te aber: não te amo, ainda te amo, por que te amo? etc.), stellt der Brasilianer das Pronomen hin, wo es ihm gerade passt oder es am besten klingt. In weiten Teilen Brasiliens ist statt des tu die Anrede você gebräuchlich, die in Portugal eher eine Siez-Form ist. Auch bei der Rechtschreibung sind die Unterschiede minimal, so beim Gebrauch der Akzente und dem Weglassen des ,,c” oder des ,,p” vor Konsonant (fato statt facto, ótimo statt óptimo). Seit dem acordo ortográfico von 1911(!) sollten aber selbst diese nicht mehr existieren. Umso stärker sind die Differenzen auf dem Gebiet des Wortschatzes. Es gibt sogar ein portugiesisch-brasilianisches Lexikon (Dicionário Contrastivo Luso-Brasileiro, Ed. Guanabara), in dem Mauro Villar 8.500 Ausdrücke zusammengetragen hat, die es in Brasilien nicht gibt oder die dort eine andere Bedeutung haben. So kann es schon mal Verwirrung geben, wenn man einen Brasilianer nach seinem Nachnamen (apelido) fragt: in Brasilien bedeutet apelido nämlich ,,Spitzname” (port. alcunha). Vorsicht auch bei Ausdrücken wie camisola (in Portugal: Pullover, in Brasilien: Nachthemd) oder bicha (in Portugal: Menschenschlange, in Brasilien: Schwuler). Durch die starke Präsenz brasilianischer telenovelas auch in Portugal vollzieht sich ­ zumindest auf dieser Seite des Atlantiks ­ eine Annäherung der beiden Portugiesisch-Varianten. So findet inzwischen in Portugal niemand etwas dabei, wenn er statt des landesüblichen Olá mit dem brasilianischen Oi begrüßt wird.
Dr. Peter Koj

Mehr dazu bei der Portugiesisch-Hanseatischen Gesellschaft auf www.p-hh.de

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