Fabrik der Sinne

Zwischen der Ria Formosa und der Eisenbahnlinie, nahe dem städtischen Theater von Faro, erwacht eine ehemalige Johannisbrotmehl-Fabrik zu neuem Leben. Künstler, Kunsthandwerker, Musiker, Fotografen, Vereine, alle gemeinsam unter einem Dach; dem der „Fábrica dos Sentidos“

Es ist die erste Künstler-Kooperative der Algarve. Eine einzigartige Begegnungsstätte in einer einzigartigen Atmosphäre. Eine kreative Insel, die Menschen und Gruppen mit Ideen, einen Raum zum kreativen Schaffen zu einem symbolischen Preis zur Verfügung stellt. Das Konzept der „Fábrica dos Sentidos“ stammt von Mai 1968, so Mató, Mentor des Projektes, das im Dezember 2012 erste Formen annahm und Ende September 2013 die Türen öffnete. „Es geht darum, Wissen und Erfahrungen zu teilen, sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen, gemeinsam zu schaffen, im Netz zu arbeiten. Nach dem Motto: zusammen sind wir stark“, erklärt er weiter. Der 39-jährige Performer aus Estói hatte schon in der Jugend ein ähnliches Projekt starten wollen. „Das ehemalige Krankenhaus von Olhão stand leer, und ich wollte daraus eine Kulturstätte machen“, leider konnte der damals 15-Jährige das Projekt nicht verwirklichen. Doch nachdem er ganz Europa und Nordafrika bereiste, dort lebte und Erfahrungen sammelte, gelang es ihm nun, sich in Faro seinen Traum zu erfüllen und damit auch anderen dazu zu verhelfen. „Die Fábrica dos Sentidos soll als Startplattform dienen. Sie soll Künstler, Unternehmen oder Marken dabei unterstützen bekannt zu werden. Mein Wunsch ist, dass diese Räume bald zu klein für die derzeit hier ansässigen Künstler werden und sie den Platz und die Möglichkeit anderen jungen Talenten überlassen“, erklärt Mató. Die Fabrik ist zirka 5.000 qm groß und verfügt über weitere 1.200 qm Freifläche. 15 Künstler teilen sich den Arbeits-, Ausstellungs- und Verkaufsraum der großen Halle, die bereits besucht werden kann. Jedem stehen einige Quadratmeter zur Verfügung. Gleich am Eingang stellt Yury Godkov (www. arte-madeira.com.pt), ein Tischler aus Turkmenistan, seine außergewöhnlichen Schnitzerei-Arbeiten und didaktisches Spielzeug aus, während er gedankenverloren andere kleine Figuren schnitzt. Direkt daneben hat der lokale Verein Glocal (http://glocalfaro. blogspot.pt), der sich im Tier- und Umweltschutz engagiert, den Platz gemietet und stellt ihn stets neuen Kunsthandwerkern zur Verfügung. Die wunderschönen Masken aus Leder stellt ein Künstler aus Chile her, der es nun auch mit Korkleder versuchen will. Eunice Fantasia aus Botswana macht afrikanisches Kunsthandwerk, während Sue aus Deutschland Holzspielzeug und Traumfänger anbietet. Fátima sitzt ununterbrochen an der Strickmaschine, während Sérgio seine Keramik ausstellt und Töpfer-Workshops anbietet. Unübersehbar ist der dem Graffiti- Künstler SEN zugewiesene Platz, der hier beweist, nicht nur Wände, sondern auch Möbel künstlerisch besprühen zu können. Angela (http://aifacrew.blogspot.pt) aus Lissabon näht Kleidung aus alten Regenschirmen und Stoffen. Ungewöhnliche und originelle Röcke aus Regenschirmen liegen neben feinen Korsetts und wahren Vintagestücken sowie Schmuck aus Naturmaterialien. Den Platz teilt sie sich mit Fernando Brazão (http://fbgcarranca.wix.com/carrancas), einem Maler aus Lissabon, dessen Werke auch als Pins, Poster oder Postkarten gekauft werden können. Mariana aus dem Alentejo gibt alten Sachen ein neues Leben und noch dazu einen besonderen Touch. Sie wandelt z.B. alte Schuhen durch das Anbringen von Maßbändern in originelle Vintage Schuhe um. Auch Maria (www.facebook.com/peya- visions) gibt alten Klamotten ein neues, ausgefallenes Leben und kreiert Modeschmuck. José hingegen bearbeitet Holz – mit viel Können! Sein Holzspielzeug ist so detailliert, das es uns die Sprache verschlägt. Demnächst kommen in separaten Räumen u.a. ein Bio-Laden, Massage-Salon, Tattoo-Atelier, Friseur und Naturkosmetiker hinzu. Auch für Video- und Audio-Produzenten ist ein Raum vorgesehen sowie ein Übungsraum für Musiker und einer für Fotografie. Sogar die Lissabonner Zirkusperformance-Gruppe Armazém 13 wird hier eine Zweigstelle haben. Eine weitere große Halle soll Theater-, Musik-, Tanz- und Performance-Veranstaltungen dienen sowie Kunstausstellungen. Zwei Küchen werden derzeit gebaut, denn hier sollen auch eine Konditorin und eine auf veganes Finger Food spezialisierte Köchin einziehen. Im Innen- sowie im Außenbereich laden Lounges zum Verweilen ein. Alte Sessel, Sofas, Stühle und Liegestühle, die Privatpersonen und Unternehmen der Region spendeten, wurden neu bezogen. Die WC ́s wurden mit gespendeten, unmodernen Kacheln und Fliesen künstlerisch zusammengestellt und versehen. Es steht viel Raum zur Verfügung und es ist viel geplant. Mató hofft, dass Anfang 2015 alles fertig und die Fabrik in Vollbetrieb sein wird. Mató und alle Künstler wünschen sich, dass die Fábrica dos Sentidos bald eine Referenz in der Algarve-Szene ist. „Wir wollen, dass die Menschen nach einem anstrengenden Arbeitstag zu uns kommen und sich entspannen. Dass sie uns besuchen, um zu sehen was es Neues zu entdecken gibt“, erklärt Mató. Dafür stellt er jeden Monat ein interessantes und abwechslungsreiches Programm auf. Täglich gibt es Konzerte oder Filmvorführungen, Workshops, Performances u.v.m. „Die Fábrica dos Sentidos gehört allen und ist stets in Entwicklung, kommt und besucht uns“, verabschiedet sich Mató.

Anabela Gaspar

ESA 01/14

Share.

Comments are closed.