Albufeira durch Gabriels Linse

Eine Ausstellung in Albufeira zeigt Fotografien von Gabriel Clemente. Die Schau ist eine Hommage an den „kölsche Jung“, der die touristische Hochburg wie seine Westentasche kannte

Der Name ist den ESA-Lesern sicher bekannt. Viele kannten ihn persönlich und werden, wie auch das gesamte ESA-Team, Gabriel als einen ausgesprochen freundlichen und hilfsbereiten Menschen in Erinnerung haben und vermissen, nachdem er im vergangenen Dezember so abrupt und unerwartet verstarb.
Obwohl Gabriel Clemente erst seit 2009 in der Region lebte, war er ein absoluter Algarve-Kenner und ein stolzer Algarvio. Im Norden Portugals in Braga geboren, ist Gabriel Clemente jedoch weiter südlich in Leiria aufgewachsen. 1966, kurz vor seinem 16 Geburtstag, folgte ein weiterer Umzug. In Portugal herrschte die Diktatur von Salazars Estado Novo und in den afrikanischen Kolonien war Krieg. Um der Wehrpflicht zu entkommen, zogen Gabriel und seine Eltern nach Köln. Dort fand er eine Anstellung bei einer großen Nutzfahrzeugglasfabrik, lernte Deutsch, absolvierte nebenbei ein Studium und arbeitete sich im Unternehmen hoch. Sein Leben in Deutschland war sehr stressig, zudem rauchte Gabriel bis zu drei Packungen Zigaretten am Tag. Mit nur 36 Jahren erlitt er seinen ersten Herzinfarkt. Ein einschneidendes Ereignis, das aus ihm einen passionierten Hobbyfotografen machte. 40 Jahre lebte er in Köln und war aktiv im Leben der Stadt engagiert. Die Sommerferien verbrachte die Familie meistens in Olhos d´Água. Für Gabriel, der die Algarve als paradiesisch empfand, stand fest, dass er hier seinen letzten Lebensabschnitt genießen würde. Und so kam es, dass er 2009 mit seiner Ehefrau Maria in den sonnigen Süden zog.
Hier konnte er sich intensiv seiner Leidenschaft, der Fotografie, widmen. Stets in Begleitung seiner Kamera entdeckte er die gesamte Algarve und brachte sie auch anderen näher, indem seine Fotos in verschiedenen regionalen Medien veröffentlicht wurden. Als ESA-Fotograf begleitete er mich bei vielen Ausflügen und Wanderungen und gab oft Tipps für Reportagen. Ich lernte ihn als gut gelaunten und stets offenen Menschen kennen. Unterwegs im Hinterland oder entlang der Küste sprach Gabriel Hirten, Bauern und Wanderer gerne an, gab Tipps oder half anderweitig. Viele zufällige Begegnungen wurden zu langen Freundschaften. Er war ein Familienmensch, der stolz und mit glänzenden Augen über seine Tochter und seine Enkelkinder berichtete. Gabriel war sehr solidarisch mit seinen Mitmenschen, davon zeugt etwa sein Engagement beim Onkologieverein der Algarve.
Gabriels Lieblingsort war ohne Zweifel Albufeira. Er kannte die gesamte Küste und jede schmale Gasse der einst kleinen Fischergemeinde; verpasste kein Ereignis, von Aufführungen der Folkloregruppe über sämtliche Einweihungen bis zum Sardinenfest, und verewigte dies alles in seinen Fotos. Als Hommage und Anerkennung für Gabriels Einsatz für die Gemeinde hat das Rathaus eine Ausstellung mit seinen Fotos von Albufeira organisiert.

Text: Anabela Gaspar
ESA 09/15

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