Traditionelle Rezepte, Teil 10

Aljezur

An der Westküste der Algarve, inmitten des Naturschutzgebietes Parque Natural do Sudoeste Alentejano e Costa Vicentina, liegt Aljezur. Eine Gemeinde unbestreitbarer Schönheit mit unvergesslichen Landschaften zwischen einer schroffen Felsenküste und leichten Hügeln

Ein Besuch lohnt sich aus verschiedenen Gründen: Das Angebot von Aljezur reicht von Denkmälern und archäologischen Fundstätten, Museen, Wind- und Gezeitenmühlen über historische Wanderrouten entlang der Küste und im Hinterland bis hin zur Gastronomie, lokalen Produkten und Festen, die landesweit bekannt und beliebt sind – wie in diesem Monat das Süßkartoffelfest (s. S. 22). Entlang der von der Natur zerklüfteten Küsten gibt es Strände für jeden Geschmack, etwa den von Amoreira (s. ESA 10/14), an dem die Ribeira de Aljezur in den Atlantik fließt und somit Kindern ruhigere Gewässer zum Schwimmen bieten, oder den unter Surfern wegen der Wellen weltweit beliebten Strand von Amado. Strände, die sich auch ideal für Spaziergänge am Wasser eignen. Wilde, unvergessliche Landschaften mit tiefen Klüften, atemberaubenden Felsformationen, an denen auch Kletterer auf ihre Kosten kommen. Schon im Jahr 7.000 vor Christus waren hier die sogenannten Mirenses unterwegs; Nomaden, die in der Gegend um Odemira, Aljezur und Vila do Bispo von der Jagd und dem Sammeln von Meeresfrüchten und Knollen lebten. Es wurden ebenfalls Funde aus der Kupfer- und Jungsteinzeit sowie aus der Bronzezeit entdeckt. Die meisten Funde stammen jedoch aus der Zeit der muslimischen Besetzung zwischen dem 10. und dem 13. Jahrhundert. Zu den interessantesten Fundstätten zählen die Burg, das Ribat da Arrifana (Ponte da Atalaia), die Ponta do Castelo bei Carrapateira und die Igreja Nova in Aljezur. 1249 gelang es dann den Männern des Santiagoordens unter der Führung von D. Paio Peres Correia, Aljezur zurückzuerobern. Am 12. November 1280 verlieh König D. Dinis der Gemeinde die Stadtrechte. Aljezur war somit die erste Siedlung in der Algarve, der die Ehre erteilt wurde, zur Stadt erhoben zu werden. 1755 lag Aljezur nach dem großen Erdbeben in Trümmern. Bischof D. Francisco Gomes de Avelar ließ die Igreja Nova oder Igreja Nossa Senhora da Alva auf der anderen Seite des Flusses errichten. Sein Ziel war es, auf dieser Ebene eine neue Siedlung zu bauen. Sein Projekt wurde jedoch erst Ende des 19. Jahrhunderts umgesetzt; bis dahin weigerte sich die Bevölkerung umzuziehen. Ein weiterer interessanter Fakt der Geschichte von Aljezur ist die sogenannte „Batalha de Aljezur“. Im Sommer 1943 herrschte in ganz Europa Krieg. In Aljezur bekam die Bevölkerung jedoch wenig oder nichts davon mit, bis am 9. Juli am blauen Himmel über Aljezur ein Kampf zwischen Fliegern der deutschen Luftwaffe und der britischen Royal Air Force stattfand. Sieben deutsche Soldaten kamen ums Leben. Die Aljezurenses eilten zu Hilfe und beerdigten die Leichen im Friedhof von Aljezur. Bis heute findet dort am Volkstrauertag eine Gedenkstunde zur Erinnerung an alle Gefallenen, Vertriebenen und Vermissten der beiden Weltkriege statt (s. S. 33).

Batata-Doce & Perceves

Aljezurs Wahrzeichen ist ohne Zweifel die Süßkartoffel (s. S. 22). Zwar wächst diese Knolle auch in anderen Bezirken und Regionen Portugals sowie in anderen Ländern, aber keine andere schmeckt wie die von Aljezur! Genau deswegen wurde die Süßkartoffel 2009 offiziell zu einem Produkt mit geschützter Herkunftsbezeichnung erklärt. Aljezur liegt auch am wilden Atlantik, sodass die Fischerei genauso zum Alltagsleben gehört wie die Landwirtschaft. Entlang der schroffen Küste trifft man immer wieder Angler, die hier die besten Brassen fangen. Dies ist auch das Gebiet der wagemutigen Sammler der Entenmuscheln. Perceves mögen nicht sehr appetitlich aussehen, aber wer sie probiert, wird es nicht bereuen!

Sopa de Peixe da Costa Vicentina /Fischsuppe

Zutaten: 2 Brassen (Sargo), je 500 g 1 große Zwiebel, 3 Knoblauchzehen, 4 Tomaten, Olivenöl,

350 g kleine Hörnchennudeln (Massa de cotovelinho), 200 g Erbsen, 1 Lorbeerblatt, Petersilie, Koriander, Salz, Pfeffer, Wasser

Zubereitung: Die Zwiebel und die Knoblauchzehen klein hacken und in etwas Olivenöl anbraten. Die kleingeschnittenen Tomaten, die Petersilie, das Lorbeerblatt, etwas Salz und Pfeffer hinzugeben, mit Wasser aufgießen und kochen lassen. Zuletzt die Nudeln, die Erbsen und den Fisch hinzugeben. Vor dem Servieren mit ein bisschen Koriander bestreuen.

Polvo com batata-doce / Krake mit Süßkartoffeln

Zutaten: 1 große Krake (1,5 kg), 2 od. 3 Süßkartoffeln, 2 große Zwiebeln, 1 rote Paprika, 1 Lorbeerblatt, Paprikapulver, Pfeffer, Flor de Sal, Essig, Olivenöl, Knoblauch, Petersilie, Koriander

Zubereitung: Die Krake mit dem Lorbeerblatt u. 1 Zwiebel 1 Std. kochen (30 Min. im Schnellkochtopf ). In eine Auflaufform Olivenöl, einen Bund Petersilie und in Scheiben geschnittene Knoblauchzehen geben. Die gekochte Krake und die in Würfel geschnittenen Süßkartoffel darauflegen. in einer Pfanne 1 Zwiebel und die in feine Streifen geschnittene rote Paprika in Olivenöl etwas anbraten, dann auf die Krake und die Süßkartoffel geben. Mit Flor de Sal, Paprikapulver, Pfeffer und etwas Essig würzen. In vorgeheiztem Ofen bei 200 Grad ca. 40 Min backen. Kurz vor dem Servieren mit klein gehaktem Koriander bestreuen.

Bolo de batata-doce /Süßkartoffel-Kuchen

Zutaten für den Teig: 350 g Süßkartoffeln 6 Eier 200 g Zucker 500 ml Milch 250 g Mehl (mit Backpulver) 1 TL Zimt

Zubereitung: Die Süßkartoffel schälen und kochen. Anschließend per Hand pürieren und mit Hilfe einer Gabel den Zimt gut mit den Süßkartoffeln mischen. Eigelb mit Zucker cremig schlagen (ca. 5 min), dann die Hälfte der Milch und das gesamte Kartoffelpüree hinzugeben und mit einem Löffel gut vermischen. Den Rest der Milch hinzugeben und danach langsam unter stetigem Rühren mit Hilfe eines Schneebesens das Mehl hinzugeben. Das Eiweiß steif schlagen und behutsam unter den Teig heben. In eine mit Butter ausgefetteten und mit Mehl bestreuten Form geben, in vorgeheiztem Ofen bei 200 Grad ca. 50 Min backen.

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