Algarve-Rezepte Teil 5

Estoi

Zirka 10 km nördlich von Faro liegt Estoi, eine kleine Gemeinde mit knapp 3.600 Einwohnern, die bis 2004 noch Estói hieß und seit 2013 im Rahmen der landesweiten Zusammenlegung der Gemeinden zur Reduzierung der Verwaltungskosten mit der von Conceição zusammengelegt wurde. Unabhängig von der Aussprache des Namens oder der Zuständigkeit der Verwaltung hat diese Gemeinde einiges zu bieten. Die Gemeinde Estoi im Bezirk von Faro erstreckt sich von den fruchtbaren Böden von Campina de Faro im Süden bis zu den Gipfeln der Serra de Monte Figo im Norden, die schon in der Antike den Seefahrern und Fischern als Orientierungspunkt diente. An wolkenlosen Tagen eröffnet sich dort ein überwältigender Ausblick auf die Algarve-Küste. Die geografische Lage von Estoi, gepaart mit der fruchtbaren Erde und mehreren Wasserquellen, führte dazu, dass Menschen sich seit jeher in dieser Gegend niederließen. An archäologischen Funden, die dies bestätigen, mangelt es nicht. Eine bekannte Fundstätte und die bedeutendste aus der Zeit der römischen Besetzung in Portugal ist die der römischen Villa in Milréu. Die luxuriös mit Mosaiken ausgestattete Villa rusticae (Landsitz), zu der auch Thermalbäder, zwei Mausoleen und ein privates Kultgebäude gehören, soll aus dem 1. Jahrhundert nach Christus stammen und steht seit 1910 unter Denkmalschutz. Die Ruinen sind recht gut erhalten und als Freilichtmuseum zugänglich (Di – So 10.30 h – 13 h, 14 h – 18.30 h, E 2, Tel. 289 997 823). Laut einiger Historiker soll die Villa eine zeitlang der Wohnsitz des Gouverneurs von Ossonoba, dem heutigen Faro, gewesen sein. Auch in späteren Jahrhunderten zog Estoi reiche und einflussreiche Menschen an, die hier ihre kleinen, palastähnlichen Landhäuser errichten ließen. Auch dafür gibt es einen Beweis: der prächtige Palast von Estoi. Ein Juwel der Rokoko-Architektur in Portugal, das Francisco José Pereira do Carvalhal e Vasconcelos, ein Adeliger aus der Algarve, Anfang der 1780er Jahre erbauen ließ und in dem seit einigen Jahren ein staatliches Edelhotel eingerichtet ist. Ebenfalls beeindruckend und ein Attest für die Bedeutung von Estoi ist der Hauptplatz Praça da Liberdade. Dort steht, umrahmt von imposanten Gebäuden, die einst Adeligen der Region gehörten, die beeindruckende Hauptkirche der kleinen Ortschaft. Das Gebäude stammt aus der Renaissance, später verlieh ihr jedoch der italienische Architekt Francisco Xavier Fabri eine klassizistische Fassade. Der Hauptplatz ist Bühne des alljährlichen Festa da Pinha, das die Lasttier- treiber von Estoi Anfang Mai zu Ehren der Nossa Senhora do Pé da Cruz feiern. Die Besucher erwartet ein großes Fest mit traditioneller Gastronomie und Musik sowie einem Kunsthandwerksmarkt. Höhepunkt der Festlichkeiten ist jedoch der Festzug von Hunderten Reitern und Kutschern, die die Lasttiertreiber aus der früheren Zeit darstellen und die zu Ehren ihrer Schutzheiligen einen Ausflug nach Ludo, nahe Faro, unternehmen und am Ende des Tages mit leuchtenden Fackeln zum Hauptplatz von Estoi zurückkehren. In Estoi findet auch jährlich Ende August die größte Pferdemesse der Region statt. Außer einem Springreitturnier und Dressurreiten sowie Verkaufsständen mit Ausrüstung für Pferd und Reiter gibt es einen Markt mit regionalen Produkten und Kunsthandwerk, traditionelle Musik und – natürlich! – eine große Auswahl an regionaler Hausmannskost. Es mangelt also nicht an Gründen, um dieser kleinen Gemeinde einen Besuch abzustatten.

Schnecken & Chícharos

Zwischen April und Juni sieht man vor vielen Restaurants und Cafés die Abbildung einer Schnecke zusammen mit den Wörtern „Há Caracóis“, d.h. „Es gibt Schnecken“. Dass Schnecken existieren, ist natürlich allerorts bekannt. Die Hinweisschilder dienen dazu, Passanten einzuladen, das Lokal zu betreten und Schnecken zu essen. Und wenn sich auch viele davor ekeln, so sollte man sie doch einmal probieren. Während Schnecken landesweit bekannt und beliebt sind, dürften Chícharos vielen unbekannt sein. Eine Online-Recherche ergab, dass die Lathyrus sativus eine Pflanzenart innerhalb der Familie der Hülsenfrüchte ist. In Deutschland wird sie Saat-Platterbse genannt und soll vor allem Verwendung als Viehfutter finden. Auf portugiesischen Seiten heißt es hingegen, dass die Chícharos in weiten Kreisen Asiens, Ostafrikas und im Mittelmeerraum als Lebensmittel verbreitet sind. Und zwar so, wie man Kichererbsen oder Bohnen isst: gekocht, in Suppen und Eintöpfen. Chícharos wurden in Portugal schon zu Zeiten der Römer angepflanzt, gerieten jedoch in Vergessenheit. In den letzten Jahren gewannen sie vor allem unter Vegetariern, Veganern und Makrobiotikern wieder an Beliebtheit. Leicht zu finden sind die Chícharos nicht. Ich wurde auf dem Bauernmarkt in Lagoa fündig (jeden Freitag in der kleinen Straße hinter der Markthalle). Dort erfuhr ich, dass sie auch ervilhas quadradas genannt werden. Achtung! Ervilhacas sind wiederum was ganz anderes. Auf den Bauernmärkten von Algoz und Odiáxere dürfte man ebenfalls fündig werden.

Schnecken à la Algarve / Caracóis à Algarvia

Zutaten: 1 Liter Schnecken, Oregano, Poleiminze, Knoblauch, Lorbeer, Zitrone, Salz, Chili, ein Schnapsglas Medronho und Rosmarin

Zubereitung: Schnecken, die man selbst gesammelt hat, 7 Tage in einem Netz aushängen lassen. Im Supermarkt bekommt man sie meistens schon „kochbereit“ Gründlich waschen. Jeweils eine Handvoll Schnecken aneinander reiben. Ca. sieben Mal das Wasser wechseln und die Prozedur wiederholen. In einen Topf mit kaltem Wasser all die genannten Zutaten geben und bei niedriger Hitze erwärmen bis alle Schnecken aus ihrem Schneckenhaus raus sind, kurz aufkochen und dann wieder bei niedriger Temperatur ca. eine Stunde leicht köcheln lassen.

Saat-Platterbsen von Estoi / Chícharos de Estoi

Zutaten für 4 Personen: 1 Liter Chícharos, über nacht eingeweicht, 200 g Kartoffeln, 250 g Süßkartoffeln, 1⁄2 kg Kürbis, 1 Chouriço de sangue (Blutwurst), 1 Linguiça, 100 g Speck, 1⁄2 kg Schweinefleisch, 200 g Reis, Salz, Pfeffer, Rosmarin, Petersilie

Zubereitung: Das Fleisch mit Salz, Pfeffer und Rosmarin würzen und einziehen lassen. Dann mit der Chouriço de sangue und der Linguiça ca. 40 Min. kochen. Das Fleisch und die Würste herausnehmen und mit einer Schaumkelle die Brühe abschöpfen. Die Kartoffeln, Süßkartoffeln und den Kürbis in Würfel schneiden und mit den Chícharos in der Brühe kochen (ca. 30 Min.). Die Schalen der Chícharos, die sich beim Kochen lösen, abschöpfen, danach das Fleisch und die Würste wieder dazugeben, aufkochen und den Reis hinzufügen. Das Gericht sollte saftig bleiben, daher falls nötig Wasser dazugeben und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Zum Schluss mit gehackter Petersilie bestreuen.

Nusskuchen aus Milréu /Bolo de Nozes de Milréu

Zutaten für den Teig: 6 Eier, 125 g Margarine, 2 Tassen Zucker, 4 Tassen Mehl, 1 TL Backpulver, Schale einer Zitrone. Zutaten für die Creme: 2 Tassen Zucker, 2 Tassen warme Milch, 1 Tasse Walnüsse.

Zubereitung: Für die Creme den Zucker mit etwas Wasser bei niedriger Hitze goldbraun karamellisieren, danach die Milch und die Nüsse hinzugeben. Für den Teig schlägt man die Margarine mit dem Zucker auf, gibt die Dotter hinzu und lässt die Creme etwas stehen. Dann rührt man das aufgeschlagene Eiweiß dazu und zum Schluss das Mehl. Ca. 1 Std. backen lassen. Abschließend eine weitere Portion Creme machen und diese noch warm über den Kuchen gießen.

ESA 06/14

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