Der Oliven-Flüsterer

Detlef von Rosen von der Horta da Félix produziert die ,,Königin der Olivenöle” in einer Ölmühle aus dem römischen Reich
Ein leichter Südwind, vermischt mit der aromatischen Süße reifer Clementinen, Bitterorangen und Limonen streicht durch die alten knorrigen Olivenbäume, die hier seit über 2.000 Jahren wachsen. Einige davon stehen im ,,Garten des Glücks”, dem manifestierten Traum des estnischen Grandseigneurs Detlev von Rosen, der mit seiner Familie seit über 40 Jahren an der Ostalgarve lebt und sich auf die Herstellung hochwertiger Olivenöle spezialisiert hat. Auf seinem 20 Hektar großen Anwesen, der Horta do Félix nahe Moncarapacho, wachsen mehr als 5.700 Olivenbäume. Wir stehen vor seiner liebevoll renovierten römischen Ölmühle. ,,Ceterum censeo Carthaginem esse delendam ­ sagt Ihnen das etwas”, fragt mich der honorige alte Herr. Ich nicke. ,,Cato, der Ältere, der jede seiner Reden vor dem römischen Senat mit den Worten schloss, ,,und im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss.” ,,Richtig. Und dieser Marcus Porcius Cato schrieb 150 Jahre vor Christus das Buch De agri cultura, das älteste erhaltene Lehrbuch der Landwirtschaft, in dem er unter anderem genau beschreibt, wie man das olivetum, die Olivenpflanzung anlegen soll. Und genau das haben wir gemacht. Vor zwölf Jahren ließ ich die Orangenbäume entfernen und durch Olivenbäumchen ersetzen. Mittlerweile produziert unser Olivenhain fast 10.000 Liter Öl bester Qualität. Kalt gepresst, wohlgemerkt. Wir dürften die einzige Ölmühle in der Algarve sein, die traditionelle Olivenkultur mit modernster Technik verbindet. Aber bevor ich Sie mit dem Herstellungsverfahren langweile, sollten wir ein bisschen unseren Gaumen schmeicheln.” Von der antiken Lagerhalle sind noch drei Torbogen erhalten, die restlichen Gebäudeteile wurden nach alten Plänen restauriert 22 bzw. nachgebaut. Doch noch immer verspürt man hier auf diesem historischen Boden einen Hauch des Imperium Romanum, des römischen Reiches. Auf einem langen Holztisch leuchtet goldgelb und klar die Premium-Klasse: Monterosa Olivenöl Extra Nativ, abgefüllt in elegante schlanke Glasflaschen. ,,Farblich gibt es keine Unterschiede, geschmacklich allerdings einige.” Detlef von Rosen füllt den Boden zweier tulpenförmiger Cherrygläser mit goldgelbem Olivenöl. Anders als bei der Degustation von Wein wird das Glas von einer Hand umschlossen, mit der anderen abgedeckt, bevor man nach wenigen Minuten seine Nase tief hineinsteckt und die unterschiedlichen Aromen einsaugt. Erst dann schlürft man ein Schlückchen Öl und lässt es in die Mundhöhle sickern. Von den vier probierten Sorten Mançanilha, Cobrançosa, Verdeal und Picual schmeckte jede unterschiedlich. Die Geschmackseindrücke variierten dabei zwischen fruchtig, grasig, nussig, frisch, bitter, obstig, süß, pinienkernartig und vegetabil. Neutralisiert wird zwischendurch mit einer Prise Flor de Sal aus den Salinen der Ria Formosa. ,,Etwas Olivenöl auf frischem Bauernbrot, leicht gewürzt mit Knoblauchabrieb oder Flor de Sal, dazu ein Gläschen Alvarinho aus Galizien. Genuss kann so simpel sein.” In der Tat. Und dann referiert Detlef von Rosen über seine Oliven, die im Oktober/November von Hand gepflückt und nicht vom Baum geschlagen werden. Von dort geht es direkt zur Presse, wo wuchtige Granitsteine sie zermahlen. Vier bis fünf Monate brauchten die Römer mit ihrer klassischen Methode bis sich das Wasser vom Öl extrahierte; die moderne Zentrifuge schafft es in Minutenschnelle und pumpt anschließend das Öl in riesige Edelstahltanks, wo es bis zum Frühling lagert, bevor es gefiltert und in Flaschen abgefüllt wird. Doch erst wenn das staatliche Labor in Lissabon die Proben eingehend analysiert hat, geht das Olivenöl mit dem Prädikat ,,Azeite Virgem Extra” in den Handel. Das Monterosa Olivenöl Nativ Extra wird nur in der kleinen Halbliterflasche angeboten. Und das hat seinen Grund. Olivenöle sind extrem empfindlich gegen Sauerstoff und Licht, und sollten deshalb dunkel und in geschlossenen Behältern gelagert werden. Ungeöffnet hält sich das Öl zwei Jahre. Sobald die Flasche geöffnet wird, sollte man das Öl möglichst innerhalb weniger Wochen konsumieren, bevor es an Qualität verliert oder im schlimmsten Fall ranzig wird. Dann würde es nur noch als Lampenöl taugen. ,,Im Sommer 2009 hat uns Silvia Renate, Königin von Schweden, besucht, als sie mit ihrer Familie den Urlaub in der Algarve verbrachte. Es erfüllt mich mit Stolz, sie seitdem als Kundin zu haben. Doch auch ihre Königliche Hoheit zahlt den gleichen Preis ( 12,50 plus IVA) wie alle anderen Käufer, egal ob Gourmet-Koch, Tourist, Golfer, Wanderer oder einer der vielen Connaisseure rund um den Globus. Wir verkaufen selbst nach Australien, USA, China und in den Mittleren Osten. Mein Ziel ist es, eines Tages das beste Olivenöl der Welt herzustellen.”

 

 

Horta do Félix 8700-906 Moncarapacho Tel.: +351 289 790 440 contact@algarveolive.com Führungen & Degustation durch die Plantage nach telefonischer Vereinbarung
Bernd Keiner

ESA 02/11

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