SPEZIALITÄTEN

Die Quinta dos Avós bei Algoz bietet ein reiches Kalorien- und Kultur-Angebot an. Das Museum der Quinta beherbergt zudem einen außergewöhnlichen Schatz, der sonst nirgendwo zu sehen ist das erste, das mir beim Betreten des Tee-Salons der Quinta dos Avós auffällt, ist, wie ruhig es ist.

 

Hier hängt kein Fernseher an der Wand, der mit maximaler Lautstärke über das Unheil des Landes berichtet, eine Telenovela oder ein Fußballspiel zeigt. Und weder von hinter der Theke noch von der Küche kommen Geräusche, kein Geschirrgeklapper. Die gemütliche Atmosphäre lädt zum Ausruhen ein. Vor allem aber lädt der unvermeidliche Blick auf die Vitrinen zur Verkostung der hier angebotenen hausgemachten Produkte ein. Nuno Gonçalves begrüßt mich freundlich. Er macht einen sehr ruhigen Eindruck und spricht sehr leise. Passt alles zusammen, denke ich mir. Dann erzählt er mir mit ernster Miene wie es dazu kam, dass aus dem ehemaligen Landgut seiner Großeltern das heutige Lokal wurde. Nachdem seine Mutter, Maria da Encarnação, ihren Job als Landarbeiterin verlor, brachte ihr eine Cousine die Kunst der regionalen Mandel- und Eier-Süßbäckerei bei, um das nun magere Einkommen der Familie etwas zu stärken. Ihr Arbeitsplatz war damals die eigene Küche. Zuerst verkaufte sie ihre Ware nur an die Nachbarn, dann auch an Cafés der Umgebung. Vor allem erhielt sie Bestellungen für Hochzeiten und Taufen, auf denen die so genannten Bolos Finos nicht fehlen dürfen. Die Qualität ihrer Gebäcke sprach sich herum, der Kundenstamm wuchs und die Küche wurde zu klein. In einem Teil der alten Quinta wurden eine Backstube und ein Verkaufsraum eingerichtet. Später wurden auch der Schuppen sowie der Kuh- und der Schweinestall umgebaut. ,,Ein Pech im Leben führte zum großen Glück”, fasst Nuno lächelnd zusammen. ,,Aber oft ist die Arbeit hier genau so hart und erschöpfend wie auf den Feldern”, höre ich hinter mir. Die Stimme gehört der Fee, deren Hände all diese Produkte herstellen. Die Seele und das Blut pumpende Herz der Quinta dos Avós steht vor mir und ich erkenne sofort, dass Dona Encarnação zu der Sorte Frauen gehört, denen nichts die Lebensfreude nehmen kann. ,,Wir haben nicht nur die Räumlichkeiten erweitert, sondern auch das Angebot”, erklärt sie mir. Neben den typisch regionalen Bolos Finos werden u.a. auch die Doces Conventuais, die vor allem aus Eigelb und Zucker bestehen und früher in den Klostern gemacht wurden, angeboten, sowie Johannisbrot-, Feigen- und Orangen-Kuchen, Feigen und Mandel-Sterne, Konfitüren, Tees, Liköre und Schnäpse. Interessant sind auch das Alfarroba- und Orangen-Brot. Dona Encarnação benutzt fast ausschließlich Produkte vom eigenen Landgut. Die Liköre und Schnäpse werden nicht von ihr gebrannt, aber sie liefert die dafür nötigen Früchte. Im Handumdrehen hat sie auch schon einen der Tische gedeckt und fordert mich dazu auf, die Leckereien zu probieren. Dazu gibt es den Quinta dos Avós-Tee, einen der 17 zur Wahl stehenden Tees, der eine Mischung aus Zitronenstrauch, Kamille, Polei-Minze und Salbei ist. Nachdem wir dieses ausgiebige und leckere Frühstück zu uns genommen haben, besichtige ich den Rest der Anlage. Dabei begleitet mich José Gonçalves. Der bislang zurückhaltende Mann blüht nun richtig auf, als er sieht wie erstaunt ich beim Anblick des Museums bin. Ich hatte eine kleine Sammlung alter Alltagsgegenstände erwartet, doch vor mir stehen sieben liebevoll restaurierte und bunt bemalte Tierkarren. Kein staatliches Museum besitzt eine solche Sammlung. ,,Oft leihe ich sie TV-Produzenten und auch den Rathäusern für historische Umzüge”, sagt José stolz während er mich durch das Museum führt, die Namen der Karren nennt und mir erklärt, für was jede eingesetzt wurde. Dann zeigt er mir auch alte Fahrräder und Geräte aus der Landarbeit. An einer Ecke steht ein Schrank und eine Theke mit einer alten Waage, die einen Laden darstellen, wie sie heute nur noch in kleinen Dörfern der Serra gesehen werden können. Einziger Unterschied ist, dass hier die Regale durch fast schon historische Flaschen und andere Alltagsprodukte gefüllt sind, während in den heutigen Tante-Emma-Läden die gleichen Produkte vorzufinden sind, wie in den Supermärkten. Für alle Gegenstände hat José eine Geschichte und ein Gedicht parat. Wenig später verlasse ich die Quinta dos Avós mit der Sicherheit, bald wieder vorbei zu schauen und nicht ohne mich von den beiden Eseln zu verabschieden. Nuno rät mir noch, nicht samstags zwischen 16.30 Uhr und 18 Uhr zu kommen, denn da herrsche immer reger Betrieb.

 
Anabela Gaspar

Zum Tee bei Oma
Quinta dos Avós
8365 – 083 Algoz GPS: N 37,155704° – O 8,285900° Geöffnet: Mi – Mo 14 h – 20 h

Museum Geöffnet: Sa 14 h – 20 h

Tel.: 282 576 459 quintadosavos@hotmail.com www.quintadosavos.pt

ESA 01/11

15

Share.

Comments are closed.