Darmkrebs ist heilbar

Der Fall einer 60-jährigen Portugiesin mit Verdacht auf Darmkrebs, die zwei Jahre im öffentlichen Gesundheitssystem auf eine Koloskopie warten musste und nun ihre Ängste bestätigt sah, führte zu Empörung im ganzen Land und brachte das Thema Früherkennung von Darmkrebs in Portugal in die Debatte. In Deutschland sind solche Programme bereits seit 1978 in Kraft

Die Erkrankung in Dickdarm und Mastdarm entwickelt sich unbemerkt und schleichend ohne warnende Frühsymptome. Etwa 6 % aller Menschen in Deutschland erkranken im Laufe ihres Lebens an Darmkrebs. Nach Brustkrebs bei Frauen und Prostatakrebs bei Männern, ist Darmkrebs die zweithäufigste Tumorerkrankung und auch die zweithäufigste tumorbedingte Todesursache. Da es keine frühen Hinweiszeichen für eine Tumorbildung des Dick- und Mastdarmes gibt (Blut im Stuhl, Bauchschmerzen, Verstopfung sind Spätsymptome) gingen die Überlegungen dahin, die Darmtumorerkrankung in einem frühen Stadium zu entdecken, damit operativ bessere Heilungsraten resultieren. Daher wurde 1978 erstmals in Deutschland ein Früherkennungsprogramm zum Nachweis von okkultem Blut im Stuhl bei Menschen über 50 Jahren – Krebshäufigkeit nimmt mit dem Alter zu – auf der Basis eines unspezifischen Stuhl-Test-Systems etabliert (Haemoccult®). Dies führte zu einer Tumor-Erkennung in einem früheren Stadium, zu einer höheren Überlebensrate der operierten Patienten und einer Verringerung der Sterblichkeit an Darmkrebs um 15 – 30 %. Die Haemoccult®-Testung hatte aber etwa bei 1/3 der getesteten Personen ein negatives Ergebnis obwohl diese an Darmkrebs erkrankt waren. Daher wurden spezifische, gegen menschliches Hämoglobin (Blutfarbstoff) gerichtete Stuhl-Testsysteme (Immun-Tests) mit höherer Empfindlichkeit und damit besserem Blutungs-Nachweis aus Tumoren entwickelt. Offensichtlich bluten aber nicht alle Darmtumoren und auch Darmpolypen, die in zirka 90 % die Vorstufen von Darmtumoren sind, bluten nur gering und oder unregelmäßig, so dass die immunologische Testung auf verstecktes Blut im Stuhl zwar ein besseres und teureres Testsystem ist als die unspezifische Haemoccult®-Testung, dennoch werden aber nicht alle Tumor-Erkrankten und nur ein (nicht ausreichend großer) Teil der Tumorvorläufer (Polypen) entdeckt. Im Oktober 2002 wurde daher durch die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland ein Früherkennungsprogramm etabliert, welches jedem Mitglied ab dem 50. Lebensjahr eine jährliche Testung auf okkultes Blut im Stuhl anbietet. Ab dem 55. Lebensjahr haben die Versicherten in Deutschland und Österreich Anspruch auf eine Vorsorge-Koloskopie zur Früherkennung von Darmkrebs. Im Rahmen dieser Untersuchung werden dann auch Polypen endoskopisch entfernt und somit das künftige Risiko für die Entwicklung eines Darmkrebses reduziert. Nach Polypen-Entfernung soll eine Koloskopie je nach feingeweblichem Befund (Histologie) 1 bis 3 Jahre später erfolgen. Eine erneute Darmspiegelung wird nach unauffälliger Untersuchung erst nach 10 Jahren wieder durch die Krankenkasse bezahlt. (Deutsche und portugiesische und andere) Privatversicherungen übernehmen die anfallenden Kosten komplett, gesetzliche deutsche Krankenversicherungen erstatten nach Absprache die im EU-Ausland anfallenden Kosten teilweise. Solch ein Krebsfrüherkennungsprogramm wird durch das portugiesische Gesundheitssystem bisher nicht unterstützt. Es liefen lediglich Pilotprojekte in Lissabon, im Zentrum und im Alentejo. Nun soll im Laufe des Jahres eine Aufhebung (?) der vorhandenen und der notwendigen Mittel zur Früherkennung von Darmkrebs des öffentlichen Gesundheitssystem ausgearbeitet werden, um ein landesweites Früherkennungsprogramm einzuführen. Die Ergebnisse dieser mittels Koloskopie durchgeführten Krebsfrüherkennungs-Progamme in Deutschland lassen sich sehen: es wurden bei den zirka 5 Mio. koloskopischen Untersuchungen bei Kassenpatienten in den letzten 10 Jahren bei 50.000 Menschen (1 %) Karzinome entdeckt. Nach der Operation zeigte sich, dass diese in über 70 % heilbare Frühstadien aufwiesen (während nur 30 % der nicht präventiv untersuchten Personen diese günstigen Heilungschance hatten). Darüberhinaus wurden in 8 % der Untersuchungen (400.000 Patienten) fortgeschrittene Adenome (Polypen) entdeckt und entfernt. Hierdurch wird langfristig eine nachhaltige Verringerung der Darm-Krebshäufigkeit zu erwarten sein. Epidemiologische Daten aus den deutschen Krebsregistern zeigen bereits eine jährlich gering sinkende Sterblichkeit infolge Darmkrebs, obwohl infolge der zunehmend älter werdenden Bevölkerung eine Steigerung zu erwarten wäre. Die Ergebnisse der Vorsorge-Koloskopie sind hervorragend, die Teilnahmerate (30 – 40 % der anspruchsberechtigten Personen binnen 10 Jahren) ist jedoch noch nicht zufriedenstellend. Daher: Die Teilnahme am besten Krebs-Früherkennungsprogramm ist wichtig.

Priv. Doz. Dr. Peter Herzog

ESA 02/14

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