Bio-Aufwärtstrend

Bio-Produkte stehen bei den Verbrauchern hoch im Kurs. Auch in der Algarve nimmt die Anzahl der Menschen, die sich gesund und umweltbewusst ernähren wollen, stets zu. Leider deckt das Angebot nicht die Nachfrage

Fast jeder Supermarkt hat inzwischen seine Bio-Abteilung, in den Städten eröffnen immer mehr schicke Shops, die ausschließlich Ökoprodukte anbieten, hier und da finden regelmäßig Bio-Märkte statt. Laut Jaime Ferreira vom portugiesischen Bio-Landwirtschaftsverein Agrobio hat auch in der Algarve das Angebot zugenommen. „In der Algarve gab es bereits in den 80ern Bio-Bauern“, so Ferreira, „Die Nachfrage war jedoch nicht groß, die Einnahmen gering und Viele gaben auf. Derzeit nimmt die Anzahl der Bio-Landwirte wieder zu, aber das Angebot deckt noch nicht die Nachfrage“. Immerhin werden regelmäßig zwei Bio-Märkte veranstaltet. Die Verbraucher haben somit die Möglichkeit, eine große Vielfalt an frischen, biologischen Saisonprodukten direkt vom Bauern zu günstigen Preisen zu kaufen. Fátima Torres ist stets dabei. Die ehemalige Steuerberaterin übernahm das Landgut der Eltern in Sargaçal nahe Lagos vor sechs Jahren. Sie nannte es Quinta das Seis Marias, da ihre vier Schwestern und ihre Mutter, wie sie, Maria heißen. „Mein Vater sagte immer, dass es die Quinta seiner Marias sei“, erzählt Maria de Fátima lächelnd. Ihr Vater benutzte weder Pestizide noch Herbizide. „Aber er benutzte Kunstdünger. Ich wolle jegliche chemische Mittel vermeiden. Meine Produktion sollte 100 Prozent gesund und nachhaltig sein“, sagt die dynamische 40-jährige, die beim Einkaufen schon immer lokale und biologische Produkte bevorzugte. Die Arbeit auf dem Acker war ihr nicht fremd. „Ab meinem 14. Lebensjahr verbrachte ich die Sommerferien stets bei meinen Großeltern nahe Aveiro und half ihnen auf dem Landgut“. Aber um ihren eigenen Biohof zu führen, belegte sie vier Kurse bei Agrobio.  „Für die Konversion der Quinta, also dem Übergang vom konventionellen Anbau zum biologischen, habe ich drei Jahre gewartet“, erklärt sie. Seit 2010 sind die Erzeugnisse der Quinta das Seis Marias als Bio-Produkte zertifiziert. Auf dem sechs Hektar großen Grundstück werden zirka 90 Obst- und Gemüsesorten angebaut. Unter freiem Himmel und in Gewächshäusern, die einen Hektar einnehmen. Vielfalt ist Fátima sehr wichtig. Sie will ihren Kunden zu jeder Jahreszeit ein breites Angebot bieten können. Ihr Ziel ist es, autark zu sein, denn derzeit muss sie noch bei einem anderen Biobauern Kartoffeln und Karotten zukaufen, um der Nachfrage ihrer Kunden, zu denen viele Bio-Läden und die Waldorf-Schule gehören, nachkommen zu können. In naher Zukunft will sie auch den Bio-Anbau von Kiwis, Äpfeln und Birnen auf einem Landgut der Familie nahe Aveiro starten.

Sind Bio-Erzeugnisse gesünder? Enthalten sie mehr Pflanzenstoffe, Ballaststoffe und Vitamine? „Da Biobauern mit Tiermist düngen und immer wieder unterschiedliche Pflanzen anbauen, werden dem Boden nicht einseitig Nährstoffe entzogen. Dadurch bleibt er auf natürliche Weise fruchtbar. Zudem kommen keine chemischen Mittel zum Einsatz. Diese Anbauweise wirkt sich auf die Qualität von Obst und Gemüse aus“, erklärt sie und fügt gut gelaunt hinzu „Mir ist es egal, ob sie mehr Vitamine enthalten. Es reicht mir zu wissen, dass meine Nahrung keine Spuren von Pestiziden und Herbiziden enthält! Daher sage ich meinen Kunden immer: Bei mir bekommen Sie ihr Obst und Gemüse für dasselbe Geld aber ohne chemische Zusatzstoffe.“
Aber Bio-Produkte sind meistens teurer. „Direkt beim Bauern beträgt der Preisunterschied um die 20 Prozent, ein minimaler Unterschied, der sich leicht mit dem Extraaufwand des biologischen Anbaus erklären lässt“, meint Fátima. Wie es zu den Preisen in den Supermärkten kommt, kann sie nicht nachvollziehen. „Ich verkaufe mein Porree für 1,50 Euro das Kilo, im Supermarkt habe ich heute Bio-Porree für 6,50 Euro gesehen. Ist es wegen dem Transport? Dem Zwischenhändler? Ich habe keine Ahnung.“ Bei ihr können 6 kg schwere Körbe für 10 Euro erworben werden, also 1,66 Euro das Kilo. Die Körbe enthalten Gemüse für Suppen, für Salat und Obst. Sie fordert Verbraucher dazu auf, dieselbe Menge Obst und Gemüse im Supermarkt zu kaufen und ihr zu sagen, wie viel es gekostet hat. Sie verstehe auch nicht, welche versteckten Interessen dazu führen, dass Supermärkte aus Bio-Produkten Luxus-Produkte machen wollen. Daher rate ich den Leuten immer, direkt zum Bauern oder zu Bio-Märkten zu gehen.“ Auch ärgert sie sich darüber, dass Bio-Landwirte stets einer strengen Kontrolle unterliegen und Buch über alle durchgeführten Maßnahmen führen müssen, während „diejenigen, die den Boden vergiften nach Lust und Laune handeln können“. Die Bürokratie lege einen großen Stein ii den Weg von neuen Bio-Bauern und das sei der Grund weshalb es nicht mehr gibt.

Fátima freut sich darüber, dass immer mehr Menschen in der Algarve sich für eine gesunde und umweltbewusste Ernährung entscheiden – und es ist nicht die ehemalige Steuerberaterin, die sich über die Verkaufszahlen freut, sondern die umweltbewusste Frau, die von Agrobio wegen ihrer geleisteten Arbeit zur Repräsentantin des Vereins in der Algarve ernannt wurde.

Quinta das Seis Marias
Sargaçal, Lagos
Kontakt: Fátima Torres Mob: 916 704 894

Die Erzeugnisse der Quinta das Seis Marias können D.o u. Fr. direkt auf dem Landgut gekauft werden sowie auf Bio-Märkten oder auf dem Bauernmarkt
in Lagos (jeden Sa.).

Bio-Märkte
Sa. Portimão, Agrobio-Markt: Jardim 1º de Dezembro, 9 h – 14 h
Letzter Sa. des Monats, Faro: Jardim Alameda João de Deus, 15 h – 18 h

Bio-Läden
Mercearia Bio, (online Shop) www.merceariabio.pt, Tel.: 282 476 686
Beterraba, Tavira, www.beterraba-tavira.com, Mob.: 966 479 261
Horta Formosa, Tavira; Moncarapacho, http://hortaformosatavira.com, Mob.: 962 834 679
Herança Cultural, Rogil, http://herancarural.com, Mob.: 926 844 651, (liefert So. u. Mo. Körbe)
Quinta da Fornalha (ESA 4/11), São Bartolomeu do Sul/Castro Marim, www.quinta-da-fornalha.com, auch online Shop: www.loja.quinta-da-fornalha.com, Mob.: 917 107 147

Anabela Gaspar
ESA 10/13

 

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