Onkologie-Verein der Algarve

Krebs: Vorsorge und Therapie

Der gemeinnützige Onkologie-Verein der Algarve bietet in der Region die Krebs-Vorsorgeuntersuchungen und Behandlungstherapien an, die eigentlich der Staat sichern sollte. Bei einem Gespräch mit dem Gründer und Vorsitzenden des Vereins, Dr. med. Santos Pereira, erfuhr ESA-Redakteurin Anabela Gaspar mehr über die Aktivität des Vereins und dessen Pläne die Zukunft

Bei Einführung der Brustvorsorge-Untersuchung 1990 im Distriktkrankenhaus in Faro, war Dr. med. Santos Pereira der Meinung, dass auch die Notwendigkeit besteht über Krebs, dessen Vorbeugungs- und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren. Vor allem darüber, dass Krebs kein unabwendbares Schicksal sein muss. ,,Heutzutage sind die Überlebenschancen immer größer. Doch dafür muss man über diese Krankheit sprechen. Die Frühdiagnostik ist sehr wichtig”, so Dr. Santos Pereira. Deshalb wurde im Juli 1994 die Associação Oncológica do Algarve (AOA) gegründet, die anfangs nur über Brustkrebs aufklärte. Nach und nach kamen weitere Krebsarten dazu. Mit Vorsorgeuntersuchungen und Therapien erweitere der Verein sein Arbeitsfeld. Derzeit bietet die AOA Krebskranken und deren Familien psychologische Unterstützung, bei Bedarf auch psychiatrische; Lach-Therapie; Haar- und Brust-Prothesen, sowie spezielle BHs an. Zudem ermöglichen Vereinbarungen mit Yoga- und Spa-Zentren, Schwimmbädern und anderen Einrichtungen, dass die Mitglieder des Vereins und Krebskranke dort Rabatte bekommen. Ziel ist es, die Lebensqualität der Krebskranken zu steigern. Die AOA organisiert weiters Informations- und Sensibilisierungsaktionen in Schulen und anderen Einrichtungen. Sehr stolz ist die AOA auf die mobile Mammographie- und die Strahlentherapie-Einrichtung. ,,Die Vorsorgeuntersuchungen sind wie gesagt sehr wichtig”, erkl? der Vorsitzende, ,,doch leider hatten viele Frauen in der Algarve nicht die Möglichkeit, dafür nach Faro zu fahren”. Deshalb bewarb sich die AOA um einen Fonds für den Kauf eines digitalen Mammographiegerätes und sammelte die restlichen 50 % des benötigten Betrags durch Spenden und Aktionen wie den Mamamaratona ein. Im September 2005 konnte das Gerät gekauft werden. Die mobile Einrichtung bereiste schon zum zweiten Mal die gesamte Region und bot Frauen zwischen 50 und 67 Jahren kostenlos eine Mammographie an. Im Mai wird in Alcoutim die dritte Phase beginnen, in der Frauen bis 69 Jahre untersucht werden sollen. In der Strahlentherapie-Einrichtung in Faro werden Kranke aus dem öffentlichen Gesundheitssystem behandelt, welche die Krankenhäuser von Faro und Portimão zuweisen, wie auch Privatversicherte. Um dort behandelt werden zu können, ist lediglich die ärztliche Bestätigung nötig. ,,Die Radiotherapie-Einrichtung wurde gebaut, um eine Ungerechtigkeit den Bewohnern der Algarve gegenüber zu beseitigen”, so Dr. Santos Pereira. ,,Als sie im Juni 2006 eingeweiht wurde, war sie die einzige südlich von Lissabon”. Sowohl dieses Projekt als auch das der Mammographie seien nicht ins Leben gerufen worden, mit der Absicht den Staat zu ersetzen. Da der Staat die Vorbeugeuntersuchungen in der Region jedoch nicht sicherte, beschloss die AOA, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Bei der Strahlentherapie, die eine wichtige Krebs-Behandlungsmethode ist, war es die gleiche Überlegung. Viele Krebsarten können allein durch Bestrahlung bekämpft werden. Wieso sollte es also nicht Radiotherapie an der Algarve geben? Vor allem weil Portugal zu den Ländern mit der höchsten Krebs-Sterberate gehört und die Algarve im Land die meisten Fälle aufweist. ,,Also kämpften wir, bis wir die Einrichtung hatten. Wenn wir mehr Gelder zur Verfügung hätten, würden wir noch mehr machen. An Ideen fehlt es uns nicht”, fügt Dr. Santos Pereira lustig dazu. Für  Maria José Nicolau, Psychologin und Mitglied des Verwaltungsrates der AOA, ist auch die Nähe ein wichtiger Faktor in der Behandlung von Krebskranken. ,,Sie sind bereits geschwächt und eine Reise nach Lissabon ist dann noch anstrengender. Zudem kann die Anwesenheit der Familie und das Zuhause auch sehr wichtig für den Heilungsprozess sein”. Die Regierung plant derzeit eine landesweite Reform der staatlichen Krebsbehandlungszentren, die vorsieht, dass alle Einrichtungen, die weniger als 250 Kranke im Jahr behandeln, gesperrt werden. Die Einrichtung der AOA in Faro ist nicht staatlich und kann deshalb nicht ohne weiteres gesperrt werden. Wenn es von der Anzahl der Behandlungen abhinge, auch nicht, da im Monat 2.000 Behandlungen vorgenommen werden. Dr. Santos Pereira befürchtet jedoch, dass sie nicht allzu lange in Betrieb bleiben könnte. Es seien andere Interessen im Spiel, behauptet er. Der Staat hätte natürlich Interesse, die eigenen Institutionen maximal auszulasten. ,,Wenn sie die Patienten des nationalen Gesundheitssystem zur Behandlung nicht mehr zu uns schicken, werden wir schließen müssen”. Trotzdem kämpft der Verein weiter und plant sogar einen zweiten Strahlentherapie-Raum in der bestehenden Einrichtung. Von der EU haben sie bereits die Zusage für weitere Geldmittel bekommen. Laut EU-Angaben sollte der Ratio von fünf bis sechs Einrichtungen pro eine Million Einwohner sein. Die Algarve hat ca. 500.000, müsste also mindestens zwei Einrichtungen haben, erklärt Dr. Santos Pereira, ,,deshalb werden wir die zweite bauen, egal wie”. Ein weiteres Projekt der AOA ist die Casa Flor das Dunas, eine Residenz für Krebskranke, die in Behandlung einer Radiotherapie sind und weiter weg von Faro wohnen. Vor allem Senioren aus dem Hinterland der Region würden sich oft nicht der nötigen Behandlung unterziehen, weil sie nicht in Faro übernachten können und die täglichen Fahrten anstrengend und teuer sind, so Dr. Maria José. Die Residenz soll direkt neben das Radiotherapie-Zentrums gebaut werden. Das Rathaus trat bereits das Grundstück ab. Nun sammelt der gemeinnützige Onkologie-Verein der Algarve weitere Spenden für den Kauf des zweiten Bestrahlungsgerätes.

Mitgliedschaft
Nationale oder ausländische Personen und Firmen können Mitglied werden.
Die Mitgliedsgebühr beträgt Euro 12 im Jahr.
Kontakte Associação Oncológica do Algarve
Lg. das Mouras Velhas, 16
8000-139 Faro
Mo – Fr, 10 h – 12.30 h, 14.30 h – 18.30 h
Tel.: 289 807 531
Fax: 289 090 436
associacao_oncologica@ sapo.pt

Anabela Gaspar
ESA 03/10

 

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