Gesundheitswesen

Sonne, Strand und Klinik

Die Algarve soll als Ziel für Gesundheits-, Heil- und Wellnesszwecke populär werden

Krankenhäuser und Ärzte werden in ihrer Verfügbarkeit und der Qualität der medizinischen und technischen Ausbildung und Ausrüstung oft als Gradmesser für Lebensqualität gewertet. Die Algarve bemüht sich seit Langem um das Image einer Region, in der auch Hilfsbedürftige sich gut aufgehoben fühlen; zuletzt hatten private Initiativen Schlagzeilen gemacht (s. ESA 10/08). Die staatliche Administração Regional de Saúde do Algarve (ARS) begrüßt diese Pläne und ist dabei, sich in dieser Versorgungsoffensive selbst zu positionieren. Das geplante Hospital Central de Faro, das spätestens 2013 Patienten aufnehmen soll, werde mehr Fachleute aus Medizinberufen in die Algarve bringen. Mit 550 Betten, 10 OP- und 10 Kreissälen, 49 Sprechzimmern für nicht stationäre Behandlungen, einer Tagesklinik mit 43 Betten, strahlentherapeutischen, psychiatrischen und Hämodialyse-Einrichtungen, sichere es nicht nur ,,die medizinische Spitzenversorgung der Bevölkerung”, sagt ARS-Präsident Rui Lourenço. Auch ,,Forschung und Lehre für die Versorgung kommender Generationen und zukunftssichere Arbeitsplätze seien 32 gewährleistet. Dazu soll in Zukunft auch eine Medizinische Fakultät an der AlgarveUniversität beitragen, die sich international an Dozenten und Studenten wendet. ARS-Präsident Rui Lourenço hält das für dringend nötig, denn ,,die meisten Mediziner sind über 50 Jahre alt und sehen der Rente entgegen”. Außerdem liegt die Algarve mit 4,3 Krankenpflegern pro 1.000 Einwohner unter dem Landesdurchschnitt von 5,1 und das, obwohl die Region im landesweiten Vergleich mit Krankenbetten überdurchschnittlich versorgt ist. Es gebe keinen ,,Wettstreit zwischen privaten Gesundheitsdienstleistern und dem öffentlichen Gesundheitswesen (Serviço Nacional de Saúde)”; beide sollen sich ergänzen und alle Gruppen der Gesellschaft bedienen. Doch die privaten Gesundheitsdienstleister, die mit ihrem Angebot formal die Zahl der privaten Klinikbetten bis 2013 verdreifachen wollen, wenden sich zunächst an ein zahlungskräftiges Publikum mit nahezu einem Dutzend kleiner Kliniken, die speziell auf die Bedürfnisse von Urlaubern zugeschnitten sind: die Algarve als Reiseziel für Gesundheits-, Heil- und Wellness-Tourismus. José Miguel Boquinhas, Chef der Grupo HPP Saúde mit Kliniken in Lagos und Faro hat errechnet, dass diese Zielgruppe einen Marktwert von jährlich 15 Millionen Euro bedeute. Folglich sind die touristisch weithin bekannten Kreise Faro, Albufeira und Portimão bevorzugte Orte für MedizinUnternehmer. In Albufeira baut das Unternehmen Trofa Saúde an einer 50-Betten-Klinik und plant eine weitere in der doppelten Größe für Ferreiras. In der Algarvehauptstadt beginnt bald der Bau eines 60-Betten-Krankenhauses der Grupo Mello Saúde mitten im Geschäftsviertel Vale da Amoreira. Noch in diesem Sommer soll eine neue Einrichtung des Grupo Hospital Particular do Algarve, die seit 13 Jahren das Privatkrankenhaus in Alvor betreibt, mit knapp hundert Betten, meist in Einzelzimmern und Suiten, Notaufnahme, Intensivstation und modernster Diagnosetechnik eröffnen. Die Grupo Lenitudes sagt der üblichen Krankenhausatmosphäre Adeus. Ihr Präsident Francisco Murteira Nabo, Ökonom und bis 2002 als Chef der Telecom erfolgreich im Umgang mit deren Privatisierung, plant in Portimão Komfort-Wohnanlagen (residências assistidas) zur medizinischen Betreuung und Versorgung in heimischer Umgebung. Der Reiseunternehmer Portimar hakte ein und will Reisen für potenzielle Urlaubs-Patienten individuell gestalten. Mit kosmetischer Chirurgie und Sportmedizin als Stützpfeilern werden auch Residenten oder Langzeitbesucher angesprochen. Luís Carito, Arzt und stellvertretender Bürgermeister von Portimão, ist überzeugt, dass sich das Angebot nicht nur an zahlungskräftige Patienten richtet: ,,Jede Krankenversicherung der Welt ist bereit, Operationen und Reha-Maßnahmen dort durchzuführen, wo sie preiswert sind und in Portugal trifft das zu.” Carito scheint erhört, zumindest in Ostasien: Eine medizinische Servicefirma aus Südkorea teilte mit, dass sie auf einem Grundstück neben dem geplanten Hospital Central do Algarve im Parque das Cidades zwischen Faro und Loulé ein ,,Gesundheitshotel” bauen.
Henrietta Bilawer

ESA 01/09

 

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