Wakeboarding

Ein spritziges Vergnügen

Kristallklares Wasser, strahlender Sonnenschein und spiegelglattes Meer – wer bekommt da nicht Lust auf einen Ritt auf den Wellen. Eine neue Sportart findet in der Algarve beste Bedingungen vor

Es ist 10 Uhr morgens, als wir in der Marina von Lagos, wo unser heutiges Abenteuer beginnt, ankommen. Es herrscht schon reges Treiben im und um den Hafen. Rob Van Veen begrüßt uns vor dem Büro von Algarve Boat Rental. Das Unternehmen, das seit acht Jahren besteht und als Club und Kitesurf-Verleih begann, wurde von dem gebürtigen Niederländer gegründet. Da Kitesurfen an windstillen Tagen nicht möglich ist, wechselte er kurz darauf zu Wakeboarding. Mächtig stolz erklärt Rob, dass er als einziger Anbieter in der Algarve über ein Motorboot der Marke Mastercraft X-25 verfügt, das ultimative Boot für diese Sportart. Es verfügt über ein Satelliten- sowie einem Balancesystem und zeigt Geschwindigkeit und Tiefe des Meeres an. Mich hat vor allem die Cruise Control beeindruckt, die, wie mir erklärt wird, besonders wichtig ist, da sie einen konstanten, gleichmäßigen Zug ermöglicht, sodass sich der Lehrer ganz auf die Schüler konzentrieren kann. Eine Besonderheit sind auch die Tanks unter dem Boot, die mit Wasser gefüllt werden, um das Boot tiefer ins Wasser zu legen. Dadurch werden beim Fahren größere Wellen verursacht, die sogenannten Wakes, die erfahrenere Boarder für Tricks nutzen können. Jay, ausgebildeter Wakeboard-Lehrer und unser heutiger Skipper, erklärt mir noch an Land die wichtigsten Schritte und was zu beachten ist. Da bekanntlich in der Theorie alles immer viel leichter aussieht als in der Praxis, warte ich erst einmal, ab bevor ich übermütig werde. Langsam fahren wir aus dem Hafen Richtung Meer hinaus, bevor es dann entlang der wunderschönen Felsenküste etwas zügiger weiter Richtung Praia do Porto de Mós geht. Die unzähligen Wassersportler, darunter viele Kayakfahrer und Stand-up Paddler, fallen uns sofort auf. „Hier gibt es einfach die besten Bedingungen für die meisten Wassersportarten, und es werden immer mehr!“, weiß Rob. Für Wakeboarden ist es am besten, wenn das Wasser spiegelglatt ist, deshalb empfiehlt sich vor allem der frühe Morgen. Gut gelaunt unterhalten wir uns mit der englischen Familie, die mit von der Partie ist. Obwohl das Boot eine Kapazität für zehn Personen hat, werden normalerweise Gruppen von sechs gebildet, damit man nicht so lange warten muss, denn jeder kann 20 Minuten fahren. Vor der herrlichen Kulisse des Strandes und den Felsen geht es dann los. Zuerst fahren zwei der Männer Wasserski und werden von allen angefeuert. Dann wird das Wakeboard ausgepackt. Ich lasse den Jungs den Vortritt, damit ich es mir erst einmal anschauen kann. Sie sind recht gut und ich werde langsam etwas nervös, da ich mich ungern blamieren will. Endlich bin ich an der Reihe. Etwas aufgeregt aber voller Vorfreude klettere ich auf den hinteren Teil des Bootes, streife mir die Schwimmweste über und binde mir die Stiefel zu. Schon bin ich im Wasser und halte mich mit ausgestreckten Armen am Griff fest, während das Boot langsam Fahrt aufnimmt. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Die Beine angewinkelt an den Körper gedrückt, gebe ich das Zeichen, dass ich bereit bin. „Werde ich stehen können?“ überlege ich noch, doch dann ein Ruck und ich falle ins Wasser. „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“, rede ich mir gut zu und versuch es gleich noch einmal. Und siehe da, ich stehe! Ganz kurz, aber immerhin; ich bin richtig stolz auf mich. Nach einigen Fehlversuchen und Tipps von Jay klappt es immer besser und es macht richtig Spaß. Mit rund 27 km/h brause ich über das Wasser. Es kommt mir jedoch viel schneller vor. Ein richtiger Adrenalinkick. Kein Wunder, dass diese Sportart seit acht Jahren „regelrecht boomt“, wie Rob später erklärt. Besonders gefällt mir, dass man Wakeboarden, obwohl es eher schwierig aussieht, relativ zügig lernen kann und sich die Fortschritte schnell bemerkbar machen. Rob bietet ebenfalls fünftägige Kurse an und verrät: „Natürlich hängt es von den individuellen Charakteren ab, aber die meisten, die am ersten Tag noch Schwierigkeiten beim Aufstehen haben, können am Ende sogar schon ein paar Tricks!“ Ich hätte mir also keine Gedanken machen müssen. Vor allem, weil ich eine Frau bin. Die lernen das nämlich oft schneller. „Hauptsächlich, weil sie uns besser zuhören“ schmunzelt Rob. Für ihn ist Wakeboarden „eine Kunst und Wissenschaft und nicht durch Muskelkraft erzwingbar“. Trotzdem stelle ich am nächsten Tag fest, dass es die 20 Minuten in sich hatten: Ich habe Muskelkater in den Armen und Beinen. Aber es hat sich gelohnt, denn es war ein angenehmer Ausflug in entspannter Atmosphäre, und das Wakeboarden machte sehr viel Spaß. Es war eine tolle Erfahrung, die wieder einmal bestätigt, dass die Algarve die perfekten Bedingungen für alle möglichen Sportarten und Freizeitgestaltungen bietet und den Sommerurlaub sicher nicht langweilig werden lässt.

Stefanie Wacek

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