Unterwasserwelten

Auf Tuchfühlung mit den Fischen

Brille auf die Nase, Schnorchel draufgesteckt, Flossen angezogen und hinein ins Nass. Das kristallklare Wasser um die Felsenküste der Algarve bietet perfekte Bedingungen für ein tolles Schnorchelerlebnis

Eingetaucht, die Augen weit geöffnet, das Wasser um sich spürend und sofort hat man den Eindruck, in einer anderen Welt zu sein. Um uns herum verstummt jeder Laut und die volle Aufmerksamkeit gehört der Unterwasserwelt. Ein Gefühl von innerer Ruhe und Gelassenheit kommt auf, kleine Fischschwärme schwimmen unter uns hinweg, die Arme der Seeanemonen bewegen sich im Rhythmus der Strömung und bunte, moosartige Pflanzen hauchen den kahlen Steinen Leben ein. Ein fantastischer Anblick.

Wir sind mit dem Team von Wild Watch Algarve aus Ferragudo unterwegs, das für seine Delfintouren (s. ESA 8/14) bekannt ist, aber auch Kajak- und Schnorcheltouren anbietet. Mit Badehose und Handtuch ausgestattet, treffen wir uns vor dem Büro des Unternehmens am Ende der Promenade von Ferragudo, bevor wir mit Pedro, unserem Skipper, und Victor, unserem Führer, zu den besten Schnorchelstellen im Raum Portimão fahren. An Bord sind nicht nur die Gäste, sondern natürlich auch die gesamte Schnorchel-Ausrüstung. Über der Bootskabine befinden sich noch einige Kajaks für die, die lieber an der Wasseroberfläche bleiben wollen, anstatt sich in die Fluten zu stürzen. Ganz langsam bewegen wir uns aus dem Flussdelta des Rio Arade in Richtung offenes Meer. Vorbei am Castelo São João in Ferragudo und an den Sonnenanbetern an der Praia da Rocha. Wir nehmen Kurs auf die Ponta João d’Arens, eine ins Meer ragende Felsformation westlich des Badestrandes Praia do Vau.
Während der knapp 15-minütigen Fahrt zu den bizarren Felsformationen gibt uns Victor passende Wetsuits, Flossen, Brillen und Schnorchel. Dann bringt uns Pedro in eine geschützte Lage zwischen den Felsen, bevor wir die Wetsuits und den Rest der Ausrüstung anlegen. Gerade der Wetsuit, welcher uns im kalten Wasser warmhalten soll, ist nicht leicht über die Haut zu ziehen. Auf einem kleinen Absatz mit Stufe hin zum Wasser setzen wir uns der Reihe nach hin. Schnell noch die „Flippers“ eng an den Fuß gebunden, die Brille leicht mit Meerwasser ausgespült, aufgesetzt und den Schnorchel zurechtgerückt, dann geht es ins Wasser. Sobald wir im Wasser sind, stellen wir erfreut fest, wie leichtfüßig wir uns doch mit diesen an Land klobigen Flossen unter Wasser bewegen können. Pedro springt als Letzter hinein. Er hat sich eine kleine, rote Boje umgebunden, die den an der Wasseroberfläche vorbeifahrenden Booten oder Jetskis unsere Lage kennzeichnet. Damit kann die Entdeckungstour starten. Pedro mahnt, wir sollen uns nicht zu weit von der Gruppe entfernen.

Die Unterwasserlandschaft, die wir vorfinden, lässt uns träumen. Unser Blick bleibt sofort an einem Felsvorsprung hängen, um den sich im wahrsten Sinne des Wortes das Leben tummelt. Einzelne größere Brassen schwimmen hier genauso gerne vorbei wie ein Schwarm kleiner, winzig schwarz-weiß gestreifter Doraden. Jungtiere von kleinen Makrelen folgen ihrem Weg durchs Wasser an uns vorbei. Bunte Wasserpflanzen, an die Steine und Felsen geheftet, geben ein tolles Bild ab. Dazwischen eingebettet kleine Seeigel, auf die man barfuß lieber nicht treten sollte. Muscheln sind überall auf dem Meeresboden verstreut, kleine Krebse und Krabben suchen Zuflucht in Felslöchern, andere lauern auf Beute. Lange rote Seegurken verharren auf dem Meeresgrund, daneben ein gelb schimmerndes Petermännchen. Blitzartig bahnt sich ein wohl von uns aufgescheuchter Tintenfisch einen Weg durchs Wasser.

Meerespflanzen und Algen wiegen sich im Wasser wie Bäume im Wind. Mal ist der Boden nur knapp fünfzig Zentimeter unter uns, sodass man die bewachsenen Steine ohne Anstrengung berühren kann. Dann wieder schweben wir über größere, sicherlich fünf Meter tiefe Kluften. Hier wird es dann auch schwieriger, jedes Detail zu erkennen. Doch sobald die kräftigen Sonnenstrahlen die dunklen Bereiche an den Felsen erhellen, ist klare Sicht garantiert. Eine wunderschöne Erfahrung.
Eine Stunde schnorcheln wir entlang der schroffen Gesteinsformationen. Kaum sind wir an Deck, pellen wir uns aus den hautengen Anzügen und hüllen uns, leicht zitternd, in unsere flauschigen Handtücher. Mit glücklichem Lächeln, das bei manchen zu breitem Grinsen verrutscht, machen wir uns wieder auf den Weg zurück. Zum Abschluss gibt es noch ein Gruppenfoto und Pedro und Victor setzten uns an der 
Promenade von Ferragudo ab.
Text: Kevin Keiner; Foto: Wildwatch
ESA 07/2015

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