Strandidylle im Hinterland

Flussstrand in Alcoutim

Immer wieder liest man, dass die Algarve viel zu bieten hat. Lediglich ein Werbespruch? Keinesfalls. Selbst ein Strandtag im zirka 50 km von der Küste entfernten Hinterland ist möglich. Wo? In Alcoutim

Die kleine Stadt am Guadiana-Fluss scheint stets vor sich hin zu schlummern. Alcoutim ist Hauptstadt des gleichnamigen Bezirks, einer der größten der Algarve, gleichzeitig aber auch einer der am dünnsten besiedelten. Trotz verschiedener Maßnahmen wie Steueranreize oder kostenlose Kindergärten und Freizeitaktivitäten, mit denen das Rathaus seit Jahren versucht, jungen Familien das Bleiben bzw. eine Ansiedelung attraktiv zu machen, weist Alcoutim eine stark veraltete Bevölkerung auf. Nach dem Schulabschluss wandern die Jugendlichen an die Küste, in der Hoffnung, dort eine Arbeitsstelle zu finden. Seit einigen Jahren wird jedoch – zumindest in den warmen Sommermonaten – eine Migration in entgegengesetzter Richtung registriert. Die Ursache dafür ist der immer mehr beliebte und bekannte Flussstrand Pego do Fundo. Die Praia Fluvial Pego do Fundo liegt an der Ribeira de Cadavais, einem Flussarm des Guadiana-Flusses, der in der Ost-Algarve die Grenze zwischen Portugal und Spanien bildet. Mutter Natur war hier großzügig am Werk, das Rathaus hat den Flussstrand nur etwas herausputzen oder eher mit Sand füllen müssen. Das Wasser, das im Sommer bis zu 28 Grad warm werden kann, kommt vom Stausee von Alcoutim und täglich wird frisches Wasser zugeführt. Die Qualität wird nicht nur durch die im Wasser glücklich lebende Fauna beziehungsweise durch die Anzahl der Fische bestätigt, sondern auch durch das international bekannte Qualitätssiegel Blaue Flagge, die dem Strand Jahr für Jahr ver-liehen wird. Zudem gilt dieser Strand als Praia Acessível, d.h. für gehbehinderte Menschen zugängig. Der Strand und das Wasser sind über Rampen erreichbar und es sind behindertengerechte WCs vorhanden. Das Rathaus hat bei der Planung der Anlage eigentlich an alles gedacht. Von schattigen Parkplätzen über Grillplätze, Tische und Bänke, Duschen, WCs, Café, Volleyball-Platz bis zur Erste-Hilfe-Station. Auffällig ist auch, dass die Anlage sehr gepflegt ist und dass, trotz stetig steigender Bekanntheit, der Pego Fundo ein idyllisches Plätzchen geblieben ist, wo man die Sonne in Ruhe genießen kann. Das Rathaus plant übrigens für nächstes Jahr, den Bau eines ähn-lichen Flussstrandes in der Gemeinde Vaqueiros, weiter westlich im Bezirk.Da die Fahrt nach Alcoutim doch etwas länger dauert, sollte man einen Tagesausflug planen und den Grillplatz nutzen. Oder gleich mehrere Tage bleiben. Nur wenige Meter vom Strand entfernt gibt es zwei Herbergen und in naher Umgebung weitere Hotels. Auf der Webseite des Rathauses (www.cm-alcoutim.pt) ist in der linken Spalte unter Turismo/Alojamento eine Auswahl der Unterkunftsmöglichkeiten im Bezirk. Restaurants, die Hausmannskost anbieten, gibt es ebenfalls reichlich zur Auswahl. Sehr beliebt unter den Anwohnern ist das kleine Restaurant direkt an den Treppen der Hauptkirche. Alcoutim ist zwar eine kleine Stadt, hat aber dennoch einiges zu bieten. Zu den Sehenswürdigkeiten innerhalb der Stadt gehören natürlich die Burganlage und die Hauptkirche. Nicht so imposant aber sehr interessant und informativ sind die blau-weißen Kachelbilder an der Einfahrt von Alcoutim. Die 31 Bilder von Carlos Luz erzählen die Geschichte der Stadt und des Bezirkes und vom Leben der Bevölkerung. Ein Bild zeigt z.B. die Übergabe der Stadtrechte durch König  D. Dinis im Jahr 1304, ein anderes die Unterschreibung des Friedensabkommens Pazes de Alcoutim zwischen dem portugiesischen König D. Fernando und dem spanischen D. Henrique II, andere zeigen alte Berufe, die langsam in Vergessenheit geraten. Von der Geschichte der Stadt deuten auch drei Skulpturen der Künstler Teresa Paulino (s. ESA 5/12) und Pedro Félix. Der „Contrabandista“ ist eine Hommage an die Alcoutejanos, die sich durch den Schmuggel von Gütern nach und von Spanien etwas nebenbei verdienten. Vor allem während der Salazar-Diktatur wurden mangelnde Lebensmittel wie Kaffee und Zucker aus Spanien ins Land gebracht. Dies führte dazu, dass das gesamte Flussufer streng von der Guarda Fiscal überwacht wurde. Die Einrichtung eines Hauptquartiers dieser Polizeieinheit in Alcoutim stellte eine Jobmöglichkeit für viele junge Alcoutejanos dar, die somit dem harten landwirtschaftlichen Leben entkamen und später im Leben mit einer guten Rente rechnen konnten. Als Hommage an diese Männer blickt heute die Skulptur „Guarda Fiscal“ über den Fluss auf das spanische San Lucar. Der „Pescador“ ist die Hommage an die Fischer, denn entlang des Guadiana lebten viele Familien vom Fischfang.Vom Fischfang und von der Bedeutung des Guadiana-Flusses als Transportweg für die im Hinterland erwirtschaf­teten Produkte an die Küste, erzählt ebenfalls das Museu do Rio (tägl. von 9 h – 13 h, 14 h – 17 h, Eintritt E 2,50, Rentner E 1,50, Eintrittskarte der Burganlage von Alcoutim gewährt auch Eintritt im Museum) im nur 8 km südöstlich entfernten Ort Guerreiros do Rio. Im Museum zu sehen sind zudem Miniaturnachahmungen der Boote, die die in den Minen weiter nördlich gewonnenen Bodenschätze bis Vila Real de Santo António an der Küste transportierten, sowie der kleinen traditionellen Fischerboote und die der Schmuggler. Auch einen Besuch wert ist die römische Villae in Montinho das Laranjeiras, kurz vor Guerreiros do Rio. Das Gelände ist umzäunt und das Tor geschlossen aber nicht abgesperrt.

Weitere Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung sind die Wanderrouten PR1 Corre Corre Guadiana (s. ESA 3/12) und PR2 Ladeiras do Pontal – GPS-Koordinaten und Karten können u.a. unter www.wiportugal.org abgerufen werden – oder ein Ausflug zur Ribeira da Foupana (s. ESA 8/12). Viele Gründe, um Alcoutim zu besuchen. Zudem findet in diesem Monat das Jahresfest von Alcoutim (13. – 15.) mit viel Animation bis in die späten Nachstunden statt.

Anabela Gaspar
ESA 9/13

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