Stand Up Paddle

Die Sportart, kurz SUP genannt, ist stark im Kommen und entwickelt sich rasant zu einer der beliebtesten Aktivitäten weltweit. Auch in der Algarve gibt es bereits mehrere Anbieter und natürlich ideale Bedingungen

Was die Ursprünge und sogar den Namen dieser Wassersportart angeht, kommt man bis heute auf keinen grünen Zweig. Die einen sagen Stand Up Paddle(ing), die anderen Stand Up Surf(ing) oder auch Stand Up Paddleboarding. Sogar bei der Schreibweise wird man sich nicht einig, da es einige mit und andere ohne Bindestrich oder Leerzeichen schreiben. Im Endeffekt kommt es jedoch nicht darauf an, wie man es sagt, sondern dass man es macht! Etwas mehr Klarheit hat man über die Wurzeln der heute modernen Form des Stand Up Paddle. In den 1940er Jahren sollen Surflehrer in Waikiki, Hawaii, Paddels auf ihren Surfbrettern mitgeführt haben, um schneller vom Ufer zu den wellenbrechenden Riffen und zurück zu gelangen und andererseits durch die erhöhte Position auf dem Board einen besseren Überblick über die Surfschüler zu haben. Später wurde Ku Hoe He‘e Alu, wie es in der hawaiianischen Sprache heißt, zusätzlich zum Windsurfen und Wellenreiten praktiziert, da man es ohne Wind oder Wellen ausüben kann. Das war der Anfang des sogenannten Beach Boy Surfing. Der im Oktober 2013 im Alter von 95 Jahren verstorbene John Zapotocky war der älteste SUP-Surfer auf der Welt und gilt als „Vater des modernen Stand up Surfing“. Trotz fortgeschrittenen Alters war Zapotocky noch fast täglich mit seinem Board auf dem Meer zu sehen. Doch lange vor den Beach Boys standen schon die polynesischen Fischer auf ihren Kanus vor Tahiti. Auch in anderen Teilen der Welt gab es bereits vor Jahrhunderten Völker, die sich auf diese Art auf Flüssen, Seen oder dem Meer fortbewegten, und in Tel Aviv sollen Rettungsschwimmer Anfang des 20. Jahrhunderts diese Methode angewandt haben, um schneller in Not geratene Badegäste zu entdecken und zu ihnen zu gelangen. In den letzten Jahren fand Stand Up Paddle als Freizeitsport immer mehr Verbreitung und entwickelte sich, dank Surfern wie dem US-Amerikaner Robby Naish, zu einer eigenständigen Wassersportart, die hauptsächlich auf Hawaii, an der US-Pazifikküste, in Australien, auf den Britischen Inseln sowie in Japan betrieben wird. Vor allem in Europa hält das SUP immer mehr auf Binnengewässern Einzug. In Portugal gibt es die Disziplin erst seit wenigen Jahren, erfreut sich aber zunehmender Beliebtheit. Seit vier Jahren bietet auch das Unternehmen Windsurf Point in Meia Praia, Lagos, Unterricht in SUP sowie einen Verleihservice an. ESA wollte mehr über die Sportart erfahren und meldete sich für einen kleinen Schnupperkurs an. Wegen der an diesem Tag schlechten Wetterbedingungen musste der Unterricht in der Lagune von Alvor statt am Strand von Meia Praia stattfinden. Geschützt vor hohem Wellengang gehen wir enthusiastisch mit den Boards unter dem Arm auf den fast glatten Wasserspiegel zu. Jeffrey, unser SUP-Lehrer, erklärt uns zuerst die unterschiedlichen Longboards (Foto 4): größere und daher stabilere, die ideal für Anfänger sind, und schmalere, die mehr Gleichgewichtsinn verlangen und daher eher für Fortgeschrittene geeignet sind. Jeffrey erklärt, dass es in dieser Sportart zwei Hauptdisziplinen gibt: Race und Surf (oder Waves). Race betreibt man vor allem auf flachen Gewässern mit größeren und längeren Boards, wobei es vor allem um Geschwindigkeit geht. Bei Waves geht des darum, wie der Name bereits erraten lässt, auf den Wellen zu reiten, ähnlich wie beim herkömmlichen Surfing. Um agiler zu sein, sind diese Wave-Bretter auch kürzer und somit wendiger. Auch was das Paddel betrifft, gibt es einige Unterschiede. Wichtig ist vor allem, dass das Paddel zirka ein Blatt länger als der Surfer ist. Nach der kleinen theoretischen Einführung beginnen wir mit der Praxis. Zuerst sollen wir das Paddel quer über das Brett legen auf dem wir knien (Foto 1), um dann langsam aufzustehen (Foto 2). Eine etwas wackelige Angelegenheit, wie ich feststelle, doch als ich stehe, fühle ich mich sofort relativ stabil. Jeffrey rät mir, mich mehr in die Mitte des Brettes und die Beine etwas weiter auseinander zu stellen (Foto 3). Und siehe da, es funktioniert. Ich stehe felsenfest da. Das Paddel halte ich mit einer Hand oben am Griff und mit der anderen ungefähr in der Mitte fest. Als etwas kompliziert erweist sich mein Versuch, das Brett in die gewünschte Richtung zu bringen. Theoretisch lenkt man, indem man das Paddel an der vorderen Spitze des Boards ins Wasser stößt und in einer bogenartigen Bewegung bis zu den Beinen bringt. Um den Kurs zu halten, macht man kürzere Bewegungen parallel zum Brett. In der Praxis klappt das nicht auf Anhieb, aber Jeffrey tröstet uns und erklärt, dass unsere Bretter schwieriger zu lenken sind, da sie, anders als seines, nur eine Finne haben. Kurz darauf gleiten wir schon entspannter und sogar etwas hochmütig auf der Lagune und genießen die Landschaft und den Blick auf Alvor und auf den Atlantik. Die Sportart ist leicht zu erlernen und ideal für alle Altersgruppen. Da es weder anstrengend ist noch besondere Fähigkeiten oder Geschick voraussetzt, werden auch ungeübte Sportler begeistert sein. Beim SUP werden nicht nur der Gleichgewichtssinn gefördert und alle Muskelgruppen gestärkt, sondern es macht gleichzeitig viel Spaß, ob bei einem kleinen Küstenausflug oder beim Wellenreiten. Vor allem in der Algarve bietet es sich an, die Küste entlang zu gleiten oder auf Entdeckungstour in den Grotten zu gehen. Einer der großen Vorteile beim Stand Up Paddle ist das weite Sichtfeld. Durch die höhere Position hat man einen besseren Blick in die Tiefe des Wassers und über die Wasseroberfläche.

Stefanie Wacek

Share.

Comments are closed.