Ponta da Piedade

Wildzerklüftete Felslandschaft

Die Ponta da Piedade bei Lagos ist ein Touristenmagnet und einer der meistfotografierten Orte der Algarve. Kein Wunder, denn die skurrile Felsenküste bietet atemberaubende Landschaften. Vom Land und vom Wasser aus

Hinter dem Leuchtturm auf der Landzunge der Ponta da Piedade tummeln sich die Touristen. Staunend blicken sie auf den weiten Atlantik und die Felsformationen und machen tausende von Aufnahmen. Selfies gehören natürlich unbedingt dazu, schließlich will man den Freunden zeigen, auf welch paradiesischem Fleckchen Erde man unterwegs ist. Die Landschaft der Ponta da Piedade mit ihren -bizarr geformten Felsen, die bis zu 20 Meter emporragen, in Kontrast mit dem grün-blauen Wasser, bildet ein wahres Postkartenmotiv. Sie zu Fuß oberhalb der Klippen oder vom Wasser aus per Boot, Kajak oder Stand-up-Paddle zu entdecken, ist ein absolutes Muss für Urlauber und Residenten der Algarve.

Wer sich für eine Entdeckungstour zu Fuß entscheidet, hat zwei Möglichkeiten: Eine Route führt nach Westen, zirka zweieinhalb Kilometer entlang der Küste bis zum Strand Canavial, die andere Richtung Lagos bis zum São Camilo-Strand. Bei Letzterer handelt es sich nicht um einen, sondern vielmehr um mehrere Trampelpfade, die kreuz und quer oberhalb und etwas abseits der Felsen verlaufen. Wir entscheiden uns für diese Variante, da der Küstenabschnitt zerklüfteter ist und wir daher spektakuläre Ausblicke erwarten. Getäuscht haben wir uns diesbezüglich nicht, aber diese Strecke ist weit anstrengender, da man, wenn man so nah wie möglich am Wasser gehen will, oft klettern muss. Vorsicht ist geboten, denn es besteht Absturzgefahr. Schmale Pfade führen die Felsen hinauf und hinunter, oft auch durch schmale Schluchten und stacheliges Gebüsch. Jeder Aufstieg lohnt sich jedoch allemal, denn man wird stets mit traumhaften Blicken auf die Küste, das Meer, das Monchique-Gebirge und Lagos belohnt. Der Weg ist nicht ausgeschildert, man folgt einfach anderen Wanderern oder wählt selbst, nach gewünschten Aussichtspunkten oder physischer Kondition, einen der Trampelpfade. Es geht auf und ab, mal direkt am Felsenkamm, mal aufs Hoch-plateau. Wir balancieren über Stock und Stein, blicken in die Tiefe und in die Weite, wo sich die Meia Praia erstreckt. Bei klarem Himmel sind auch Alvor und Portimão gut sichtbar. Immer wieder entdecken wir einsame Traumbuchten, die entweder nur vom Meer aus zugänglich sind oder über steile Felsabstiege, wie die Praia da Balança oder die Praia dos Pinhei-ros. Zur Praia do Camilo führt hingegen eine lange Holztreppe hinab.

Die ohnehin wunderschöne Landschaft gewinnt noch weiter an Bedeutung durch die anzutreffenden Vogelarten, die dazu führten, dass die Ponta da Piedade zum Besonderen Vogelschutzgebiet erklärt wurde. Auf den alleinstehenden Felsen im Wasser nisten Wanderfalken, Raben, Dohlen, Alpen- und Fahlsegler. Zu den hier zu beobachtenden Wasservögeln zählen Basstölpel, Schmuckreiher, große Raub-möwen, Mittelmeermöwen und Brandseeschwalben. Dies ist auch einer der wenigen Orte in Portugal, an denen man noch Felsentauben in verwilderter Form beobachten kann. An Land können Kuhreiher und Rebhühner und auch Singvögel wie Haubenlerche, Rötelschwalbe, Hausrotschwanz, Blaumerle, Cisten-sänger, Samtkopf-Grasmücke, Rotkopfwürger, Blauelster, Bluthänfling, Einfarbstar und Grauammer entdeckt werden.

Von der Praia do Camilo folgen wir der asphaltierten Straße zum Leuchtturm zurück. Während wir eineinhalb Stunden für die Strecke oberhalb der Felsen brauchten, legen wir die 650 Meter bis zum Leuchtturm in knapp zehn Minuten zurück. Nach einer kleinen Erfrischung im Café beginnt die zweite Entdeckungstour.

Wir steigen die fast zweihundert Stufen der Steintreppen der Ponta da Piedade ins „Wohnzimmer“ hinab. So wird die von Felsen umgebene Bucht genannt, in der bunte Fischerboote mit improvisierten Sonnenschutzsystemen auf Touristen warten, um ihnen die geheimnisvollen Grotten und Höhlen zu zeigen, die Wind und Wasser im Laufe der Jahrhunderte hier in den Felsen formten. Die Grotten sind beeindruckend. Nicht nur die bizarren Felsformationen und Galerien, sondern auch wie das Licht in sie eindringt, das Wasser heller glänzen lässt. Bedrückend wirken die Felsen auf keinen Fall und die Fischer manövrieren die Boote stets sicher durch die Brandungstore, in und aus den Höhlen und unter den Bögen durch. Hier und da zeigen sie Felsformationen, die wie ein Elefant oder eine Seemöwe aussehen oder wie der Kopf eines Mannes, der wegen der großen Nase von den Fischern Cesar genannt wird. Auch Pinocchio und ein Elefant küssen sich hier in der Nähe der Grotte der Liebe seit Jahrhunderten. Natürlich ist ein wenig Fantasie nötig, um die Formen zu erkennen und nicht jeder wird es schaffen, aber so ein Bootsausflug ist garantiert unvergesslich!
Text: Anabela Gaspar; Fotos: Sara Alves, Anabela Gaspar
In ESA 06/16

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