Klippenspringen bei Algar Seco

Jede Menge Mut

Was als exotische Mutprobe bekannt wurde, hat sich inzwischen zu einer ernsthaften Sportart entwickelt, die allerdings ihren exotischen Reiz nicht verloren hat. In Carvoeiro sind es die Klippenspringer von Algar Seco, die für Furore sorgen und jetzt zum Springen einladen

Klippenspringen ist keine neue verrückte Sportart von Adrenalin-Junkies. Diese Aktivität wird in der Tat schon seit Jahrhunderten ausgeübt. Das Klippenspringen wurde schon 1770 auf der Hawaii-Insel Lāna’i als Bestandteil einer traditionellen Zeremonie durchgeführt. Kamehameha, der erste König Hawaiis, hatte dort seinen Sommersitz und forderte als Loyalitätsbeweis den „Lele Kawa“ von seinen Kriegern, einen Sprung von einem zwanzig Meter hohen Felsen ins Wasser. Mittlerweile wurde das Klippenspringen zu einer Extremsportart, die von etwa 300 Sportlern weltweit ausgeübt wird.
Auch in Carvoeiro springen Wagemutige seit vielen Jahren von den Klippen ins Meer. Dank seiner Felsformationen und weil unter Wasser relativ wenige Felsen sind, auf denen die Springer aufprallen könnten, wurde Algar Seco zu einem beliebten Sprungplatz. Hinzu kommt, dass in historischen Zeiten Schmuggler und schon immer Angler hier überall Treppen in die Felsen meißelten, die den Aufstieg nach dem Sprung um Einiges erleichtern. Solange sich die Anwohner erinnern können, stellen die Jugendlichen des ehemaligen Fischerortes ihren Mut an diesem Wahrzeichen der Gemeinde unter Beweis. Einer davon war und ist Sebastien Kock. Er sah die Möglichkeit, Gleichgesinnte zu vereinen und rief 2015 die Gruppe Algar Seco Cliff Jumpers ins Leben sowie ein jährliches Treffen, das gleich nach der ersten Veranstaltung für Furore auf internationaler Ebene sorgte.
„Seit Jahren springe ich hier von den Klippen. In Carvoeiro sind diese Sprünge eine Tradition. Meine Leidenschaft gilt der Videografie und den Extrem-sportarten, Klippenspringen erwies sich als ein fantastisches Ventil für mich“, erklärt Sebastien. Das erste Treffen der Gruppe wurde im Sommer 2015 organisiert und zog zirka achtzig Besucher an. Für das Algar Seco Cliff Jumping 2016 am 7. August werden bereits 400 Besucher erwartet.

„Die Teilnehmer letztes Jahr waren eine bunte Mischung aus vielen Ländern, unterschiedlicher Altersgruppen und Fitness-Level. Einige machen es nur aus Spaß, andere sind echte Akrobaten, die die Sprünge sehr ernst nehmen“, berichtet Sebastien. Beim Treffen wird von zwei Felsenvorsprüngen aus ins tiefe Blau gesprungen: Aus zehn Meter Höhe in sieben Meter Tiefe und aus halsbrecherischen dreißig Metern.
Auch wenn das Treffen – verglichen mit anderen Events der Art – eher „im kleinen Kreis“ stattfand, wurde die Gruppe bereits von möglichen Sponsoren aus fernen Ländern wie Polen oder Indonesien kontaktiert. Selbst das Unternehmen hinter der Klippenspringer-App Big Swings zeigte Interesse, aber auch der portugiesische Fernsehsender TVI.
Der Erfolg von Red Bull Cliff Diving trägt sicher auch dazu bei. Seit die Veranstaltung 2009 erstmals stattfand und das Medieninteresse anzog, ist das Klippenspringen zu einer bekannten Sportart mit einer hoch angesehenen Weltmeisterschaft und einer enormen Fan-Gemeinde gereift. Red Bull Cliff Diving World Series macht auch einen Stopp in Portugal. Die besten Klippenspringer der Welt treffen sich auf der Azoren-Insel São Miguel. Dort springen sie von den Vulkanklippen der kleinen vorgelagerten Insel von Vila Franca do Campo aus 28 Meter Höhe in den Atlantik. Diese Location hat es in sich, denn die Klippenspringer müssen direkt vom Fels statt von einer angebrachten Plattform springen. Nun will Sebastien Red Bull Cliff Diving auch in die Algarve bringen und verhandelt bereits mit den Organisatoren.

Die Anforderungen an die Klippenspringer sind sehr hoch: Man muss Erfahrung im Bereich des Kunst- und Turmspringens haben sowie jede Menge Mut. Gute Konzentrationsfähigkeit, eine absolute Körperbeherrschung und die Verinnerlichung der Sprungabläufe sind ebenfalls sehr wichtig. Doch anders als bei anderen Sportarten ist für das Klippenspringen keine komplizierte und teure Ausstattung nötig – nur der Körper, der aus schwindelerregender Höhe ins Wasser stürzt und dabei eine Eintauchgeschwindigkeit nahe der 100 km/h-Grenze erreicht.
Text: Mia Wallace
Foto: Sebastien Kock
ESA 08/16

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