Frei wie ein Vogel

So müssen sich die Möwen fühlen – über das weite blaue Meer schweben,Aufwind spüren und die freieste aller Lebensformen führen.Ein unbeschreibliches Gefühl mit Perspektiven, von denen andere nur träumen

Praia da Oura, Albufeira, fast  12 Uhr. Die Spannung steigt. Mein Herz rast. Ich sehe die gelben Boote im Wasser. Erkenne sofort, welches mich in wenigen Minuten durch die Luft ziehen wird. Wenn du einen Fallschirm-Tandemsprung gewagt hast, wird Parasailing kein Problem sein, rede ich mir ein, um meine Nerven etwas zu beruhigen. Doch während ich das Team vom Wassersport-Unternehmen Ski Molhado begrüße, hoffe ich, dass man mir meine Nervosität nicht anmerkt. Kurze Sicherheitsanweisungen, Schwimmweste anziehen und los geht es. Ein Schlauchboot bringt uns vom Strand bis zum Powerboot, das den Parasail-Schirm ziehen wird und mit dem wir etwas weiter auf das Meer hinaus fahren. Während der Fahrt, nutze ich die Gelegenheit, um mir das Boot genauer anzuschauen. Es verfügt über eine Start- und Landeplattform sowie über einen Gestell zum Halten des Schirmes. Das Zugseil des Schirmes ist über dieses Gestell am Boot befestigt. Beste Voraussetzungen für einen sicheren Flug, denke ich mir. Meine Beobachtungen und der leichte Wellengang beruhigen mich und als es soweit ist, blicke ich meinem bevorstehenden Abenteuer gespannt und strahlend entgegen. Angelo zieht mir das Gurtgeschirr über die Weste. Auf der Plattform hängt er die Haken meines Gurtes an das Tragegestänge des Schirmes an. Dann ist Georgina dran. Die 18-jährige Engländerin lebt seit acht Jahren in Albufeira und macht diesen Sommer ein Praktikum bei Ski Molhado. Da ich Gesellschaft für meinen Flug brauche und sie es ebenfalls ausprobieren wollte, musste ich sie nicht lange dazu überreden. Wir setzen uns mit ausgetreckten Beinen auf die Plattform und lächeln uns etwas unsicher an. Für einen Rückzieher ist es nun definitiv zu spät, denke ich mir. In diesem Moment beschleunigt Adérito auch schon das leistungsstarke Motorboot und der runde, bunte Schirm sowie Georgina und ich ? werden langsam in die Luft gezogen. Bis wir schließlich durch das 250 Meter lange, am Boot befestigte Kevlar-Kabel aus 100 Meter Höhe herabblicken und das Boot uns viel kleiner als vor einer Minute vorkommt.  Die Größe des Bootes ist jedoch nicht das interessanteste von hier oben. Ich blicke mich um und bin – mal wieder – von der goldenen Algarve-Küste beeindruckt. Die Aussicht erstreckt sich von Vilamoura im Osten bis S. Rafael im Westen. Wenn der Himmel klar ist, kann man sogar die Hochhäuser von Armação de Pêra sehen. Unter uns das in türkis und dunkelblau schimmernde Meer. Die Menschen am Strand sind so groß wie ein Finger. Die Aussicht ist einfach atemberaubend und das Freiheitsgefühl herrlich. So müssen sich die Möwen fühlen. Dann fährt das Boot langsamer und wir verlieren an Höhe. Unsere Füße nähern sich langsam dem Wasser. Beim Eintauchen erfahren wir an eigenem Leib, wieso diese Wassersportart stets als erfrischend bezeichnet wird, bevor wir wieder in die Luft steigen. Je schneller das Boot fährt, umso mehr Luft dringt in den Schirm und umso höher steigen wir in die Luft. Bei langsamer Fahrt verlieren wir hingegen an Höhe. An windigen Tagen muss das Boot daher nicht so schnell und so weit fahren wie an windstillen Tagen. Heute haben wir Levante, das heißt, der Wind bläst stark aus östlicher Richtung. Trotzdem ist es, 100 Meter über dem Wasserspiegel, erstaunlich ruhig und Georgina und ich können uns bestens unterhalten und Eindrücke teilen. Wir sitzen gemütlich in unseren Gurten und lassen den Blick über das Meer, den Strand und die Häuser von Albufeira schweifen. Obwohl die Landschaft und der Ausblick herrlich sind, lohnt es sich, ein wenig mit geschlossenen Augen zu fliegen. Einfach nur das Gefühl der Freiheit und die frische Brise im Gesicht genießen. Als das Boot langsam größer wird, wird uns klar, dass Angelo uns einholt, indem er das Kabel eindreht. Die zehn Minuten sind leider zu schnell um. Als wir auf der Plattform landen, schweben wir noch im Glück. Während wir zurück zum Strand fahren, wenden sich unsere Augen sehnsüchtig gen Himmel. Am liebsten würden wir dieses unvergessliche Erlebnis sofort wiederholen. Um Parasailing auszuprobieren, muss man nicht sportlich sein oder Erfahrungen mitbringen. Obwohl es meist als radikale Sportart für die Mutigsten vorgestellt wird, fanden Georgina und ich den Flug sogar sehr entspannend und empfehlen es für jung und alt, groß und klein, schlank und kräftig. Alle, die schwimmen können und keine Höhenangst haben, können mitmachen. Man muss nur sitzen und genießen. Da drei Personen gleichzeitig fliegen können, ist es auch als gemeinsames Familienerlebnis zu empfehlen. Parasailing wird an verschiedenen Urlaubsbadeorten der Algarve von Tavira bis Lagos angeboten. Zum Angebot von Ski Molhado Watersports gehören noch weitere erfrischende oder auch schnelle Fahrten. Von Tretbooten und Kayaks über Banana-Boote, Cra­zy UFOs, FlyFish und Wakeboard bis zum Jet Boat. Vor allem auf letzteres ist Carlos Vieira sehr stolz. Sein Unternehmen war 2010 das erste in Portugal, das die in Neuseeland und Australien schon seit den 70er Jahren bekannte und beliebte Aktivität anbot. Dabei handelt es sich um eine 30-minütige Bootsfahrt bei Hochgeschwindigkeit mit scharfen Kurven, Vollbremsungen und anderen radikalen Manövern. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, das Plattformboot für drei Stunden zu mieten und in dieser Zeit verschiedene Aktivitäten auszuprobieren.

Ski Molhado · Mob.: 917 294 497 · info@skimolhado.com www.skimolhado.com · www.ourawatersports.com

Anabela Gaspar
ESA 8/13

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