Cerro do Bufo

Salzhaltiges Vogelgebiet

Die Salinen im Naturschutzgebiet von Castro Marim und Vila Real de Santo António bieten vielen Vögeln einen sicheren Lebensraum und ausgiebig Nahrung. Der Ausflug zum Cerro do Bufo lohnt sich zu jeder Jahreszeit, doch im Herbst verleihen Tausende Zugvögel dem Gebiet zusätzlichen Reiz

Die Reserva Natural do Sapal de Castro Marim e de Vila Real de Santo António ist Schutzgebiet nach der Ramsar-Konvention und ebenfalls europäisches Vogelschutzgebiet. Bei einer Wanderung durch dieses Feuchtgebiet wird deutlich, wieso: Es ist ein bedeutender Lebensraum für Wasser- und Watvogelarten.
Die Route beginnt am Esteiro da Carrasqueira, einem Flussarm des Guadiana, und verläuft rechts von diesem Gewässer. Hier können Zwergseeschwalben und Blässhühner gesichtet werden und im Winter ist dies eine der besten Stellen, um Raubseeschwalben zu sehen. Ebenfalls zu beobachten sind Kormorane und Zwergtaucher sowie Stock- und Löffelenten. Vor nicht allzu langer Zeit wurde hier sogar eine Eisente gesichtet – ein eher seltener Gast in Portugal.
Am Wegesrand wachsen verschiedene Salzpflanzen, darunter Queller (Salicórnia ramosíssima), eine essbare, etwas salzige, wohlschmeckende Pflanze, die nun auch ihren Weg in Gourmetküchen in aller Welt fand. Doch unter den 462 Pflanzenarten, die im Naturschutzgebiet vorkommen, sind vor allem die Picris algarbiensis hervorzuheben, eine zur Familie der Astern gehörende Pflanze, die nur in der Algarve wächst, sowie die Beta macrocarpa, ein Fuchsschwanzgewächs, und das Bleiwurzgewächs Limonium diffusum, die alle als gefährdet, beziehungsweise bedroht gelten. Ebenfalls nennenswert sind die in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie genannte Salzwasser-Moospflanze Riella helicophylla, die in Portugal nur in Castro Marim vorkommt, und das Bitterkraut Picris willkommii, eine endemische Pflanze der Iberischen Halbinsel, die lediglich in der Nähe des Guadiana-Flusses wächst.
Rechts vom Weg steht kurz darauf ein Johannisbrothain und eine Schafherde weidet auf dem trockenen Boden. Obwohl die Landwirtschaft dreißig Prozent des Naturschutzgebietes einnimmt, wirtschaften hier Kleinbauern, deren Erzeugnisse nur für den Eigenkonsum und den lokalen Handel bestimmt sind. In der Ferne sind die Häuser von Vila Real de Santo António und Monte Gordo zu erkennen. In Luftlinie trennen uns höchstens drei bis vier Kilometer von diesen beiden Orten, doch von dem Stadtrummel ist hier absolut nichts zu vernehmen.

Langsam nähern wir uns den Salinen, die im Sonnenlicht schimmern. Sie machen weitere dreißig Prozent des Naturschutzgebietes aus und sollen aus dem achten Jahrhundert vor Christus stammen. In einigen wird das kostbare Salz noch heute per Hand geschöpft, in anderen bekommt der Mensch maschinelle Unterstützung und wiederum andere Salinen wurden für die Fischzucht umgebaut. Hier im Cerro do Bufo befindet sich die größte industrielle Saline von Castro Marim. Die Becken sind wesentlich größer als die der traditionellen Salinen und wurden mit Hilfe von Traktoren ausgegraben. Der Wasserspiegel der riesigen Becken erstreckt sich bis zum Horizont und verschmilzt dort mit dem Himmel. In einigen Becken glitzern die weißen Kristalle; andere weisen eine rosa oder orange Färbung auf; in den weiter Entfernten sehen wir große Vogelgruppen.

Ferngläser sind für diese Route ein absolutes Muss, denn das Naturschutzgebiet ist eines der besten und interessantesten Vogelbeobachtungspunkte im Land. 169 Vogelarten können hier regelmäßig und weitere 17 sporadisch beobachtet werden. Einige davon sind unter Schutz stehende Arten. Kurios ist, dass rund um und in den industriellen Salinen die Vielfalt und die Anzahl der anzutreffenden Vogelarten größer sind als in den traditionellen Salinen, so eine vom Naturschutzinstitut ICNF hier durchgeführte Studie. Stammgast und Symbol des Naturschutzgebietes ist der Stelzenläufer, ebenfalls ständig zu beobachten ist der Weißstorch. Zwei europaweit gefährdete Vogelarten, die sich praktisch das ganze Jahr über in Castro Marim aufhalten, sind der Löffler und der Rosaflamingo. Die Liste der Vogelarten, die hier ständig leben oder zu bestimmten Jahreszeiten zu Gast sind, ist lang. Hier eine kleine Auswahl: Brandgans, Knäkente, Schwarzhalstaucher, Taucherseeschwalbe, Grünschenkel, Säbelschnäbler, Eisvogel, Zwergtrappe und Dünnschnabelmöwe. Letztere ist eine Rarität in Portugal, die in Castro Marim regelmäßig zu beobachten ist.

Nach etwa drei Kilometern erblicken wir im Osten die Festung von Castro Marim. König D. João IV ließ die Befestigungsanlage Forte de São Sebastião 1641 während der Unabhängigkeitskriege zwischen Portugal und Spanien errichten; ein Beweis für die strategische Bedeutung der kleinen Ortschaft. Auch der Revelim de Santo António ist zu erkennen. Eine kleinere Festung, die ebenfalls Mitte des 17. Jahrhunderts gebaut wurde und mit dem Forte und der Burg verbunden war.
Im Westen kommt uns der Salzberg genauso imposant wie die Festung vor. Rundherum glitzert es in den Becken. Eine schneeweiße Landschaft erstreckt sich vor unseren Augen. In den Vorbecken ist das Wasser so still, dass die Spiegelung perfekt ist.
In den Becken direkt neben den Lagerräumen der Saline entdecken wir einen Storch und mehrere Flamingos. Das Geräusch der Motoren und das „Bip“ eines Lastwagens im Rückwärtsgang scheinen sie nicht im Geringsten zu stören. Menschen hingegen schon, denn als wir uns nähern, blickt der Storch erschrocken auf und fliegt davon.

Zirka fünf Kilometer nach dem Beginn unseres Ausflugs kommen wir am Eingang der Saline an. „Eintritt verboten – Privateigentum“ steht dort an einem am Tor angebrachten Schild. Bis vor einigen Jahren war es noch möglich, hier rund um die Salinen weiter zu wandern, doch nachdem lokale Freizeitunternehmen Jeep-Ausflüge im Naturschutzgebiet anboten und dabei die Vögel erschreckten und die Wälle und Zuflusskanäle der Salzbecken zerstörten, beschlossen das Naturschutzinstitut ICNF und der Salinenbetreiber, einen Zaun aufzustellen. Daher müssen wir nun an dieser Stelle umkehren. Der Rückweg ist aber keinesfalls langweilig. Alleine durch die sich im Tagesverlauf verändernde Sonneneinstrahlung gewinnt die Landschaft neuen Reiz und vielleicht entdeckt man auf dem Rückweg den einen oder anderen geflügelten Gast, den man vorher nicht gesehen hatte.

Text & Foto: Anabela Gaspar
ESA 11/16

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