Blokarting

Ein Nervenkitzel der besonderen Art. Leicht zu lernen, schnell und spannend

Beim Blokarting handelt es sich um eine Mischung aus Windsurfen und Kartfahren. Das dreirädrige Gefährt, an dem sich Mast und Segel befinden, wird von nichts anderem als vom Wind angetrieben. Es gibt ein Lenkrad zum Steuern und, wie beim Segeln, eine Schot, um das Segel auf Kurs zu halten. Die Größe der Segel kann zwischen 1,5 qm und 5,5 qm variieren und wird nach Windstärke gewählt. Je stärker der Wind bläst, desto kleiner sollte das Segel sein. Erfunden wurden diese Karts um die Jahrtausendwende in Neuseeland, wo sie auch bis heute hauptsächlich hergestellt werden. Durch seine einfache Handhabung, den Aufbau und den großen Spaßfaktor entwickelt sich Blokarting zur Nummer 1 des Segelsports auf dem Trockenen. Gerade in Europa wird diese Freizeitaktivität immer beliebter und spornt zu Wettkämpfen an, welche sich vermehrt in den Niederlanden, Frankreich und Spanien abspielen. Das ESA Team wollte sich den Spaß nicht nehmen lassen und Blokarting ausprobieren. Julia Beckenbauer vom Unternehmen Ecokarts Sagres, eine passionierte und wettkampferfahrene Blokartfahrerin, bot uns die Möglichkeit dazu. Treffpunkt ist auf einem Areal, direkt neben der Nationalstraße zwischen Vila do Bispo und Sagres. Eine portugiesische Flagge markiert den Weg zum Eingang des Parcours. Die Segel der Karts sind schon von Weitem zu erkennen. Durch den konstanten und täglich wehenden Wind bietet das Areal die idealen Bedingungen zur Ausübung dieser Sportart. Nach einer netten Begrüßung erzählt uns Julia, die vor 10 Jahren aus München in die Algarve zog, wie einfach und flexibel dieser Sport ist; innerhalb von fünf Minuten zu lernen und für jedermann geeignet. Und das Wort jedermann ist wirklich wörtlich zu nehmen. Egal ob jung oder alt, ob sportlich oder gehandicapt, wirklich jeder kann diesen Funsport ausüben. Gerade Gehbehinderten bietet das Kart, dank seiner Liegeposition und einfacher Handhabung, perfekte Voraussetzungen. Julia verrät uns auch, dass es bei professionellen Wettbewerben unter den Teilnehmern keinen bestimmten Menschenschlag „Blokarter“ gibt, wie es vielleicht beim Surfen mit den typischen Surfer-Boys der Fall ist. Den besonderen Reiz macht die Mischung aus den unterschiedlichsten Typen aus. Da fährt der Hardcore Rocker mit Lederjacke genauso gerne wie der Beduine mit Turban oder der versierte Segler. Hier auf dem Areal könnten ebenfalls Wettbewerbe ausgetragen werden. „Die Spanier sind stark daran interessiert“, verrät uns Julia, „Diese Region hat einfach unglaubliche Voraussetzungen“. Deshalb ist Julia in Verhandlungen mit dem Rathaus von Vila do Bispo und der Umweltbehörde. Doch da praktisch die gesamte Westküste Naturschutzgebiet ist, dürfte dies nicht einfach sein. Die strikten Regeln des Naturparks sind auch der Grund, weshalb Julia nur ein mobiles Büro und keine WCs auf dem Gelände hat. Jeden Abend muss sie alles abbauen, verstauen und abtransportieren. „Damit kann ich leben, aber Toiletten sind dringend nötig und ich darf nicht einmal mobile Sanitäranlagen aufstellen“, bedauert sie. Nach einer kurzen Einführung gibt uns Ivor vom Ecokarts-Team einen ersten Einblick, indem er eine Runde dreht – sehr professionell und mit hoher Geschwindigkeit, Wir sehen beeindruckt zu, während er über die Piste rast. Wir ziehen die Schutzkleidung an, die wir von Ecokarts gestellt bekommen und die aus Jumpsuit, Knie- und Ellbogenschonern, Handschuhen, Helm und einer Brille besteht, um unsere Augen vor dem Staub zu schützen. Die Segel flattern schon im Wind. Mit etwas Starthilfe von Julia, die uns einen kleinen Schubs gibt, um in den Wind zu kommen und nach vorne zu treiben, geht es los. Mit der linken Hand wird die Segelschot geführt und mit rechts steuert man, den Rest erledigt der Wind. Gebremst wird, indem man in den Wind hineinfährt, also das Segel gerade in den Wind hält, ohne Angriffsfläche zu geben. Anfangs noch etwas behäbig, doch mit der ersten Böe nimmt das Kart Fahrt auf. Nach einer langen Kurve geht es nun gerade auf die Haarnadelkurven zu. Mal links mal rechts, schlängelt sich der Kurs durch die Anlage. An bestimmten Stellen sind die Windböen stärker, an anderen verliert man Geschwindigkeit. Doch in der Tat: Blokarting ist einfach und schnell zu erlernen! Nach den ersten zwei Runden hat man schon genug Selbstvertrauen, um mehr Risiko einzugehen. Hier und da hebt das Rad etwas ab, aber wenn man die Schot etwas löst, bekommt man die Kontrolle schnell wieder zurück. Wenn das Kart mit bis zu 50 km/h durch den Parcours saust, macht es so richtig Spaß. Glücklich und verstaubt beenden wir unsere Lehrstunde im Blokarting.

Kevin Keiner

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