Auf Flippers Spuren

Flipper ist uns allen bekannt. Jeder kann sich an den Film erinnern, in dem ein Delfin Namens Flipper und ein Junge beste Freunde werden und zusammen verschiedene Abenteuer erleben. Viele von uns haben sich womöglich auch gewünscht, selbst der kleine Junge zu sein. Wer an einem Ausflug des Unternehmens Wildwatch teilnimmt, kann sich diesen Wunsch zum Teil erfüllen.

André Dias hat seit seinem 14. Lebensjahr auf dem Fischerboot seines Vaters gearbeitet. Das Leben auf dem Meer erweckte in ihm den Wunsch, Meeresbiologie zu studieren. An der Universität von Faro schloss er erfolgreich sein Studium ab. Ende 2012 wagten er und seine Ehefrau Lúcia Gregório es dann, einem anderen Traum nachzugehen und eröffneten das Unternehmen Wildwatch, das von ausgebildeten Meeresbiologen geführte Ausflüge zur Beobachtung von Delfinen anbietet. Dahinter steckt aber viel mehr. Das Team sammelt Daten über die Arten und Anzahl der Delfine vor der Algarve-Küste, deren Verhalten und Essgewohnheiten, ist stark in deren Schutz engagiert und macht auf die Verschmutzung der Ozeane aufmerksam. Die Ausflüge helfen, den wissenschaftlichen Bereich des Unternehmens zu finanzieren, was aber keineswegs bedeutet, dass dieser zweitrangig wäre. Treffpunkt ist vor dem Büro am Ende der Promenade von Ferragudo. Von dort werden die Gäste zur Marina von Portimão geschifft, wo sie in das Schnellboot umsteigen. Während wir langsam aus dem Hafen fahren, erklärt João Tiago, welche Delfinarten wir sichten werden. Vor allem Gewöhnliche Delfine (Delphinus delphis), die man an den weißen Bäuchen, an dessen Seite ein hellgelber bis goldener Streifen verläuft, erkennt, und die grauen Großen Tümmler (Tursiops truncatus) leben hier. Das Team hat aber auch schon Blau- Weiße Delfine, auch Streifendelfin genannt (Stenella coeruleoalba) und Rundkopfdelfine (Grampus griséus) gesichtet. Sogar Schwertwale können einige Meilen vor der Algarveküste im Juni und im Septem- ber beobachtet werden, wenn sie den Thunfischen auf ihrer Reise ins Mittelmeer folgen. João verrät uns, dass sie normalerweise Aussicht nach Basstölpeln und Gelbschnabel-Sturmtauchern halten, da diese beiden Vogelarten die Position der Delfine angeben. Wenn Gewöhnliche Delfine und Streifendelfine jagen, zwingen sie Fischschwärme an die Wasseroberfläche; ein wahres Festmahl für die Wasservögel. Wir lassen die Hochhäuser von Portimão und die sich am Strand tummelnden Sonnenanbeter hinter uns. Bald sind auch die Strände nicht mehr zu erkennen. Die Küste ist lediglich als goldener Streifen wahrnehmbar. Wir fahren an von Möwen umkreisten Fischerbooten vorbei, die dabei sind, ihre Netze einzuziehen. Sieben Meilen fahren wir hinaus, das sind fast zwölf Kilometer. Als das Boot plötzlich Geschwindigkeit verliert, halten wir alle gespannt Ausschau nach den freundlichen Meeressäugetieren, die als intelligenteste Wasserbewohner gelten. Es dauert nicht lange, bis an Bord ein lautes „Oh“ zu hören ist und alle aufgeregt mit ausgestrecktem Arm auf eine sich schnell bewegende Rückenflosse deuten. Kurz darauf wedeln alle wie verrückt mit den Armen um sich, denn aus allen Richtungen nähern sich Gewöhnliche Delfine dem Boot. Einige schwimmen hinter uns, andere seitlich, unter und vor dem Boot. Sie entfernen sich und steuern dann schnell wieder auf das Boot zu. Immer wieder kommen sie an die Wasseroberfläche und machen kleine Sprünge. An Bord sind wir alle vollkommen begeistert. Die Jagt nach dem besten Bild hat begonnen. Alle zücken Kameras, Mobiltelefone und sonst was, um Aufnahmen dieser bezaubernden Tiere zu erringen. Zugegeben, es ist kein leichtes Unterfangen, die eine Millisekunde zu erwischen, den perfekten Moment, wenn der komplette Körper der Delfine aus dem Wasser ragt. Eine besondere Freude für alle Begeisterten an Bord bereitet João vor: Mit einer an einer langen Stange befestigten wasserfesten Videokamera filmt er die Delfine unter Wasser. Genau hier spielt sich das Spektakel ab. Von links nach rechts schwimmend, mit Drehungen und Pirouetten brausen die neugierigen Tiere unter dem Boot hin und her, als wenn dies das Herrlichste auf der Welt sei. Am Ende der Tour werden die besten Szenen zusammengeschnitten, mit Hintergrundmusik versehen und jedem Besucher per Mail nach Hause geschickt. Ein schönes Andenken an dieses einzigartige Erlebnis. An Bord lehnen sich einige Passagiere aus dem Boot und strecken die Hände in das Wasser in der Hoffnung, einen Delfin zu berühren. João erklärt uns, dass diese Delfine sehr neugierig sind. „De facto sind sie gerade bei einer Beobachtungstour der Menschen unterwegs“, sagt er schmunzelnd. Tatsächlich hat man den Eindruck, dass nicht nur wir sie beobachten, sondern ebenso sie uns. Wenn sie direkt am Boot vorbeischwimmen, legen sie sich etwas seitlich und scheinen uns dabei direkt in die Augen zu schauen. Dann zeigt João auf zwei Delfine und erklärt uns, dass dies eine Mutter und ihr im Frühling geborenes Jungtier sind. Ein anderer soll gerade versuchen, ein Weibchen zu umwerben. Die Delfine bleiben eine ganze Weile in unserer Nähe. Kurzzeitig scheint es so, als hätten sie die Lust und Neugier an uns verloren, doch dann sind sie wieder da. Zirka eine halbe Stunde dauert dieses Zusammentreffen von Mensch und Tier, das jedem von uns sicher ein Leben lang in Erinnerung bleiben wird. Mit massenhaft Delfinfotos im Gepäck und einem Lächeln im Gesicht nehmen wir schließlich wieder Kurs auf die goldene Algarve-Küste. Zurück in Ferragudo empfängt uns das Wildwatch-Team mit Heidekrauttee und Kaffee sowie regionalem Honig und Feigenmarmelade, trockenen Feigen und verschiedenen Keksen. Während wir all dies genießen, schauen wir uns die Videoaufnahmen, die João während der Fahrt aufgenommen hat, an und sind nochnmals vollkommen begeistert. Zum Schluss erklärt uns Inês, die ebenfalls studierte Meeresbiologin ist, welche Wale an Portugals Küste gesichtet werden können, welche wissenschaftlichen Aktivitäten das Team durchführt, und macht uns auf die Verschmutzung der Ozeane aufmerksam. Ein erlebnisreicher und gleichzeitig lehrreicher Tag!

Anabela Gaspar, Kevin Keiner
ESA 8/14

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