25 Jahre Zoomarine

Ein Meer der Visionen
Zoomarine-Gründer Pedro Lavia blickt zurück auf ein Vierteljahrhundert Arbeit des bekanntesten Wasserparks in Portugal

Pedro Lavia feiert seinen 75. Geburtstag im Oktober, doch bereits in diesem Monat wird er die Kerzen auf dem Kuchen für das 25. Jubiläum des Erlebnisparks Zoomarine in Guia auspusten. Zoomarine ist der Lebenstraum des luso-argentinischen Unternehmers, aber vor allem war das Projekt völlig innovativ und bahnbrechend für die Algarve und hat Maßstäbe gesetzt. Mittlerweile mit zahlreichen touristischen und wissenschaftlichen Auszeichnungen gekrönt, war das Team von Zoomarine das Erste, das dem portugiesischen Publikum Delfine zeigte. Im Jahr 2002 eröffnete das Team zudem Portugals erstes Rehabilitationszentrum für Meerestiere, Porto d’Abrigo.
Pedro Lavia arbeitet seit 45 Jahren mit Delfinen, hat seinen spanischen Akzent noch nicht verloren und spricht offen über das, was hinter den Kulissen von Zoomarine geschieht. Zwischendurch erzählt er Witze: „Papst Franziskus erstes vollbrachtes Wunder geschah während seiner Reise durch Brasilien – ein Argentinier, der von drei Millionen Brasilianern bejubelt wird!“, sagt er lachend. Er ist ein gut gelaunter Geschäftsmann, der von seinen Angestellten geschätzt wird. Nach unserem Gespräch haben wir verstanden, wieso.

Ist das, was Sie sich bei der Eröffnung von Zoomarine im Jahr 1991 erhofft hatten, 25 Jahre später eingetreten?
Ja, und ich kann nur Gott, meiner Familie und allen meinen Mitarbeitern dafür dankbar sein. Ich denke, dass wir die Erwartungen bei Weiten übertroffen haben. Die anfängliche Idee war, einen Meeres-Themenpark wie SeaWorld in den USA zu eröffnen. Doch im Laufe der Jahre kamen mechanische Attraktionen hinzu und wegen der extremen Sommerhitze ließen wir auch die Schwimmbäder bauen, denn Touristen, die uns besuchen, suchen Strand und Sonne. Dies führte dazu, dass das Projekt etwas verändert wurde. Ich bin sehr stolz auf das, was wir erreicht haben und das nur dank unserer engagierten und professionellen Mitarbeiter sowie der Magie unserer Tiere und unserer Shows möglich war.

Erzählen Sie uns ein wenig über Ihren beruflichen Werdegang. Sie arbeiten seit 45 Jahren im Bereich Themenparks.
Ich bin in Argentinien geboren, habe italienisches Blut – meine Großeltern waren Italiener – und bin ein überzeugter Portugiese. 1988 kam ich mit meiner Frau und meinen Kindern, zwei davon Brasilianer, aus Brasilien nach Portugal und mittlerweile habe ich die portugiesische Staatsbürgerschaft. Ich bin Ingenieur. 1969 gab es eine internationale Meeresausstellung in Buenos Aires mit der ersten Delfin-Show in Argentinien. Ich wurde zum Geschäftspartner der Amerikaner, die die Show vorstellten, und so begann meine Karriere. In ganz Lateinamerika habe ich Delfin-Shows präsentiert. Und es hat mir immer Vergnügen bereitet, sie als Erster den Menschen zeigen zu können. Damals dachten viele noch, dass Delfine Fische seien. Wir haben zur Aufklärung des Publikums über Delfine beigetragen. Das ist mir sehr wichtig und es macht mich stolz. Auch in Portugal waren wir die Ersten, die Delfine zeigten.

Wie kann ein Vergnügungspark wie Zoomarine zur Aufklärung des Publikums beitragen?
Indem wir dem Publikum die Tiere und die Ökosysteme näher bringen. Wir machen es auf eine spielerische Art, die weitaus effizienter ist, anhand unserer Shows. Zudem haben wir eine Bildungsabteilung, die nicht nur Programme für Schulen, sondern für das gesamte Publikum bereithält. Wir sind stark wissenschaftlich engagiert, kooperieren mit verschiedenen Universitäten in wissenschaftlichen Projekten, wie beispielsweise im Bereich der Fortpflanzung der Tiere.
All unsere Tiere kamen aus anderen Zoos oder wurden hier geboren. Darauf sind wir sehr stolz. Ebenfalls stolz sind wir auf unsere langjährige Zusammenarbeit mit der Universität der Algarve. Das Protokoll zur Zusammenarbeit wurde 1990 unterschrieben, noch vor der Eröffnung des Parks.

Sie kamen 1988 mit den Delfinen aus Miami im Lissabonner Zoo an. Wie kam es zum Umzug in die Algarve?
Der Zoo in Lissabon war ein erster Schritt, doch mein Plan bestand darin, hier ein Projekt umzusetzen, das ich 1986 in Rio de Janeiro verwirklichen wollte, was leider nicht klappte. Die Algarve hatte ich schon vorher besucht und kannte das touristische Potenzial der Region. Ich wusste, dass mein Projekt eine Alternative zu Strand und Sonne sein könnte. Als ich also in Lissabon ankam, beschloss ich, in die Algarve zu kommen und hier ein zentral gelegenes Grundstück an der EN125 in der Gegend von Albufeira zu kaufen, das schon damals eine Tourismushochburg war. Wir kauften 7,5 Hektar und ich stellte das Projekt der portugiesischen Tourismusbehörde vor. Wir erhielten finanzielle Unterstützung, investierten selbst und 22 Monate später eröffneten wir den Park. Nachdem ich bereits in Brasilien, Mexiko und Italien Geschäfte gemacht hatte, bin ich ein großer Verteidiger der portugiesischen Bürokratie. Im Rathaus von Albufeira lief alles reibungslos ab. Ich reichte die Dokumente im April ein und im August öffneten wir die Tore von Zoomarine. Es hätte nicht schneller oder effizienter ablaufen können!

Welche Wirkung hatte Zoomarine ihrer Meinung nach in Portugal?
Wir sind natürlich sehr stolz darauf, hier die Ersten gewesen zu sein. Aber wir haben nichts erfunden. In vielen Dingen sind wir den Beispielen von Disney und SeaWorld gefolgt, haben aber gleichzeitig unsere eigene Identität geschaffen. Wir sind stolz, laut Ranking von TripAdvisor der siebtbeste Erlebnispark in Europa zu sein, obwohl wir sehr klein sind. Auf Platz Eins steht ein Park, der 15 Millionen Besucher pro Jahr hat, wir haben 500.000. Unserem Publikum stellen wir das zur Verfügung, was wir selbst als Besucher eines Themenparks gerne hätten. Wir haben eine ausgezeichnete Gastronomie, Sonne und ein vielsprachiges Team. Wir streben danach, dass unsere Besucher in ihrem Heimatland von ihren Eindrücken aus Portugal als tolles Land erzählen, wo sie sich sicher gefühlt haben und alle freundlich zu ihnen waren und dass sie bei uns einen unvergesslichen Tag erlebt haben.

Sie sprechen oft von SeaWorld, ein Park, der wegen angeblicher Verstöße gegen den Tierschutz oft in der Kritik steht. Zoomarine wird hingegen als beispielhaft angesehen.
Wir richten uns nach einem ethischen Grundsatz: Die Achtung vor Mensch und Tier. Man hat mich schon gefragt, wieso ich alle Wasserfilterpumpen gleichzeitig eingeschaltet habe oder wieso wir unsere Tiere mit einer so großen Vielfalt an Fischen füttern. Wir haben sehr strenge technische Protokolle ausgearbeitet und wenden diese auch strikt an. Unsere Tiere werden nicht nach Kilo, sondern nach Kilokalorie ernährt. Es gibt vier grundlegende Aspekte: Das Wasser, die Ernährung, die Tiertrainer und die liebevolle Beziehung der Tierpfleger zu den Tieren. Wenn man sich lediglich nach finanziellen Grundsätzen richtet und die Ethik vergisst, dann hat man ein Problem. Einige Menschen sind gegen Tierhaltung dieser Art, aber wir sind vollkommen überzeugt, unsere Tiere auf ethische Weise zu schützen. Sie haben bei uns ein gutes Leben und helfen uns dabei den Kindern zu erklären, dass die Welt nicht uns Menschen gehört und wir sie teilen müssen.

Was war die größte Herausforderung, mit der Sie sich im Laufe dieser 25 Jahre konfrontiert sahen?
Ich glaube, das war die Mehrwertsteuer-Erhöhung von 6 % auf 23 %. Das war ein harter Schlag, der harte Maßnahmen von uns erforderte. Wir mussten einige Mitarbeiter entlassen, während der Wintermonate schließen und umstrukturieren. Wir haben einen neuen Geschäftsführer engagiert, der aus einem prestigeträchtigen spanischen Unternehmen kam und eine strenge Verwaltungsform mitbrachte. Wir reduzierten von acht auf vier Direktoren, strichen Autos, Telefon und andere Vorteile, die die Verwalter hatten, und kürzten auch deren Gehälter. Zwei Geschäftspartner, die seit Beginn dabei waren, verließen uns, weil sie mit den neuen Maßnahmen nicht einverstanden waren. Doch in den letzten vier Jahren ist es uns durch die Umstrukturierung und das Engagement unserer Mitarbeiter gelungen, die Schwierigkeiten zu überwinden und wir haben uns sogar noch weiter verbessert.

Sie sagten, dass Sie ein überzeugter Portugiese sind. Was verzaubert Sie in der Algarve?
Die Algarve ist mein Zuhause und das meiner Kinder. Hier sind meine Freunde, mein Haus, mein Traum. Dieser Erlebnispark ist mein Traum. Die Algarve ist ein wahres Paradies, sei es wegen der Lebensqualität, des Klimas, der Gastronomie, der Sicherheit oder der Natur. Es gibt keinen anderen Ort auf der Erde, an dem ich leben möchte. Hier hatte ich die Möglichkeit, meinen Traum zu verwirklichen und ich bin auch stolz, dass mein Projekt anerkannt wird. Erst vor Kurzem wurden wir vom Institut für Mittelstands- und Innovationsförderung (IAPMEI) und von der nationalen Tourismusbehörde zu einem der erfolgreichsten mittelständischen Unternehmen des Landes gekürt.

Text: Ana Tavares
Foto: Élio Ramos
ESA 08/16

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