Ausflug – Grottenfahrt zwischen Ferragudo und Caramujeira

GROTTENFAHRT

Mit Recht wirbt die Tourismusbehörde der Algarve mit dem Slogan ,,Europas best bewahrtes Geheimnis”. Die Region verbirgt wahre Schätze. Viele von ihnen können nur vom Meer aus entdeckt werden. Der Küstenabschnitt zwischen Ferragudo und Caramujeira ist ein solcher Schatz

Osiris ist der ägyptische Gott des Jenseits, der Wiedergeburt und des Nils, aber auch der Name des Segelbootes von Augusto Venâncio, mit dem wir den Grottenausflug entlang der Küste von Lagoa machen. In der Tat könnte man meinen, dass uns das Segelboot Osiris zum Jenseits bringt und wir dabei wiedergeboren werden. Was meine Augen bei dieser Fahrt erfassen, berührt meine Seele und weckt in mir den Stolz, eine Algarvia zu sein und hier leben zu dürfen. Die Küste ist traumhaft schön, ein Paradies auf Erden. Zweimal am Tag fährt die Osiris-Crew im Sommer aufs Meer. Um 10 Uhr und um 14.30 Uhr. Die Fahrt dauert zirka drei Stunden. Start ist am Kai neben dem Clube Naval in Portimão. Sollte der Wind nicht ausreichend wehen, sorgt ein Motor für die Fortbewegung. Noch auf dem Fluss sieht man am Ostufer eines der letzten typischen Fischerdörfer der Algarve, Ferragudo, am Westufer eine der Tourismushochburgen der Region, Portimão. Der Unterschied zwischen den an den Hang geschmiegten kleinen weißen Häusern von Ferragudo und den oft über 15 Etagen hohen Gebäuden von Praia da Rocha könnte nicht größer sein. All dies ist vergessen, sobald das Segelboot zwischen den beiden Molen durchfährt und die Segel hisst. Rechts ist das große weite Meer, links die Strände Farol und Pintadinho mit ihrem feinen weißen Sand, in dem sich zu dieser Jahreszeit viele Touristen sonnen. Die Strände entlang dieses Küstenabschnitts sind meistens klein und daher im Sommer überfüllt. Doch vom Boot aus können Sonne und Wasser genossen werden, ohne sich um jeden Quadratmeter Strand streiten zu müssen; beim Anblick der ockergelben Steilküste sind die Sorgen um den perfekten Teint sowieso schnell vergessen. Die Natur hat hier wahrhaft Unglaubliches geschaffen. Im Laufe der Jahrtausende haben unterschiedliche Temperaturen und Niederschläge, die aus Kalk- und Sandstein bestehenden Klippen in verschiedene Braun- und Gelbtöne gefärbt. Das obere Gestein ist poröser, das untere, durch den von den oberen Schichten verursachten Druck, kompakter. Die durch Wind und Wasser bewirkte Erosion führte zu bizarren Felsformationen, Brandungstoren und Höhlen. Kleine Öffnungen in den Klippen, die fast wie Fenster aussehen, dienen Möwen und anderen Vögeln als Zuhause. Oft hat man den Eindruck, dass ein Bildhauer sie gemeißelt hat. Doch all dies ist allein das Werk der Natur. Selbst Augusto ist nach fast 22 Jahren im Geschäft der Grottenfahrten noch immer beeindruckt. Er bereut keine einzige Sekunde, seinen Arbeitsplatz bei der Marine dafür aufgegeben zu haben. Wir fahren an den Stränden Caneiros, Mato, Paraíso, Carvoeiro, Centeanes, Carvalho und Benagil vorbei. Dazwischen gibt es einige Buchten, die nur per Boot zugänglich sind. Hier gehört das Areal den Möwen. Die ersten Höhlen besichtigen wir nach Cabo Carvoeiro. Ein kleiner Felsvorsprung, über dem der Leuchtturm ragt. Alle Passagiere steigen um in ein kleineres Boot, an dessen Steuer Filipe steht, ein Fischer, der sich im Sommer etwas nebenbei verdient. ,,Vom Fischfang wird keiner mehr satt”, erklärt er uns. Gezielt und sicher manövriert er das kleine Boot durch die Höhlen. In ihrem Inneren ist der Meeresgeruch angenehm intensiv. Einige Höhlen sind ganz dunkel, bei anderen lassen Öffnungen die Sonnenstrahlen hinein, andere verbergen kleine Strände mit solch feinem Sand und klarem Wasser, dass man am liebsten gleich hinein springen möchte. Im letzten Winter hat das Meer mehr Sand an die Küste gespült, so dass das Wasser in den Höhlen niedriger geworden ist und die Boote manchmal nicht mehr so weit hinein fahren können oder überhaupt nicht. Insgesamt haben wir zwölf geheimnisvolle Höhlen besichtigt. Kleinere, größere, tiefere, mit und ohne Strand. Doch alle sind gleichermaßen beeindruckend. Bei der Rückfahrt am späten Nachmittag färbt zudem die Sonne am Horizont die Klippen in Goldtöne. Dann ist es Zeit sich aufs Deck zu legen und zu entspannen, während man die frische Luft atmet und die am Tag gewonnenen Eindrücke noch einmal revue passieren lässt. Seit sechs Jahren lebe ich in Lagoa. Oft wanderte ich entlang der Küste, besuchte die Strände des Bezirks und war natürlich von den Klippen, den Felsformationen, den Buchten und den Farben des Meeres beeindruckt. Die Küste vom Meer aus zu sehen, gab mir jedoch eine ganz neue Perspektive. Eine atemberaubende, die mich zu dem Schluss kommen lässt, dass diese Küste eine der schönsten der Welt ist.

Anabela Gaspar

,,Osiris” Augusto Venâncio

Mob. 962 374 081

 

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