Ausflug – Herdade dos Grous (Alentejo)

Endstation Schlaraffenland

Es gibt im Alentejo einen Ort des stillen Glücks und des perfekten Genusses, den es sich lohnt zu besuchen ­ die Herdade dos Grous
Text: BERND KEINER

Der April ist eigentlich die perfekte Zeit für einen Ausflug in den Alentejo. Dort findet man nicht nur eine archaische Landschaft, die an Umbrien oder die Toscana erinnert: endlose hügelige Wiesen, gelb blühende Ginsterinseln, uralte Olivenhaine und einsame, im Wind knarzende Korkeichen, sondern auch das Schlaraffenland ­ die Herdade dos Grous. Anders als im Märchen ist das ,,Landgut der Kraniche” kein fiktiver Ort, sondern wunderbare Wirklichkeit. In den Flussbetten fließen zwar nicht Milch und Honig, doch auf den sanft gewellten Hügeln des Landgutes reifen die traditionellen Rebsorten Aragonês, Touriga Nacional, Alicante Bouschet, Tempranillo und Syrah, aus denen ein Önologe wie Luis Duarte Weine generiert, welche zu den besten des Landes zählen. ,,Vor neun Jahren haben wir angefangen die ersten Rebstöcke zu pflanzen. Der Boden erscheint auf den ersten Blick karg und mager, ist jedoch reich an Kalk, Lehm, Sand und Magnesium, keine schlechten Voraussetzungen also für den Weinanbau”, beschreibt der gebürtige Angolaner sein bevorzugtes Habitat. ,,Mittlerweile produzieren wir hier auf dem 730 Hektar großen Landgut knapp 500.000 Flaschen Wein. Und ich spreche nicht von ,,Marmeladenweinen”, sondern von charaktervollen Tintos und Reservas. Besonders stolz sind wir auf unseren Herdade dos Grous Moon Harvested. Den Erntezeitpunkt für die Reben, wir nehmen nur die Sorte Alicante Bouschet, bestimmen wir anhand der Mondphase. In Barrique-Fässern vergoren und später in Flaschen abgefüllt, entwickelt dieser Wein feinere Tannine und einen besseren Extrakt. Der 2008 ist kräftig, vollmundig, kompakt, mit Aromen von Brombeeren und Wildkirschen. In sechs bis zehn Jahren getrunken, wird er ihren Geschmackssinnen die Pforten zum Paradies öffnen, und das ist bestimmt kein Märchen.” Wie hervorragend die Weine schmecken, kann man in aller Ruhe selbst testen: im Weinkeller ,,Vila Alentejo” bei romantischem Kerzenlicht zu zweit, an der Weinbar vor dem Zubettgehen, bei einer Degustation im Freundeskreis, beim Angeln im Ruderboot oder bei einem Picknick am See mit Blick auf in Bäumen brütenden, schnäbelnden Störche. Diese sind Dauerbewohner und verbringen, im Gegensatz zu den anderen Gästen, das ganze Jahr auf der Herdade. Dass es sich in dieser Wohlfühloase gut leben lässt, wissen auch ein schwarzer Labrador mit Namen Aladin und andere Tiere: Strauße, Esel, Schwäne, Ziegen, Schafe, Hühner und Iberische Schweine. Letztere genießen zwar die Annehmlichkeiten artgerechter Haltung, haben aber das Pech wohlschmeckend zu sein und so landen sie als Filet, Kotelett oder Schinkenscheibchen in der Küche des Restaurants ,,Adega”. Anders als im Paradies des Nichtstuns fliegen hier keine gebratenen Krammetsvögel mit kleinen Küchlein durch die klare würzige Luft des Alentejo. Ricardo Moutinho, der Küchenchef ist erst 26, doch was er und seine Crew auf die Teller zaubern, würde jeden Michelin-Tester überzeugen. Im Restaurant sitzt man gemütlich an rustikalen dunklen Holztischen. Zu den vortrefflichen, blumig-fruchtigen Weißweinen munden am Besten Tiborna mit goldgelbem Olivenöl, Salat vom Tintenfisch mit Wachtelrührei, deftige geräucherte schwarze Chouriços (von besagten Schweinen) und natürlich Jacobsmuscheln mit Blattsalat aus den organischen Gärten der Herdade. So unkonventionell wie Weindirektor Luis Duarte selbst, sind auch dessen WeinEmpfehlungen. ,,Es gibt kein richtig oder falsch. Nur die persönlichen Eindrücke sind wichtig. Warum also sollte man nicht einen wuchtigen, gehaltvollen Reserva Rot mit Aromen der schwarzen Johannisbeere und mineralischen Noten zur traditionellen Tomatensuppe, gegrilltem Wolfsbarsch (Robalo) oder zum Kalbs-Carpaccio mit Rosmarin und Kürbismousse trinken?” In der Tat, der Mann hat Recht und weiß, was gut schmeckt und miteinander harmoniert. Nach so viel Genuss, eine der wichtigsten Tugenden im Schlaraffenland, verlangt so mancher Gast zu ruhen und ein Nickerchen zu halten. Hierfür bietet die Herdade ihren Gästen zwölf liebevoll eingerichtete Doppelzimmer und zwölf luxuriöse Suiten an. Faulenzen lässt sich aber auch vortrefflich in einer bunten Hängematte oder am Swimmingpool. Wer an diesem Ort der Ruhe und Beschaulichkeit unbedingt aktiv sein möchte, kann entweder in die Luft gehen (bei einer Ballonfahrt), ein wenig reiten (auf Rappen und Mountainbikes), die Angelrute baden oder klettern, denn direkt am See befindet sich der wahrscheinlich größte Hochseilklettergarten Portugals. Also, fahren Sie mal hin ins Schlaraffenland, in die Herdade dos Grous, am Besten (und Schnellsten) über die IC1 bis Ourique und weiter über die IP2 Richtung Beja.

Herdade dos Grous Albernôa, 7800-601 Beja Tel.: +351 284 960 000 herdadedosgrous@ vilavitaparc.com www.vilavitahotels.com

 

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